Quelle: Aline Papenheim
Der Wald im Sauerland verändert sich. Was über Generationen als vertraut galt, gerät aus dem Gleichgewicht: kahle Hänge, abgestorbene Fichten, neue Vegetation. Genau hier setzt die Arbeit der Künstlerin Aline Papenheim an – persönlich, künstlerisch und zugleich hochaktuell.
Die gebürtige Sunderanerin lebt und arbeitet heute in Den Haag, wo sie ihren Master an der Royal Academy of Arts im Bereich „Fotografie und Gesellschaft“ abgeschlossen hat. Mit ihrem Projekt „In The Forest Behind My Father’s House“ oder wie wir Sauerländer sagen: „Im Wald hinter dem Haus des Vaters“ kehrt sie gedanklich – und bald auch ganz konkret – zurück in ihre Heimat.
Der Wald als Spiegel einer Region
Im Zentrum steht der Sauerländer Wald, genauer gesagt die Fichtenmonokulturen, die durch Klimawandel, Trockenheit und Borkenkäfer massiv geschädigt wurden. Doch Papenheim geht weit über eine rein dokumentarische Betrachtung hinaus.
Mit Fotografie, Texten und Bewegtbild erschafft sie eine vielschichtige Erzählung über den Wandel einer Landschaft – und stellt gleichzeitig Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Bildern von „Natur“ und „Heimat“.
Dabei verbindet sie ökologische Entwicklungen mit kulturellen Ebenen: lokale Mythen, Jagdtraditionen und die gewachsene Beziehung der Menschen zu „ihrem“ Wald.
Quelle: Aline PapenheimNeue Perspektiven auf Heimat
Besonders prägend ist dabei Papenheims eigene Perspektive. Sie arbeitet bewusst aus einer queeren* und neurodivergenten* Sicht heraus – und eröffnet damit neue Blickwinkel auf das Leben im ländlichen Raum. Ihr Ansatz: Gegenerzählungen schaffen. Gegenerzählungen zu klassischen Vorstellungen von Natur, Ordnung und Zugehörigkeit. Die zentrale Frage lautet: Wie kann Vielfalt – in der Natur ebenso wie im gesellschaftlichen Miteinander – zur Stärke werden?
Gerade im Sauerland, wo Tradition und Identität eine große Rolle spielen, trifft diese Fragestellung einen sensiblen, aber wichtigen Punkt. Papenheims Arbeit lädt dazu ein, den vertrauten Blick zu hinterfragen – ohne ihn abzuwerten.
Rückkehr an den Ursprung
Ein entscheidender Schritt des Projekts steht nun bevor: die Rückkehr an den Ort, an dem alles begann. Gemeinsam mit der Galerie Berghaus Stockum in Sundern plant Aline Papenheim eine Ausstellung im Sauerland. Die Eröffnung ist für den 07. Juni 2026 vorgesehen. Begleitet werden soll die Ausstellung von einem öffentlichen Programm mit lokalen Initiativen, insbesondere aus queeren* und neurodivergenten* Kontexten. Damit wird das Projekt nicht nur gezeigt, sondern bewusst in einen Dialog mit der Region gebracht.
Quelle: Aline PapenheimCrowdfunding: Das Projekt möglich machen
Doch genau hier liegt auch die Herausforderung: Für die Umsetzung fehlen bislang ausreichende finanzielle Mittel. Deshalb hat die Künstlerin eine Crowdfunding-Kampagne über die Plattform Startnext gestartet. Ziel ist es, die Ausstellung, das Begleitprogramm und die weitere künstlerische Arbeit zu realisieren. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie überzeugend: Viele kleine Beiträge können gemeinsam etwas Großes ermöglichen. Gerade für Menschen im Sauerland, die sich mit den Themen Wald, Wandel und gesellschaftliche Vielfalt auseinandersetzen möchten, bietet sich hier eine konkrete Möglichkeit zur Unterstützung.
Ein Projekt, das ins Sauerland gehört
„Im Wald hinter dem Haus meines Vaters“ ist mehr als ein Kunstprojekt. Es ist eine Einladung zum Gespräch. Über den Zustand unserer Wälder. Über Heimat und Veränderung. Und darüber, wie vielfältig das Sauerland heute – und morgen – sein kann.
Wer diese Perspektiven sichtbar machen möchte, kann das Projekt schon jetzt unterstützen – und damit dazu beitragen, dass im Juni nicht nur eine Ausstellung entsteht, sondern ein Raum für Austausch, Begegnung und neue Sichtweisen.
Hinweis:
Weitere Informationen zum Projekt sowie die Möglichkeit zur Unterstützung finden sich online über die Crowdfunding-Seite auf Startnext.
Quelle: Aline Papenheim*) Was bedeutet „queer“ und „neurodivergent“ – verständlich erklärt
Die Begriffe wirken auf den ersten Blick theoretisch, beschreiben aber sehr konkrete Lebensrealitäten und Blickwinkel.
Queer
„Queer“ ist ein Sammelbegriff für Menschen, deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität nicht der klassischen Norm entspricht. Dazu gehören zum Beispiel homosexuelle, bisexuelle, transidente oder nicht-binäre Menschen.
Im Kern geht es darum, dass es mehr als nur „Mann und Frau“ oder „heterosexuell“ gibt – und dass diese Vielfalt sichtbar und selbstverständlich sein darf.
Neurodivergent
„Neurodivergent“ beschreibt Menschen, deren Denken, Wahrnehmen und Verarbeiten von Informationen anders funktioniert als bei der Mehrheit. Dazu zählen zum Beispiel Autismus, ADHS oder andere neurologische Besonderheiten.
Wichtig: Es geht nicht um „falsch“ oder „krank“, sondern um eine andere Art, die Welt zu erleben.
Was bedeutet das für die künstlerische Arbeit?
Wenn Aline Papenheim sagt, sie arbeite aus einer „queeren und neurodivergenten Perspektive“, meint sie:
- Sie schaut bewusst anders auf die Welt als es viele gewohnte Sichtweisen tun
- Sie hinterfragt, was als „normal“ gilt – in der Gesellschaft genauso wie im Umgang mit Natur
- Sie nimmt Dinge wahr, die oft übersehen werden: Brüche, Widersprüche, Zwischentöne
Konkret auf ihr Projekt bezogen heißt das:
- Der Wald ist nicht nur Natur, sondern auch ein Ort von Geschichten, Machtverhältnissen und Identität
- Heimat ist nicht für alle gleich – sie kann auch ausgrenzend oder widersprüchlich erlebt werden
- Vielfalt – im Wald wie unter Menschen – ist keine Störung, sondern kann Stärke und Widerstandskraft bedeuten
Warum ist das relevant für das Sauerland?
Gerade in einer stark traditionsgeprägten Region wie dem Sauerland bringt dieser Blick neue Impulse:
- Er erweitert das Verständnis von Heimat
- Er macht unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar
- Er verbindet ökologische Fragen (Waldsterben) mit gesellschaftlichen Themen (Vielfalt, Zugehörigkeit)
Kurz gesagt:
Die Perspektive hilft, den vertrauten Blick auf das Sauerland zu ergänzen – nicht gegen die Tradition, sondern als Weiterentwicklung.
Quelle: Aline Papenheim


