Hexentanz am Höhenflug

„Was willst du denn mit einer aus Neuenrade? Da gibt’s doch nur gute Ziegen!“ So begrüßte der Chef meines Vaters seinen jungen Angestellten und dessen Verlobte auf dem Werdohler Schützenfest. Pappa hat sie trotzdem geheiratet. Mammas Familie wohnte nur wenige hundert Meter vom Startpunkt meiner Lieblingswanderstrecke entfernt. Ich empfehle, diese von November bis Februar zu bewandern, wenn es leicht fisselt und der graue Nebel besonders tief in den Fichten hängt. Herrlich! Feste Schuhe anziehen, Mütze aufsetzen, Kaffee (Thermoskanne fest verschließen!) und Mettwürste in den Rucksack packen und schon kann es losgehen.

Wir folgen dem Walderlebnispfad geradeaus zum Hexentanzplatz. Hier hört man es besonders bei Sauerländer Össelwetter an allen Ecken spuken. Wer seine Kinder überraschen will, wirft heimlich einen Fichtenzapfen in die Büsche und zeigt dann in die Richtung, wo er die Äste zum Wackeln brachte: „Ich glaub, da versteckt sich was!“ Fand unser Pappa jedenfalls immer klasse. Man darf sich sogar doppelt gruseln: Wegen der Hexen, die in der Walpurgisnacht kreischend auf ihren Besen durch die Lüfte fegen, und wegen der Geister der Gehängten, denn früher befand sich hier eine Richtstätte inklusive Richtrad und Galgen.

Vorsicht, jetzt tauchen auf einem Wegweiser die ersten wilden Tiere auf! Da Füchse hinterlistig sind und Igel pieksen, vertrauen wir lieber dem Höhenflug und wandern leicht bergauf. Die Strecke wird zunehmend anspruchsvoller, hier muss am Himmelfahrtstag so mancher Vatertagsbollerwagen zusätzlich geschoben werden. Am Wegweiser mit der kleinen Eule biegt der Höhenflug rechts ab. Er führt im Linksbogen um den Berg Falkenlei und bietet auch an Regentagen schöne Ausblicke über das Lennetal. Hier oben textete unser Pappa den berühmten Zweizeiler „Falkenlei“:

Falkenlei, oh, Falkenlei!
Dortmund null, Schalke drei.

An der Schutzhütte Falkenlei machen wir Mettwurstpause. Frisch gestärkt und mit etwas Senf am Kinn marschieren wir auf dem breiten Wanderweg weiter bis zum Schwarzen Kreuz an der Wasserscheide zwischen Lenne und Ruhr. Auf einer Tafel kann man mehr über die unheimliche Geschichte des Kreuzes erfahren, ich sage nur „Mord oder Selbstmord“, den Rest der Story müsst ihr euch selbst erwandern. Wir haben auch kaum Zeit, denn im Gasthof Zur Borke wartet schon ein lecker Pils für uns im Fass. Deswegen wählen wir den Wanderweg A 3 talwärts, überqueren am Matschweg einen kleinen Bach, die L 842 und kurz danach die Schwelle der Borke. Mein Tipp: Sülze mit Bratkartoff eln.

Zum Nachtisch spazieren wir zuerst zurück auf dem A 3 und biegen dann am Wanderzeichen mit dem weißen K scharf rechts ab. Grobrichtung Nord einschlagen und dem K folgen, dann taucht schon bald in der Ferne ein schmuckes Heiligenhäuschen auf. Am Häuseken nach links auf die L 842 einschwenken, 100 Meter weiter den Wanderblinker nach links setzen und dem schmalen Wirtschaftsweg bis zum Th anshof folgen. Hier gehts links und an der kleinen Kreuzung gleich wieder links, leicht bergauf in Richtung Gut Oventrop. Über den Zufahrtsweg des Hofs erreichen wir eine kleine Straße, auf der wir gemütlich nach links in Richtung Breitenbruch und Hexentanzplatz wandern.

Wo man die Hexen schon fast kichern hört, zweigt rechts der Wildschweinweg ab, der zunächst einem wunderbaren Bachtal folgt und uns später nach ein wenig Kraxelei zurück zum Auto führt. Was sachste? Dein Rücken ist ganz nass? Dä! Ich hatte dir doch gesagt, du sollst die Thermoskanne gut zumachen, woll.

Kurzinfo zum Weg:
Rundwanderung Neuenrade – Hexentanzplatz – Falkenlei – Borke – Thanshof – Oventrop – Neuenrade.
Länge: circa 15 Kilometer
Ausgangspunkt: Parkplatz Waldstadion in Neuenrade
Gehzeit: gemütlich gut vier Stunden, in aller Ruhe fünf Stunden

Mehr Wandertipps finden Sie im WOLL Wanderführer!
www.woll-verlag.de/sauerland-wandern-woll-1-peter-kracht/