IHK-Blitzumfrage: November-Lockdown drückt auf die Konjunktur und verschärft Existenzsorgen

„Der erneute Lockdown in November stellt die NRW-Wirtschaft auf eine harte Probe.“, betont Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer von IHK NRW. Nachdem es im September noch so aussah, als ob die NRW-Wirtschaft auf einen Erholungskurs einschwenken könnte, hat der November-Lockdown die NRW-Unternehmen teils hart getroffen, teils weiter verunsichert. Lediglich ein knappes Drittel der befragten Unternehmen gibt an, nicht von Umsatzrückgängen betroffen zu sein (12 Prozent) oder eine Umsatzsteigerung (16 Prozent) erreicht zu haben. Dem gegenüber müssen 40 Prozent der Befragten im Jahr 2020 einen Rückgang von bis zu 10 Prozent oder sogar bis zu 25 Prozent verkraften.

Die gute Nachricht: Ein Einbruch wie im Frühjahr ist derzeit nicht in Sicht. Allerdings wird sich die zuletzt sichtbare Erholung deutlich verlangsamen, da viele Unternehmen stärker auf Sicht fahren, ihre Investitionen zurückfahren (46 Prozent) oder Personal reduzieren (22 Prozent). „Dennoch ist mit der Pandemie eine Beschleunigung des Strukturwandels in der NRW-Wirtschaft zu beobachten. Viele Unternehmen setzen geplante Digitalisierungsvorhaben nun innerhalb kürzester Zeit um.“, so Mittelstädt weiter. Branchenübergreifend geben 37 Prozent der Unternehmen an, ihr Geschäftsmodell nun stärker zu digitalisieren – besonders die Finanzwirtschaft (70 Prozent) und die Industrie (50 Prozent). Den Ausbau der Online-Präsenz planen 32 Prozent, hier insbesondere die Finanzwirtschaft (59 Prozent) und der Einzelhandel (47 Prozent).

Die schlechte Nachricht: Die Situation der Unternehmen in den besonders betroffenen Branchen wird zunehmend kritisch. Bei über 80 Prozent der Befragten in der Reisewirtschaft und im Gastgewerbe steht der Betrieb komplett still. In der Kultur- und Kreativwirtschaft sind es über 55 Prozent.

Dank der staatlichen Hilfen und der ausgesetzten Insolvenzregelungen ist die Zahl Geschäftsaufgaben derzeit noch relativ gering. In der aktuellen Umfrage schätzen lediglich sechs Prozent der Befragten ihre Situation als insolvenzgefährdet ein. Die Insolvenzgefahr konzentriert sich dabei auf die Branchen Reisewirtschaft (21 Prozent), Gastgewerbe (19 Prozent) und Kultur- und Kreativwirtschaft (22 Prozent). „Für das Insolvenzgeschehen in Nordrhein-Westfalen wird entscheidend, wie schnell die angekündigten Hilfen in den kommenden Monaten tatsächlich bei den Unternehmen ankommen.“, sagt Mittelstädt. Trotz der Hoffnung auf eine schnelle Zulassung eines Impfstoffes werden die Folgen der Pandemie die NRW-Wirtschaft noch weit in das kommende Jahr 2021 herein im Griff halten. Um eine drohende Insolvenz abzuwenden, werden diese Branchen über den November hinaus Hilfen benötigen. Für kontaktarme Geschäftsmodelle wie z.B. der Hotellerie sollten Öffnungsperspektiven geprüft werden.

Stärker in den Blick rückt zudem der Einzelhandel und die Sorge um die Innenstädte. Die Hoffnung der Unternehmen ruht auf dem Weihnachtsgeschäft als wichtigste Stütze des Jahresumsatzes. „Angesichts der Absage von Weihnachtsmärkten und der weiterhin hohen Neuinfektionszahlen wird eine Besserung im Dezember immer unwahrscheinlicher. Da derzeit viele Händler nicht von den aktuellen Hilfsprogrammen profitieren, sollte hier nun kurzfristig nachgebessert werden.“, so Mittelstädt.