Kultur von Bürgern für Bürger

Auch im Haus Kupferhammer und im Haus Welschenbeck finden regelmäßig Veranstaltungen statt.

Quelle: KI Warstein

Seit 15 Jahren ehrenamtlich getragen: die Kulturinitiative Warstein

Was heute als feste Größe im kulturellen Leben der Stadt Warstein gilt, stand 2011 kurz vor dem Aus. Das 1974 errichtete Gebäude, lange als Aula und Theaterstätte genutzt, war technisch, energetisch und brandschutzrechtlich stark sanierungsbedürftig. Im Stadtrat wurde darüber diskutiert, die Spielstätte aufzugeben.

Mike Römer, Vorsitzender der Kulturinitiative Warstein (Ki), erinnert sich: „Für uns war klar: Wenn die Theateraula verschwindet, kann man ein kulturelles Engagement, das über die traditionelle Vereinskultur hinausgeht, vergessen!“ 2011 formierte sich daher Widerstand: Einige engagierte Bürgerinnen und Bürger wollten den drohenden Verlust nicht hinnehmen. Mit Erfolg: Statt Abriss entschied sich der Stadtrat für eine umfassende Sanierung aus Landesmitteln. Rund 1,8 Millionen Euro flossen in das für die Kultur in Warstein so wichtige Gebäude.

Kulturinitiative WarsteinQuelle: KI Warstein
Kulturinitiative Warstein



Parallel gründete sich die Kulturinitiative Warstein mit rund 50 Mitgliedern. „Ein Haus nur zu retten, ohne es mit Leben zu füllen, wäre sinnlos gewesen“, sagt Werner Braukmann, stellvertretender Vorsitzender der Ki. Bereits im Gründungsjahr fanden erste Veranstaltungen statt. „Wir wollten zeigen, was hier alles möglich ist.“ Mit der Sanierung erhielt die Theateraula den Namen „Neue Aula“. „Der Begriff Theater war uns zu eng“, erklärt er. „Die Neue Aula sollte ein Raum für ganz unterschiedliche Kulturformate sein.“

Breites Programm
Heute, im Jubiläumsjahr 2026, zählt die Ki Warstein rund 220 Mitglieder, davon etwa 40 Aktive, die den Betrieb vollständig ehrenamtlich stemmen. Jährlich werden rund 60 bis 65 Veranstaltungen mit etwa 12.000 Besucherinnen und Besuchern organisiert.

Das Spektrum reicht vom „Donnerstagskino“ – liebevoll auch „DoKino“ genannt – mit ausgewählten Filmproduktionen über professionelle Kindertheatergastspiele bis hin zu Kabarett, Konzerten, Klassik- und Kleinkunstabenden. Sechsmal im Jahr kommen Theaterensembles aus ganz Deutschland nach Warstein. Ergänzt wird das Programm durch Formate wie das „Café-Kino“ am Sonntagnachmittag oder kleinere, intime Veranstaltungen in Kooperation mit lokalen Partnern. „Wir erreichen Kinder ab drei Jahren genauso wie kulturinteressierte Erwachsene“, sagt Römer. „Das ist uns extrem wichtig.“

Ballettgala 125 Jahre TUS BeleckeQuelle: KI Warstein
Ballettgala 125 Jahre TUS Belecke

Organisatorisch gleicht die Initiative inzwischen einem kleinen Unternehmen: Programmplanung, Technik, Werbung, Ticketverkauf, Thekenbetrieb und Instandhaltung werden intern koordiniert. „Im Grunde sind wir ein kleiner Kulturbetrieb und jeder hat seine Aufgabe“, so Braukmann.

Zuversichtlich in die Zukunft
Die KI arbeitet weitgehend ohne städtischen Zuschuss. Finanziert wird der Betrieb über Eintrittsgelder, Vermietungen sowie Sponsoren und Förderer, darunter die Paul-Cramer-Stiftung der Warsteiner Brauerei und regionale Unternehmen. „Kultur ist teuer, und ohne Unterstützung läuft nichts“, betont Römer. Eine Herausforderung bleibt der Generationenwechsel: Viele der Engagierten sind über 60 Jahre alt. „Wir brauchen junge Leute, die Verantwortung übernehmen wollen und Lust auf Kultur haben“, so Römer.

Dennoch blickt die Initiative zuversichtlich nach vorn. „Unsere Truppe brennt“, sagt Braukmann. „Und solange dieses Feuer da ist, machen wir weiter.“ So lautet das Credo der Kulturinitiative seit 15 Jahren: Nicht reden, sondern machen.


Mike Römer, 1. Vorsitzender, und Werner Braukmann 2. Vorsitzender der Ki Warstein.Quelle: KI Warstein
Mike Römer, 1. Vorsitzender, und Werner Braukmann 2. Vorsitzender der Ki Warstein.