Kappests Kleinode: Kreuzbergkapelle Hallenberg

Kreuzbergkapelle Hallenberg

Seit genau 300 Jahren steht die kleine Barockkapelle nun schon auf dem Kreuzberg über Hallenberg – heute als 12. Station des Hallenberger Kreuzweges. Kapellen wie sie gibt es viele im Sauerland. Jede von ihnen wird durch eine kleine Eigenheit zu etwas ganz Besonderem. Hoch über Hallenberg geht es um Aus- und Durchblicke. Stürme und Borkenkäfer haben dafür gesorgt, dass Besucher diese Blicke heute wieder erleben können.

Im Jahr 1725 stifteten die Brüder Jakob und Johann David Mörchen die Kapelle. Zunächst war Jakob, der ältere, Pastor in Hallenberg. Nach seinem Tod folgte ihm sein künstlerisch begabter Bruder ins Amt. Johann David hat nicht nur die Christusfigur neben dem Altar der Kapelle geschaffen, sondern auch jene in der etwas weiter unten am Hang befindlichen Heilig-Grab-Kapelle. Um den Erhalt der von ihnen gestifteten Bauten zu sichern, bildeten die Brüder Mörchen aus ihrem Nachlass einen Fond, der als „Kreuzberg-Kapellenfond“ bis heute Bestand hat. Ohne die intensive, ehrenamtliche Betreuung des Ensembles durch die Hallenberger Bevölkerung wäre der Erhalt des Kreuzwegs und der Kapellen aber nicht möglich.

Kreuzweg und Kapelle bieten nicht nur wunderbare Rundblicke zu den benachbarten Aussichtsbergen Heidkopf und Bollerberg. Vor allem geht der Blick weit über das angrenzende Waldecker Land bis zum Kellerwald am Edersee. Der See selbst versteckt sich hinter Hügeln. Im Licht der aufgehenden Sonne macht er sich aber manchmal durch von hinten beleuchtete, aufsteigende Nebelschwaden bemerkbar.

Neben den Ausblicken ist es ein Durchblick, der die herausragende Besonderheit der Kapelle darstellt: Dort, wo man im Hochaltar ein Tabernakel erwartet, hat der Rokokoaltar aus der Entstehungszeit der Kapelle ein Fenster nach draußen. Durch dieses Fenster fällt nicht nur das Licht der aufgehenden Sonne in die Kapelle. Es bietet auch eine ungewöhnliche Blickachse: Zur Entstehungszeit der Kapelle konnte man durch das Fenster auf den Turm der Hallenberger Pfarrkirche schauen. Würden ein paar Büsche gestutzt, ginge das auch heute wieder. Seit 1955 setzt sich die Blickachse sogar noch weiter fort. Beim Blick hindurch liegt der damals entstandene Dachreiter auf dem ehemaligen Redemptoristenkloster St. Gerhard fast in einer Linie mit dem Turm der Pfarrkirche.