
Ein Leben für die Literatur, die Erinnerung und die Verständigung
Es ist eine besondere Würdigung für einen besonderen Menschen: Der Schmallenberger Schriftsteller Herbert Somplatzki erhielt am 2. Juni 2026 den LiteraturTaler des LiteraturRat NRW. Mit dieser Auszeichnung ehrt der LiteraturRat Nordrhein-Westfalen den 92-jährigen Autor für seine außergewöhnlichen Verdienste um die Literatur und die Literaturlandschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Verleihung findet im Rahmen des 40-jährigen Bestehens des LiteraturRat NRW in der Zentralbibliothek Düsseldorf statt.
Dass diese Ehrung gerade an Herbert Somplatzki geht, ist weit mehr als eine Auszeichnung für ein umfangreiches schriftstellerisches Werk. Sie ist zugleich eine Würdigung eines Lebens, das geprägt war von Kriegserfahrung, Flucht, harter Arbeit, Bildungshunger und dem unermüdlichen Einsatz für Verständigung, Kultur und Menschlichkeit.
Harte Arbeit und Bildungshunger
Geboren wurde Herbert Somplatzki 1934 in Masuren in Ostpreußen. Nach Flucht und Vertreibung kam er 1946 nach Westfalen. Weil der Krieg seine Kindheit zerstörte, konnte er nur sechs Jahre eine Schule besuchen. Danach arbeitete er elf Jahre unter Tage als Bergmann. Diese Erfahrungen verarbeitete er später literarisch in seinem ersten Roman „Muskelschrott“.
Doch Herbert Somplatzki blieb nicht stehen. Er holte Bildung nach, studierte an der Sporthochschule Köln und später Germanistik, Kunst und Erziehungswissenschaften. Der ehemalige Bergmann wurde Schriftsteller, Pädagoge, Kulturvermittler und literarischer Grenzgänger zwischen Regionen, Generationen und Nationen.
Mehr als 50 Bücher hat Herbert Somplatzki veröffentlicht. Seine Themen sind die großen Themen des 20. Jahrhunderts: Krieg, Vertreibung, Arbeit, Heimatverlust, Erinnerung und Versöhnung. Gleichzeitig widmete er sich immer wieder auch dem Sport, dem menschlichen Körper und dem Spannungsfeld zwischen körperlicher und geistiger Kraft. Dass er 1981 sogar bei den Deutschen Meisterschaften im Bodybuilding den dritten Platz belegte, gehört zu den überraschenden Facetten dieses außergewöhnlichen Lebensweges.
Körperliche und geistige Kraft
Sein literarisches Werk umfasst Romane, Erzählungen, Hörspiele, Theatertexte, Gedichte und Kinder- und Jugendbücher. Früh arbeitete er spartenübergreifend, gestaltete selbst grafisch und suchte die Zusammenarbeit mit Musikerinnen und Musikern. Vor allem aber verstand Herbert Somplatzki Literatur nie als elitären Selbstzweck. Für ihn war Literatur immer Begegnung, ein Mittel des Austausches, der Friedensarbeit und der Verständigung. Besonders jungen Menschen galt dabei sein Interesse. Leseförderung und Literaturvermittlung wurden zu einem zentralen Bestandteil seines Wirkens.

Auch kulturpolitisch hat Herbert Somplatzki Spuren hinterlassen. Er war Mitbegründer des LiteraturRat NRW, erster Leiter des Literaturbüro NRW-Ruhrgebiet, stellvertretender Landesvorsitzender des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie in zahlreichen literarischen und kulturellen Organisationen aktiv. Viele Strukturen, die heute selbstverständlich erscheinen, tragen bis heute seine Handschrift.
Von besonderer Bedeutung wurde zudem sein Engagement für die deutsch-polnische Verständigung. Gemeinsam mit seiner 2023 verstorbenen Frau Gerlinde Bahr-Somplatzki initiierte er bilinguale deutsch-polnische Austauschprojekte mit Schwerpunkt auf seiner masurischen Heimat. Dafür erhielt er bereits 2019 das Bundesverdienstkreuz am Bande sowie 2022 das Ehrenverdienstabzeichen für Ermland und Masuren.
Literatur und Heimat
Heute lebt Herbert Somplatzki in Schmallenberg. Von hier aus hat er über Jahrzehnte das literarische und kulturelle Leben mitgeprägt: leise, beharrlich und mit großer geistiger Offenheit. Dass ein Bürger Schmallenbergs nun mit dem LiteraturTaler NRW ausgezeichnet wurde, ist deshalb auch eine Ehrung für das kulturelle Leben im Sauerland selbst.
Der Vorsitzende des LiteraturRat NRW, Jörg Albrecht, formuliert es treffend: „Noch heute profitiert die hiesige Literaturszene von Vielem, was er auf den Weg gebracht hat.“ Auch im Sauerland. Als Mitglied der Christine-Koch-Gesellschaft hat er sich immer wieder dafür eingesetzt, das literarische Leben im Land der tausend Berge in die allgemeine Öffentlichkeit zu holen. Zusammen mit dem WOLL-Verlag hat er 2013 das Projekt „Poesie am Rothaarsteig“ ins Leben gerufen und eine Veröffentlichung mit gleichnamigem Titel ermöglicht. Seit dieser Zeit ist Herbert Somplatzki das literarische Gewissen beim WOLL-Magazin und WOLL-Verlag für die Sauerländer Literatur.
Herbert Somplatzki gehört zu jener selten gewordenen Generation von Schriftstellern, die Literatur nicht nur geschrieben, sondern gelebt haben. Seine Bücher erzählen von Erinnerung und Verlust, aber ebenso von Hoffnung, Begegnung und Menschlichkeit. Gerade deshalb wirkt sein Werk bis heute weit über die Literatur hinaus.




