
Das Arnsberger „Spielwerk“
Der berühmte Mord im Orientexpress fand im April auf der Bühne der Arnsberger Kulturschmiede statt. Elf Schauspielerinnen und Schauspieler verkörperten in überzeugender Darstellung die unterschiedlichen Charaktere der acht Verdächtigen und weiterer Personen in Agatha Christies Krimi. Ihre lebendige, ungekünstelte Darstellungskraft ließ die spannungsgeladenen Zuschauer Teil der überstürzenden Ereignisse auf der Bühne werden. Die Professionalität der Aufführung ließ völlig vergessen, dass hier Laienschauspieler agierten, die unter dem Namen „Spielwerk“ in dieser Form seit 2013 fester Bestandteil der Arnsberger Kulturszene sind und deren sechs Aufführungen bereits kurz nach der Ankündigung restlos ausverkauft waren.
Jedes Jahr präsentieren die etwa 15 Mitglieder des eingetragenen Vereins ein neues Bühnenstück. Der Vereinsvorsitzende Christian Vernholz nennt als wichtiges Auswahlkriterium für an sich bekannte literarische Werke einen ernsthaften Unterhaltungswert, der zwar witzig-heiter, aber nicht klamaukig sein darf. Das Stück muss zudem zum recht breit gefächerten Potential der Schauspieltruppe passen, um die unterschiedlichen Rollen überzeugend umzusetzen. Das nicht mehr ganz junge Durchschnittsalter der Gruppe setzt dabei oft Grenzen. Daher würde sich „Spielwerk“ über jungen Nachwuchs freuen.

Der Weg auf die Bühne
Zunächst werden die Texte des neuen Stücks gemeinsam gelesen. Anschließend erfolgt die Rollenverteilung, und die Schauspielerinnen und Schauspieler beginnen, ihre Texte zu lernen. In den ersten Proben stehen diese, teilweise noch mit Unterstützung der Manuskripte, im Mittelpunkt. Nach und nach rücken jedoch die darstellerischen Anforderungen des Stücks stärker ins imaginäre Rampenlicht, wodurch auch die Regisseurinnen Sylvia Düllberg und Iris Vernholz zunehmend gefordert sind. Letztere weist auf die unterschiedlichen Perspektiven beim Theaterspiel hin: „Man sieht sich auf der Bühne ja selbst nicht, sondern konzentriert sich zunächst auf das Spiel der Mitwirkenden und auf den Text.“

Da die Sicht aus dem Zuschauerraum eine andere ist, gibt die Regie Anweisungen zu Laufwegen, Körperhaltung und Mimik der einzelnen Akteure, um Dynamik und Ausdruckskraft des Spiels bestmöglich zur Geltung zu bringen.
In den letzten drei Wochen vor der Premiere, nach rund acht Monaten Probenarbeit, wird schließlich in Kostümen auf der Bühne der Kulturschmiede realitätsnah geprobt. Dabei wird auch die für ein Theaterstück unverzichtbare technische Peripherie wie Licht- und Tontechnik eingespielt. Eine entscheidende Rolle spielt zudem das Bühnenbild, das Vereinsmitglied Michael Hahne so gestaltet, dass mit möglichst wenigen Umbauten jederzeit ein passendes Ambiente für das Bühnengeschehen entsteht.
In dieser Weise haben die Spielwerker sich an durchweg anspruchsvolle Stücke mit großem professionellem Erfolg herangewagt wie beispielsweise: „Jedermann“, „Der zerbrochene Krug“, „Kleider machen Leute“, „Die zwölf Geschworenen“, „Biedermann und die Brandstifter“, „Der Frosch mit der Maske“ und 2021 das äußerst anspruchsvolle Stück „Terror“ von Ferdinand von Schirach mit dazugehöriger Zuschauer-Abstimmung vor großem Publikum im Sauerland-Theater.



