Gut, dass der Strom aus der Steckdose kommt

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Eine Meldung am 30. November bei Radio Sauerland erfreute die einen und erzürnte die anderen. Unter der Überschrift „Sauerländer akzeptieren Windräder“ wurde die am Vortag von Prof. Dr. Anne Jacobi von der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede präsentierte Studie über die Akzeptanz von Windkraftanlagen im Sauerland thematisiert.

Akzeptanz von Windenergieanlagen im Sauerland

Bei dieser Marktforschungsstudie der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede ist ermittelt worden, wie die Sauerländer den Ausbau erneuerbarer Energien bewerten. Im Fokus standen vor allem Windkraftanlagen. In allen Altersgruppen (16-60+) gaben mindestens 72 Prozent an, dass der Ausbau von Windenergieanlagen für den Klimawandel wichtig oder sehr wichtig sei. Außerdem finden viele der Befragten, dass er für die Energiewende in Deutschland notwendig sei. Die Studie kommt zudem zum Ergebnis, dass 76 Prozent der Teilnehmenden es akzeptieren würden, wenn in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft – also im Umkreis von etwa einem Kilometer – Windräder gebaut werden würden. Der Rest würde es nicht akzeptieren.

Das auf den ersten Blick eindeutige Ergebnis hat allerdings einen gewaltigen Haken, der sich bei der Frage „Welche Energieformen sollten grundsätzlich verstärkt und weitergeführt werden?“ zeigt. Denn 86 % der Befragten finden, dass Solarenergie auf dem Dach oder am eigen Haus oder Photovoltaikanlgen als Solarparks (62 %) verstärkt und weitergeführt werden. Bei einzelnen Windkraftanlagen an Land liegt dieser Wert nur bei 52 %. Deutlich niedriger liegt dann die Zustimmung, wenn es um größere Onshore-Windeinergieanlagen an Land geht. Nur 28 % der Befragten sehen hierfür eine Notwendigkeit. Die große Mehrzahl ist also gegen gigantische Windindustrieanlagen, wie sie in Zukunft im Sauerland möglich sein sollen, geplant werden oder sich sogar schon im Bau befinden (Windpark Olsberg Manstein).

Vollständige Information ist Voraussetzung für Akzeptanz

Man kann also davon ausgehen, dass die allermeisten Befragten überhaupt nicht wissen oder erahnen, welche Wind-Giganten demnächst bei ihnen auf dem Berg stehen und sich, wenn mal Wind ist, unaufhaltsam mit lautem Geräusch drehen.

Doch das ist so eine Sache mit dem Wind. Der weht auch auf den Sauerländer Bergen nicht immer oder manchmal auch zu stark. Dann stehen die Windindustrieanlagen still und können keinen Strom ins europäische Stromnetz liefern. Wie in den vergangenen Tagen. Zwar kam der Strom, wie immer aus der Steckdose. Doch Wind- und Solarstrom waren kaum darunter. Dafür Gas-, Braunkohle- und Kohlestrom, sowie importierter Atomstrom aus den Nachbarländern. Gut, dass der Strom aus der Steckdose kommt, wird sich so mancher Zeitgenosse sagen.

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Erdgas, Braunkohle, Steinkohle und importierter Strom (u.a. Atomstrom) sorgten am ersten Adventswochenende für die Sicherung der Stromversorgung in Deutschland. Wind und Solar konnten keinen nennenswerten Beitrag leisten.

Die Akzeptanz von Windkraftanlagen (Anmerkung: damit sind bei den meisten Menschen die heute gebauten Windenergieanlagen gemeint und nicht die Giganten, die kommen sollen) hängt bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studie von wesentlichen Voraussetzungen ab:

Vor dem Bau von Windrädern:

  • Maßnahmen einplanen und umsetzen, die für den Schutz von Tieren und Natur sorgen (87 Prozent)
  • Informationsveranstaltungen für Büerger vor Ort mit Projektverantwortlichen, Verbänden und Experten (85 Prozent)
  • Frühzeitige Herausgabe von Informationsbrochüren zum Standort, zur Technik und zur Wirtschaftlichkeit (82 Prozent)
  • Anwohner so früh wie möglich in die Planung von Windenergieprojekten einbeziehen (75 Prozent)
  • Kommunikation des Klimaschutzbeitrages (75 Prozent)
  • Veröffentlichung, wie Windräder in der Landschaft konzipiert sind (70 Prozent)

Nach dem Bau:

  • günstigerer Strom für Menschen in nahen Wohngebieten (87 Prozent)
  • Gemeinde soll Einnahmen aus der Windenergie zur Verbesserung der Lebensqualität vor Ort einsetzen (85 Prozent)
  • Garantie, dass der Grundstückspreis nicht sinkt (82 Prozent)

Wurden und werden diese Voraussetzungen von den Verantwortlichen in der Politik und von den Planern ernst genommen? In manchen Sauerländer Städten und Gemeinden scheint dieses Informationsbedürfnis zumindest in den vergangenen Jahren nicht angekommen zu sein. Bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass der Informationswunsch der betroffenen Bürgerinnen und Bürger, wenn in den kommenden Tagen der neue Regionalplan mit den Windenergie-Vorranggebieten veröffentlicht wird, auch umfassend erfüllt wird.

Bedenken

Bei der hohen Bereitschaft der Bevölkerung, Wind für die Stromerzeugung zu nutzen und einer eher oberflächlichen Akzeptanz für Windenergieanlagen auf den Bergen des Sauerlandes, sind die Bedenken unüberhörbar. Zu den häufig genannten Bedenken gehören vor allem die Geräuschbelästigung, das Landschaftsbild, der Schattenwurf, die Immobilienpreise, das Tierwohl und der Baustellenlärm. Dass diese Bedenken unter den bisher doch eher unzureichenden Informationen schon gewichtig sind, dürften sie bei besserer und vollständiger Information deutlich zunehmen. Man darf also gespannt sein, wenn nach dem 5. Dezember, dann tagt der Regionalrat und die Regionalpläne werden öffentlich, wie sich die Diskussion über Vor- und Nachteile, über Sinn und Unsinn von Windindustrieanlagen auf den Sauerländer Bergen und in der Sauerländer Kulturlandschaft entwickeln werden.