Hanse. Handel. Heringe.

Kaare Johannessen

Von Norwegen nach Brilon und Winterberg

„Ich bin ein Norweger, der seit gut drei Jahren in Winterberg wohnt. Aktuell gilt mein Interesse der Hansezeit in den Jahren 1150 bis 1350.“ Das sagt Kaare Johannessen, der aus der alten Hanse- und Hafenstadt Bergen stammt. Für seine Forschungen über die Kaufmannshanse sucht der Norweger speziell nach Personen, die Erkenntnisse über den Handel mit Heringen während der Hansezeit haben.

Westfälische und skandinavische Hanse

Seit einiger Zeit untersucht Johannessen den Einfluss der „Westfalen“ auf die skandinavische Hanse. So gab es zur Hansezeit viele Kaufleute und „Wanderleute“, die aktiv am Handel der Hanse beteiligt waren. „Ein Beispiel ist Johann Wynterberg, der vermutlich aus Winterberg stammt. Johann Wynterberg hat eindeutig mit Salz gehandelt. Und Salz war besonders in Verbindung mit Heringen bedeutend“, sagt Kaare Johannessen. „Im Urkundenbuch der Hanse, Nr. 4, lfd. Nr. 205 wird ein Johannes Winterberg genannt, der im Jahr 1366 in der norwegischen Stadt Bergen starb.“ (Die Quelle: Quick, Josef – Winterberg im Wandel der Jahrhunderte – 1983, S. 201/202).
Der norwegische Hobbyforscher hat noch weitere Erkenntnisse für die Verbindungen des Sauerlandes mit der Stadt Bergen in Norwegen gefunden. So hat er in dem Buch „Der hansische Bergenhandel im Spätmittelalter“ von Mike Burkhardt eine interessante Passage gefunden.

„In einem Zitat über das Jahr 1371 steht, dass sich die Stadt Winterberg in Westfalen mit einem Schreiben wegen des Todes ihres Bürgers Johann Wynterberg in Bergen an Lübeck wandte“, weiß Johannessen. „Wynterberg kann ein Aufenthalt in Lübeck zwischen dem 9. Mai und 23. Juni 1368 nachgewiesen werden. In diesem Zeitraum hatte er zwei Ladungen Salz aus der Travestadt nach Danzig verzollt.“

Heringe und Fastend

Kaare Johannessen findet es in dem Zusammenhang besonders interessant, dass um 1130 deutsche Kaufleute mit Heringen von der Insel Rügen handelten. „Spätestens seit dem 12. Jahrhundert wurde regelmäßig gesalzener Hering aus der Ostsee (Rügen und Öresund/Schonen) über Schleswig-Holstein nach Süden exportiert.“ Der Handel mit Heringen war eine von mehreren Ursachen für den Wohlstand und Aufstieg Lübecks Ende des 12. Jahrhunderts. Gründe dafür waren unter anderem die Christianisierung Europas.
Den Gläubigen wurden bis zu 140 Fastentage verordnet. Gleichzeitig erhöhte sich die Nachfrage nach Fisch. Konserviert wurde dieser, meistens Hering mit Salz, aus Lüneburg oder anderen Gebieten im Hansebereich geliefert. Kaare Johannessen: „Interessant ist, dass viele der Lübecker Kaufleute aus Westfalen eingewandert waren.“

Der norwegische Hobbyforscher ist davon überzeugt, dass es zwischen Winterberg, weiterführend Brilon, Soest und bis zur Ostsee einen regen Handelsaustausch mit Bergen in Norwegen gab. Dieser Sache will er mehr und mehr auf die Spur kommen.