Quelle: Holger Bernert
Ein rhythmisches, beinahe meditatives Surren von Polyurethanrollen auf Holz erfüllt die hohe Halle, gefolgt von dem satten „Klack“ einer perfekten Landung. Diese Klänge markieren den Beginn einer neuen Ära im ehemaligen Heiko-Werk in Ense-Niederense. Wo über ein Jahrhundert lang Befestigungstechnik und Polsternägel produziert wurden, hat Erik Halisch mit seinem „Basislager“ ein neues Biotop für Skateboarder und Kreative geschaffen.
Der 43-jährige Erik ist seit seinem zehnten Lebensjahr leidenschaftlicher Skateboarder. Sein Weg dorthin war jedoch alles andere als geradlinig. „Ich habe ursprünglich mal Automobilkaufmann gelernt“, erzählt er. Der Unterschied zu seiner jetzigen Tätigkeit könnte kaum größer sein. Die Entscheidung, die Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses hinter sich zu lassen, kam nicht über Nacht. „Ich bin nicht einfach aufgewacht und habe gesagt: Heute mache ich das Vollzeit. Das war ein Prozess, der sich seit 2017 entwickelt hat. Schritt für Schritt.“
Alles begann mit Workshops an Schulen, Kitas sowie Jugendtreffs und wuchs erst allmählich zu einem Vollzeitprojekt. Der entscheidende Anstoß zur Gründung des „Basislager“ kam aus der Notwendigkeit. „Die Idee schwebte schon eine Weile in unseren Köpfen, aber wir mussten endlich handeln“, erinnert sich Erik Halisch. Die Rampe, das Herzstück seiner Kurse, musste ihren alten Standort verlassen. Zusammen mit seiner Frau Mirjam, die das Projekt gemeinsam mit ihm führt, nutzte er die Gelegenheit, um größer zu denken. „Wir haben darauf geachtet, dass wir twas Größeres bekommen, damit wir nicht nur Rampen-Skateboarding anbieten, sondern auch den kreativen Aspekt mit einbeziehen können.“
„Der perfekte Raum für alle, die kreativ sein wollen und sich entfalten möchten“
Erik Halisch hat sich mit der Eröffnung des „Basislager“ in Niederense einen Traum erfüllt
Der Standort in den alten Heico-Hallen stellte sich als echter Glücksfall heraus. Die raue Schönheit des Backsteins und die sichtbaren Spuren der industriellen Nutzung schaffen eine einzigartige Atmosphäre. „Die Halle hat diesen tollen Industriecharme, und wir sind super glücklich, hier gelandet zu sein“, schwärmt der Jungunternehmer.
Hier treffen die Zukunft des Skateboardens und die Geschichte der Industrie aufeinander. Eine Kombination, die den Geist des „Basislager“ wunderbar widerspiegelt. Doch es ist die Gemeinschaft, die diesem Ort Leben einhaucht. Das Altersspektrum der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist beeindruckend und entkräftet jedes Klischee. Der jüngste Skater ist erst zwei Jahre alt, während der älteste stolze 61 Jahre zählt. „Der Zweijährige war ganz heiß darauf. Nach seinem Geburtstag hat er mit dem Skaten angefangen und er macht das richtig gut“, erzählt Erik begeistert.
Quelle: Holger BernertRaum für Kreativität
Ebenso beeindruckt ist er von den älteren Skatern: „Der Senior fährt hier mit den Jüngeren die Rampe rauf und runter. Ich bin echt beeindruckt, wie gut er das hinbekommt.“ Diese Mischung zeigt, dass Leidenschaft wirklich keine Altersgrenze kennt. Im Herzen dieses Konzepts steht die untrennbare Verbindung zwischen Skateboarden und Kunst. „Skateboarden fördert die Kreativität, denn unter jedem Deck findet sich in der Regel ein kreatives, selbstgestaltetes Bild“, erklärt der Mann mit dem Board. Denn Musik, Fotografie und Grafikdesign sind tief in der DNA der Skater verwurzelt.
Quelle: Holger BernertDas vielfältige Angebot zielt genau darauf ab. „Ob wir neue Cruiser aus alten Skateboards bauen oder einen Grafik-Workshop veranstalten.“ Der Fokus liegt auf dem Erlernen von Fähigkeiten und der Idee der Selbstermächtigung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen nicht nur konsumieren, sondern selbst kreativ werden. Kürzlich hat Erik mit zwei Kindern und deren Eltern ihre ersten eigenen Skateboards zusammengesetzt. „Es ist mir wichtig, dass sie verstehen, wie so ein Board zusammengebaut wird, damit sie sich selbst helfen können, wenn es mal Probleme gibt.“
Quelle: Holger BernertDiese Einstellung prägt auch seine Rolle als Skateboardlehrer, die er sich ohne formale Ausbildung erarbeitet hat. „Bei meiner damaligen Bewerbung auf die Ausbildungsstelle habe ich mich kreativ mit einem Bild präsentiert“, erinnert sich Erik. Dieser Geist der Möglichkeiten wird auch die Zukunft des „Basislager“ prägen. In den letzten Monaten wurde die ehemalige Lackiererei der Fabrik in einen geräumigen Kreativraum verwandelt. Ein Ort, dessen frühere Bestimmung perfekt zur neuen Nutzung passt.
Gleichzeitig sind die ersten Ferienfreizeiten in Planung, bei denen neben dem Skaten auch andere kreative und spielerische Aktivitäten angeboten werden, professionell geleitet von einer Pädagogin. Auch wenn die Kurse die Halle bereits gut auslasten, soll sie in Zukunft punktuell für freie Fahr-Sessions geöffnet werden, organisiert über eine WhatsApp-Gruppe, damit jeder genug Platz und Zeit zum Skaten hat. Die Entwicklung geht also kontinuierlich weiter.


