Ich und du – Alle gehören dazu!

Kita Bachum

Quelle: Kindertagesstätte Bochum

Die inklusive Kindertagesstätte in Bachum und der heilpädagogische Kindergarten „Die Feldmäuse“ in Arnsberg

Inklusion. Ein Begriff, der heutzutage allgegenwärtig ist. Diese neun Buchstaben bezeichnen die Idee, dass alle Menschen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Unsere Gesellschaft und unser Alltag sollten so gestaltet sein, dass niemand ausgeschlossen wird – alle Angebote müssen für alle Menschen zugänglich sein, unabhängig von individuellen Voraussetzungen oder einer möglichen Behinderung. Die Arnsberger inklusive Kindertagesstätte in Bachum und der heilpädagogische Kindergarten „Die Feldmäuse“ haben auch die besonderen Bedürfnisse der Kinder mit Handicap im Blick, um ihnen durch individuell zugeschnittene Angebote eine umfassende Teilhabe am Alltag zu ermöglichen. Die inklusive Kita Bachum betreut sowohl Kinder mit als auch ohne Handicap, während „Die Feldmäuse“ als heilpädagogische Einrichtung ausschließlich Kinder mit Behinderung aufnimmt, die in einer inklusiven Betreuung überfordert wären.

Den Gedanken der Inklusion bringt der Leitsatz der Bachumer KiTa auf den Punkt: „Ich und Du – Alle gehören dazu“. „Uns ist es wichtig, dass alle unsere Kinder ressourcenorientiert betreut werden. Das heißt, wir fördern ihre individuellen Stärken und richten unseren Fokus nicht auf ihre Defizite. Es ist uns ein großes Anliegen, dass Kinder mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich miteinander umgehen. Sie sollen lernen, dass jedes Kind seine eigenen Stärken, Schwächen und Interessen hat. Jeder ist individuell. Dass es im Alltag auch zu Konflikten kommen kann, wie in jedem anderen Kindergarten auch, ist völlig in Ordnung“, erläutert Bettina Vogt, die Leiterin der Bachumer Einrichtung die pädagogische Ausrichtung. Mit 37 Jahren Erfahrung als Erzieherin, einer Zusatzausbildung zur Inklusionsfachkraft und ihrer Leitungserfahrung in einer anderen Arnsberger KiTa sowie in einer rein heilpädagogischen Einrichtung ist sie eine ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Inklusion. Im letzten Jahr übernahm sie die Leitung der neugebauten, inklusiven Kindertagesstätte in Bachum.

Multiprofessionelles Team mit Herz

Gemeinsam mit ihrem 17-köpfigen multiprofessionellen Team betreut sie 64 Kinder, aufgeteilt in zwei inklusive Gruppen, eine altersgemischte Gruppe und eine U3-Gruppe. „In unserem Team sind Fachkräfte unterschiedlicher Professionen vertreten“, beschreibt Bettina die Zusammensetzung des Teams. „So kümmern sich neben den Erzieherinnen, auch Heilerziehungspfleger, Kinderkrankenschwestern, Ergo- und Heilpädagogen und ein Kinderpfleger um unsere Kinder.“ Durch diese vielfältigen Perspektiven und verschiedene Bildungs- oder Förderangebote können ihre Schützlinge bestmöglich gefördert werden. „Alle unsere Mitarbeitenden arbeiten mit Leidenschaft und Herz in unserer Einrichtung. Es ist wichtig, dass sie sich ihrer eigenen Persönlichkeit bewusst sind und bereit sind, sich den Bedürfnissen der Kinder anzupassen, um sie bestmöglich fördern zu können. Besonders unsere Kinder mit Handicap benötigen oft eine besondere, manchmal auch mehrfach wiederholte Ansprache“, freut sich Bettina Vogt über ihr engagiertes und multiprofessionelles Team.

Eine helle Umgebung zum Großwerden

Betritt man den holzverkleideten Kindergarten, erwartet den Besucher nicht, wie oft üblich, eine bunte, vollgestellte, laute Umgebung. Hier ist alles hell, weiß und ruhig. Bodentiefe Fenster lassen viel Tageslicht in den Raum. Die Räume sind großzügig geschnitten und dezent dekoriert. Alle Möbel stehen auf Rollen, können den Bedürfnissen der Gruppen angepasst werden, sodass sich zum Beispiel auch Sehbehinderte zurechtfinden. Ein Fahrstuhl sorgt dafür, dass auch gehbehinderte Kinder problemlos in die zweite Etage gelangen können. Die Leiterin begründet die ruhig gehaltene Einrichtung: „Wir möchten, dass die Kinder sich auf das Wesentliche konzentrieren können. Im Alltag sind sie schon genügend Reizen, z.B. durch die Medien, ausgesetzt, da tut ihnen eine reizarme Umgebung im Kindergarten gut.“ Und eine ruhige Umgebung bedeutet ja nicht, dass hier nichts los ist. Im Gegenteil!

Angemessene Angebote für jedes Kind

Das Bachumer Team versucht, für jedes Kind das richtige Angebot zu schaffen und es gemäß seiner Fähigkeiten zu stärken. Dabei ist es völlig egal, ob es im Rollstuhl sitzt, eine Sehbehinderung oder eine geistige Beeinträchtigung hat. Für jeden wird etwas Passendes angeboten. Dabei entscheidet jedes Kind selbst, ob es ein Angebot wahrnehmen möchte oder nicht. „Am liebsten gehe ich raus und sammle bunte Blätter und schöne Kastanien. Die klebe ich dann auf und habe dann ein kunterbuntes Bild“, erzählt der 5-jährige Theo und ist auch schon aus der großen Tür seines Gruppenraumes verschwunden. In der unteren Etage haben alle drei Gruppen die Möglichkeit, barrierefrei in den Garten zu gelangen. „Ich mag es, aus unseren gesammelten Äpfeln Apfelkompott mit den Erzieherinnen zu kochen. Dann riecht es immer so gut und es ist einfach lecker“, ergänzt die 6-jährige Leni. Sie sitzt im Rollstuhl. „Und ich mag es, Igel aus Salzteig herzustellen. Das Kneten fühlt sich so toll an.“ Lernen mit allen Sinnen wird in dieser Einrichtung groß geschrieben. Dazu passt auch Lenis Salzteig-Igel. Probiert es doch auch einmal aus:

Lernen mit allen Sinnen bei den FeldmäusenQuelle: Heilpädagogischer Kindergarten "Die Feldmäuse"

Igel aus Salzteig

Ihr braucht zwei Tassen Mehl, eine Tasse Salz, eine Tasse Wasser, ein bis zwei Esslöffel Öl und getrocknete Bucheckern-Hülsen, die ihr im Wald sammeln könnt. Mische Mehl und Salz in einer Schüssel. Füge Wasser und Öl hinzu und verknete alles zu einem glatten Teig. Wenn der Teig zu klebrig ist, füge etwas mehr Mehl hinzu. Wenn er zu trocken ist, gib etwas mehr Wasser hinzu. Forme aus dem Teig ein Igel und stecke die Bucheckern-Hülsen als Stachel auf den Igel. Lass den Teig an der Luft trocknen. Alternativ kannst du ihn bei niedriger Temperatur (ca. 50-75°C) im Ofen trocknen. Die Trocknungszeit hängt von der Dicke des Teigs ab. Wenn der Teig vollständig getrocknet ist, kannst du ihn mit Acrylfarben oder Wasserfarben bemalen. 

„Die Feldmäuse“ – Ein Kindergarten mit besonderem Förderangebot

Doch nicht immer ist die inklusive Betreuung von Kindern mit Handicap der beste Weg für jedes Kind. „Manchmal kann es vorkommen, dass Kinder in unseren Gruppen, die in der Regel aus 16 Kindern bestehen, davon vier mit Behinderung, überfordert sind und eine intensivere Förderung benötigen“, so Bettina Vogt. „In solchen Fällen sind sie im heilpädagogischen Kindergarten ‚Die Feldmäuse besser aufgehoben. Dort sind die Gruppen kleiner, und die Bedürfnisse der Kinder mit Behinderung können noch gezielter berücksichtigt und ihre Entwicklung intensiver gefördert werden.“



„Wir bieten ein Förderangebot für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und Behinderungen in allen Bereichen“, beschreibt Christel Stratmann, die Leiterin des Kindergartens „Die Feldmäuse“, die besondere pädagogische Ausrichtung der Einrichtung.  „Unser Kindergarten liegt im Arnsberger Gewerbegebiet Altes Feld. Fußläufig sind ein Waldstück, ein Sportplatz und Lebensmittelgeschäfte zu erreichen. Unser fünfköpfiges Team betreut zwei Gruppen mit insgesamt bis zu 16 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren. Unsere Räumlichkeiten sind genau auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt.“ Die pädagogische Arbeit der Einrichtung zielt auf eine ganzheitliche Förderung der kognitiven, sozialen, emotionalen und lebenspraktischen Kompetenzen ab, um Kindern mit besonderem Förderbedarf bestmögliche Entwicklungschancen zu bieten. Dies wird beispielsweise durch einen strukturierten Tagesablauf, vielfältige Gruppen- und Therapieangebote sowie partizipative und kreative Aktivitäten im Alltag unterstützt.

Die Feldmäuse Kinder in der NaturQuelle: Heilpädagogischer Kindergarten "Die Feldmäuse"


Christel Stratmann und Bettina Vogt sind sich einig: „Wir möchten die Entwicklung der Kinder bestmöglich begleiten und sie in ihrer Persönlichkeit stärken. Jedes Kind soll seinen Weg finden und dabei auch die anderen nicht aus dem Blick verlieren.“ In welcher Einrichtung dies geschieht, hängt von den individuellen Bedürfnissen des Kindes ab.

„Ich und Du – Alle gehören dazu.“ Ein Leitspruch mit echtem Vorbildcharakter.