
Ein Museum, das Vergangenheit erlebbar macht
Mitten im Herzen Brilons, direkt am historischen Marktplatz, öffnet das „Haus Hövener“ ein faszinierendes Fenster in die Vergangenheit der Stadt. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2011 ist dieses Museum, ein klassizistisches Gebäude, das einst einer einflussreichen Bergbauunternehmerfamilie gehörte, weit mehr als eine Ansammlung historischer Artefakte – es ist ein Ort des Erlebens, der Verstehen und Staunen gleichermaßen ermöglicht.
Vermächtnis mit Weitblick
Dank der großzügigen Entscheidung der letzten Besitzerin des Anwesens, Wilhelmine Hövener, kann Brilon heute ein solch einzigartiges Museum bieten: Die im Jahr 1906 geborene Studiendirektorin blieb als letzte Erbin dieses Hauses unverheiratet und entschied 1996, drei Jahre vor ihrem Tod, die Stiftung „Briloner Eisenberg und Gewerke“ zu gründen.
Sie sei immer großzügig gewesen und habe sich selber nie etwas gegönnt, so Museumsleiter Carsten Schlömer. Folglich ist es wenig verwunderlich, dass sie ihr Haus, das Grundstück und die historischen Güter der Stadt hinterließ. Ihr Vermächtnis, so kann man heute festhalten, ist ein riesiges Geschenk und eine Bereicherung für die Stadt Brilon.
Für die Umbaumaßnahmen, die nach 1999 begannen, mussten sowohl eine Menge Zeit als auch finanzielle Mittel aufgebracht werden, welche mittels Spenden und Förderprogrammen bereitgestellt wurden. Ein Blick auf die Entwicklung zeigt: Jeder Aufwand hat sich gelohnt. Anfangs war eine Phase der Orientierung nötig, doch schon bald zeichnete sich ein klarer Aufwärtstrend ab. Während das Museum im Jahr 2013 rund 5.500 Besucher begrüßte, sind es heute beeindruckende 16.000 Gäste jährlich.
Mehr als eine Schatzkammer
Die wachsende Beliebtheit kommt nicht von ungefähr. Das „Haus Hövener“ vereint das Beste aus zwei Welten: Es ist Museum und Versammlungsort zugleich, ein Ort des Wissens und der Begegnung. Es bewegt sich an der Schnittstelle zwischen den großen, weltbekannten Museen wie dem Louvre und den kleinen, niedrigschwelligen und warmen Dorfmuseen.
Das „Haus Hövener“ dient als Ort für Ausstellungen, Lesungen und Konzerte. Zudem ermöglicht es jungen Menschen, forschen zu können. Mit einem vielfältigen Angebot schafft es einen Ort, an dem Geschichte nicht nur bewahrt, sondern auf spannende Weise erlebbar wird. Obwohl das Museum einem klaren Ausstellungskonzept folgt – von der beeindruckenden Geschichte des Iguanodon-Fundes 1978 im Keller über die traditionsreiche Gewerbedynastie der Wirtschaftsadeligen bis hin zur einst prägenden Forstwirtschaft der Region –, bleibt es nicht innerhalb seiner Mauern. Vielmehr greift es bei seinen Veranstaltungen auf den weitläufigen Geschichtspark zurück, der nicht nur Brilon selbst, sondern auch dessen 16 Dörfer umfasst. Es gibt dieklassische Stadtführung, eine Nachtwächterführung, eine Hexenführung sowie eine kulinarische Stadtführung, die in Zusammenarbeit mit den Gastronomen durchgeführt wird. Bei den regelmäßig angebotenen Mühlentouren wird Geschichte mit Naturerlebnis verbunden, wohingegen die Eselwanderungen eine tolle Möglichkeit bieten, um das wichtigste Nutztier Brilons in der Landschaft, in der es lebt, kennenzulernen.
Man lege viel Wert darauf, zu den Exponaten in der Region zu gehen und diese vor Ort zu erkunden, erklärt Carsten Schlömer. So habe man weniger Zentralisierung von Kulturschätzen, wodurch die gesamte Region, in der diese Kulturschätze auch ursprünglich vorkamen, aufgewertet werde. Ein Konzept, das beweist, dass Museen weit mehr sein können als stille Schatzkammern des Wissens. Das „Haus Hövener“ lebt Geschichte – und genau das macht es so einzigartig.
Hinter den Kulissen
Hinter dem Erfolg des Briloner Museums steht nicht nur die Stiftung, sondern auch der ehrenamtliche Briloner Heimatbund „Semper Idem“. Nachdem es ursprünglich zwei Vereine gab, den Briloner Geschichtsverein und den Verein „Semper Idem“, fusionierten im Jahr 2006 zum Briloner Heimatbund „Semper Idem“. Der Name „Semper Idem“ bedeutet, dass man sich immer wieder vergegenwärtigen solle, woher man komme und welche Bedeutung die regionale Kultur und die eigene Vergangenheit habe, und stand einst in Wappenform an einem Torbogen eines historischen Gartens am Briloner Wallgraben.
„Wenn man hier reinkommt, lächelt man“
Doch was das „Haus Hövener“ wirklich auszeichnet, ist die unermüdliche Begeisterung der Menschen, die es mit Leben füllen. Carsten Schlömer betont, dass jeder Hauptamtliche auch Ehrenamtler sei – ein klares Zeichen für die Leidenschaft, die hier vorherrscht. Diese Begeisterung ist förmlich spürbar: Wer das Haus betritt, merkt schnell, dass es einen besonderen Geist innehat. „Wenn man hier reinkommt, lächelt man“, verrät Schlömer – ein Satz, der mehr über die Atmosphäre dieses einzigartigen Ortes sagt als jede Statistik.


