Heimatforscher Josef Ricke

Gemeinsam mit seinem Arbeitskreis erforscht er die Geschichte Hachens

Nur drei Kilometer entfernt vom Sorpesee liegt Hachen. Ein Dorf, das gerade einmal knapp 3.000 Einwohner zählt, das aber auf eine interessante Vergangenheit zurückblicken kann. Heute treffe ich mich für ein Interview an der geschichtsträchtigsten Stätte des Dorfes. Oben auf einem kleinen Berg befinden sich die Burgruine und das Kriegerehrenmahl. Den Ort haben wir nicht zufällig ausgewählt. Mein Interviewpartner Josef Ricke hat sich – gemeinsam mit einem Arbeitskreis – die Aufarbeitung der Geschichte Hachens zur Aufgabe gemacht.

„In Hachen sind eine Menge Senioren sehr aktiv. Bei den Schützen etwa oder im Sportverein. Da gibt es immer etwas zu tun. Auch ich war 30 Jahre in unserem Schützenverein engagiert“, erklärt Ricke. „Ich denke, dass gerade die Strukturen auf den Dörfern dazu einladen, sich in solche Aktivitäten einzubringen.“

Auch die anderen Mitglieder des Arbeitskreises, bestehend aus sieben weiteren Senioren zwischen Anfang und Ende 60, waren schon in jungen Jahren im Hachener Vereinsgeschehen involviert. „Also nicht erst jetzt, als Senior, wo man nichts Besseres zu tun hat“, stellt Ricke klar und lacht. Der 68-Jährige fühlt sich ohnehin noch gar nicht als Senior. Zutun hat er schließlich genug.

Wissen erhalten

Fast drei Jahre dauerten die Recherchen und die Fertigstellung des Buches „Dunkle Zeiten in Hachen“, das an das Leben während der zwei Weltkriege vor Ort erinnern soll und im letzten Jahr erschien. Die Geschichte Hachens für die Nachwelt erhalten, bevor diese in Vergessenheit gerät und nicht mehr zu rekonstruieren ist, war das erklärte Ziel. „Das Wissen, das noch vorhanden war in der älteren Generation, die den Krieg hier erlebt hat, wollten wir gerade für die junge Generation erhalten“, sagt Ricke. Inzwischen sind einige der befragten Zeitzeugen verstorben, aber im Buch wird ihr Erlebtes weitergetragen. Nicht nur Erzählungen, sondern auch ganz private Dokumente wie Tagebucheinträge oder Briefe. „In der Schule wird das Thema nur gestreift und vor allem geht es im Unterricht nicht um die Ereignisse hier in der Region. Auch zuhause wurde oft zu wenig oder gar nicht über das Thema gesprochen“, bedauert Ricke. „Der jungen Generation fehlt häufig das Wissen, aber gerade sie müssen die Hintergründe kennen, damit man den Anfängen wehrt und nicht in radikales Denken verfällt, was gerade ja leider wieder vermehrt zu beobachten ist. Wer über die Zeit gar nichts weiß, der hat natürlich auch keine Vorstellung davon, wie schlimm das enden kann.“

Deswegen gibt es im Buch auch immer wieder Erklärungen, um die Dokumente in das gesamte Geschehen einordnen zu können. „Gerade auch von jüngeren Leuten zwischen 20 und 30 Jahren haben wir sehr positives Feedback bekommen und sogar aus dem Ausland“, berichtet Ricke.

Auf Anregung der Ortsvorsteherin Claudia Hachenei bewarb sich der Arbeitskreis mit dem Buch für den Heimatpreis, der von der Stadt Sundern im vergangenen Jahr das erste Mal ausgeschrieben wurde – und erreichte den zweiten Platz.

Zukunftspläne

Derzeit befasst sich Josef Ricke – gemeinsam mit dem Arbeitskreis – mit der Geschichte der Burg. Noch stehen sie ganz am Anfang und aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Krise sind die Nachforschungen ins Stocken geraten, da auch viele Recherchen außerhalb Hachens notwendig sind. Wie viel Zeit Ricke investiert, ist unterschiedlich. „Wenn man einmal angefangen und etwas gefunden hat, dann reizt das natürlich und man macht immer weiter.“ Und dabei kommt manchmal Erstaunliches ans Licht: Wer hätte etwa gewusst, dass die erste Königin Polens aus Hachen kam?

Außerdem steht noch die Einweihung einer Gedenktafel am Friedhof aus. Aber auch die Vereinsgeschichte und vor allem die Schützenbruderschaft liefern eine Menge Stoff, dem Josef Ricke gerne nachgehen möchte. „Das erste Schützenfest war 1663, nachweisbar durch eine Plakette an der Königskette, und ich überlege, ob ich mir all die alten Königsplaketten vornehme. Da gibt es sicher noch jemanden, der das ein oder andere Döneken zu erzählen hat.“

Man merkt Josef Ricke an, wie viel Spaß er bei der Sache hat. Denn darum geht es ihm: „Spaß und nicht darum, in die Zeitung zu kommen.“

Heimatforscher Josef Ricke –Gemeinsam mit seinem Arbeitskreis erforscht er die Geschichte Hachens