KULTUR MACHT STARK

Konzert am 22. März 2024 in der Stadthalle in Schmallenberg.

Wie in jedem Jahr studiert das Jugendsinfonieorchester ein Programm ein, welches dann in einem Konzert im Frühling aufgeführt wird. Dieses Jahr dreht sich alles um Videospiele. „Videogames in Concert“ heißt der Titel des Projektes. Es präsentiert unterschiedliche Melodien aus bekannten alten und neuen Videospielen wie etwa „Monkey Island“, „Legend Of Zelda“ und „Super Mario Bros“.

Unterstützt wird das Orchester nicht nur von Musikerinnen und Musikern des Partnerorchesters der Philharmonie Hagen, sondern auch von vier allgemeinbildenden Schulen aus dem Sauerland. Die Martinsschule in Dorlar, die Schule am Wilzenberg in Schmallenberg, das Gymnasium Schmallenberg und das Gymnasium Meschede begleiten das Projekt. Einige Schülerinnen und Schüler bereiten sich seit Monaten auf das Konzert im März vor und kreieren einzelne Performances zur Musik.

„Kultur macht stark“, ein Förderprogramm für kulturelle Bildung, fördert das Projekt und die Zusammenarbeit.

Über das Projekt Videogames in Concert hat die WOLL-Redaktion mit dem musikalischen Leiter der Musikschule des Hochsauerlandkreises  Marcos Kopf gesprochen.

WOLL: Seit Wochen proben Sie mit jungen Musikern aus den Hochsauerlandkreis für ein Konzert und Performance unter dem Motto: „Videogames in Concert“. Was genau ist darunter zu verstehen?
Marcos Kopf:
In jedem von uns steckt, oder sollte stecken, eine unermüdliche Lust am Spielen. Es ist schön, dass das Wort spielen auch für das Musizieren am Instrument genutzt wird. Letzt lich sind Spiele und Musik sehr gut miteinander verwandt: Wer mit Freude musiziert, spielt! Es funktioniert zwar nicht immer gleich, aber nach und nach werden wir im Spiel kontinuierlich besser. Bei „Videogames in Concert“ widmen sich über 100 Jugendliche aus den verschiedensten Ecken im Kreis der Musik, die das Spielen am Computer so spannend macht. Ich denke, ein Videogame ohne Musik ist nicht einmal halb so fesselnd. Die Musik zu den Videogames wird orchestral aufgeführt. Besonders gespannt bin ich auch auf die digitalen Performances, die die Jugendlichen aus den allgemeinbildenden Schulen im Projekt vorbereiten. Hier haben viele junge Menschen zum ersten Mal einen Zugang zu performativer Musik und zur Musikproduktion gefunden.

WOLL: Wie hat die Zusammenarbeit zwischen dem Jugendsinfonieorchester der Musikschule Hochsauerlandkreis, dem Philharmonischen Orchester Hagen und den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Schmallenberg, der Schule am Wilzenberg, der Martinsschule Dorlar und dem Gymnasium der Stadt Meschede funktioniert?
Marcos Kopf:
Es war ein Riesenspaß! Ein tolles Team! Tatsächlich ist nicht das Zusammenarbeiten die Herausforderung an sich. Die Teilnahme am Projekt, sowohl der Bündnispartner als auch der Schülerschaft und Lehrkräfte, ist rein freiwillig. Und wer Lust auf so etwas hat, macht motiviert mit. Das ergibt eine Vielfalt an Impulsen und Ideen, die in aller Kürze eines Konzerts zum Tragen kommen. Natürlich ist das Zusammenbringen von so vielen verschiedenen Institutionen für solch ein großes Projekt ein Lernprozess. Alle müssen sich ein Stück in die Richtung der anderen bewegen. Ich denke, dies ist eine der großen Stärken einer Musikschule: Sie ist als öffentliche, kulturelle Bildungseinrichtung in der Lage, sehr flexibel mit allen Voraussetzungen umzugehen und das Beste von jedem zu bündeln.

WOLL: Am 22. März kommt es zur Aufführung des Konzertes und der Performance in der Stadthalle Schmallenberg. Was können die Zuhörer/Zuschauer erwarten?
Marcos Kopf:
Es erwartet sie eine packende abwechslungsreiche etwa 80-minütige Veranstaltung. Wir spielen und performen Musik aus Computerspielen der letzten drei Jahrzehnte. Dabei spielen das Jugendsinfonieorchester, die Schülerinnen und Schüler der Schulen und das Philharmonische Orchester Hagen die Musik im Wechsel. Für ein junges Publikum ist dies ein schöner Weg, den Zugang zur Orchestermusik zu finden. Auch zu hören, wie gut ein Einstieg in die Welt der Musik gelingen kann. Aber auch „ältere Semester“ kommen auf ihre Kosten. Für alle, die mal Videogames gespielt haben, ist etwas dabei. Apropos Kosten: Der Eintritt ist frei! Wenn jemand Sorge hat, nicht mehr in das Konzert zu können, kann er die freien Karten unter orchester@hochsauerlandkreis. de reservieren. Dies ist nur durch die großartige Förderung des Bundesprogramms „Kultur macht stark“ und den Einsatz aller Bündnispartner möglich.

WOLL: Wie bewerten Sie als musikalischer Leiter der Musikschule Hochsauerlandkreis die Musikszene im Hochsauerlandkreis?
Marcos Kopf:
Ich finde sie phänomenal. Die Vielfalt und Dichte an Musikvereinen, Chören, Bands und Orchester macht aus dieser eher ländlich geprägten Region nicht nur als Landschaft einen sehr erlebenswerten Ort. Die vielen Konzertreihen, Feste und Festivals beweisen, dass man im HSK vieles hören und sehen kann. Besonders gut gefällt mir, neben den vielen guten Konzerten der Musikschule, das internationale Brass Festival „Sauerland Herbst“. Vom erstklassigen Niveau der Konzerte und Workshops können alle profitieren.

Und hier spielt die Stadt Schmallenberg eine Hauptrolle: Die vielen Probenphasen, die Orchester und andere Klangkörper durchführen, wären ohne das einmalige Musikbildungszentrum Südwestfalen in Bad Fredeburg nicht möglich. Ich kenne bisher niemanden, der nicht staunend vor dem Haus steht und davon tief beeindruckt weitererzählt.

WOLL: Sie sind jetzt etwa fünf Jahre für die Musikschule Hochsauerlandkreis mitverantwortlich. Haben sich Ihre Ziele und Erwartungen bisher erfüllt?
Marcos Kopf:
Zu sagen, es wären einfache Jahre gewesen, wäre nicht richtig. Ziemlich direkt nach dem Beginn meiner Tätigkeit an der Musikschule Hochsauerlandkreis brach die Jahrhundert-Pandemie aus, der Ukrainekrieg folgte, die Wirtschaftskrise, der Gesellschaftswandel … Es möchte derzeit mit den Weltkrisen nicht nachlassen.

Aber gerade da war und ist die Arbeit der Musikschule eine wichtige gesellschaftliche Säule. Wer musiziert, bleibt „online“. Dieses Ziel, die Musik als wichtiges Merkmal des menschlichen Daseins zu erhalten, ist uns gelungen und wir konnten viele weitere Entwicklungen in dieser Zeit voranbringen. Wir haben uns pädagogisch, künstlerisch, inklusiv, integrativ und digital weiterentwickelt. Wir haben aber auch neue Horizonte und Ziele entdeckt, die wir anstreben möchten. Die Welt bleibt doch immer im Fluss …