Künstler mit Spraydosen

Künstler mit Spraydose

Sie verschönern Unterführungen oder machen Wände zu Hinguckern: An vielen Stellen im Sauerland finden sich Graffiti von „Sprühliebe“. Alle legal. Denn Inhaber Marcel Veneman hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

Fährt man über die Ruhrbrücke nach Wickede, fällt er sofort ins Auge: Ein leuchtend bunter Eisvogel, gesprayt auf ein Pumpenhäuschen direkt am Ruhrtalradweg.  Ein Teil der davorliegenden Hochwasserschutzwand ist mit Fischen gestaltet. Auf die Wand gebracht hat alles die Firma „Sprühliebe“ aus Menden – im Auftrag der Stadt Wickede. „Wir wollten hier einen richtigen Hingucker mit Bezug zur renaturierten Ruhr schaffen“, erzählt Chef Marcel Veneman.

Dass er einmal vom Graffitisprayen leben würde, hätte er nie gedacht. Doch nach einem Verkehrsunfall musste sich der gelernte Logistik-Fachmann beruflich neu orientieren. Der entscheidende Anstoß kam vom Schwiegervater: „Mach’ doch was mit deiner Kunst!“

Werben und schützen
Gemalt hat Veneman schon als Kind gern. Die ersten Graffiti sah er, als er als Elfjähriger mit dem Zug von seinem früheren Wohnort Wickede nach Neheim zur Schule fuhr. Dabei rauschte er an bunt besprühten Mauern vorbei. Sofort fing er Feuer. „Ich habe mir dann alles rund ums Sprayen selbst beigebracht“, erinnert er sich. Vor allem Buchstaben und Comic-Elemente hatten es ihm angetan.

Heute ist er vierzig Jahre alt und bereits seit zwölf Jahren mit seiner Firma Sprühliebe selbstständig. Rund 50 Aufträge pro Jahr setzt er um, sogar in der Schweiz. Die Motive reichen von Naturbildern über städtische Wahrzeichen bis hin zu einem Lkw an der Kinderzimmerwand. „Im Sauerland sind vor allem Landschaftsdarstellungen beliebt“, stellt er fest. Privatkunden wünschen sich meistens etwas Einzigartiges für das eigene Haus. Unternehmen und Kommunen setzen auf Außenwirkung oder wollen Schmierereien vorbeugen. „Entgegen der allgemeinen Annahme gibt es allerdings keinen Ehrenkodex, Graffiti nicht zu beschmieren. Aber eine Hemmschwelle ist da“, weiß Veneman. „Von unseren 500 Bildern wurde bisher nur eines beschädigt.“

Eslohe
Eslohe

Aufwändige Arbeit
Um die vielen Aufträge zu stemmen, arbeitet er inzwischen mit vier freiberuflichen Sprayern zusammen. Jeder bringt eigene Vorlieben mit. „Ich stelle meine Arbeiten gern auf Instagram vor. So kam ich auch mit André Haferkorn aus Lüneburg in Kontakt. Er malt geradezu mit der Spraydose – vor allem Naturmotive.“ Deshalb durfte er federführend das Graffiti in Wickede ausführen.

Veneman hatte dafür – wie bei jedem seiner Aufträge – seinem Kunden zunächst mehrere Entwürfe vorgelegt. Das ausgewählte Motiv zeichneten die beiden Männer dann bei Sonnenuntergang mithilfe eines Beamers vor. Insgesamt sieben Tage arbeiteten sie an dem Werk, teilweise sogar von einem Hubsteiger aus. Heute ist das Graffiti wie geplant ein Hingucker für alle, die in Wickede entlang der Ruhr unterwegs sind. Und so bereichert das, was als einst Faszination im Zug begann, jetzt das Stadtbild im Sauerland. Kreativ, professionell und mit viel „Sprühliebe“.

www.spruehliebe.de

Graffiti Attendorn
Graffiti Attendorn
Graffiti in Wickede
Graffiti in Wickede