
Heinrich I. wurde um 1128 als Sohn von Jutta von Arnsberg, Tochter Friedrichs des Schrecklichen, und Gottfried I. von Arnsberg-Cuyk geboren. Sie hinterließen Heinrich und seinem Bruder Friedrich die Grafschaft Arnsberg mit Rietberg. Als Friedrich Ansprüche auf die Grafschaft Rietberg erhob, nahm ihn Heinrich, der als gewalttätig bekannt war, kurzerhand aus einem Gottesdienst heraus gefangen und kerkerte ihn ein. Dort verstarb Friedrich und Heinrich wurde unterstellt, er hätte ihn absichtlich verhungern lassen. Das rief einige mächtige Würdenträger im damaligen Deutschen Reich auf den Plan, um ihn als Brudermörder mit Bann zu belegen, denn Heinrich I. spielte, wie andere Arnsberger Grafen auch, eine wichtige Rolle in der Reichspolitik.
1165 belagerten Truppen die Stadt und zerstörten Heinrichs Burg. Dieser konnte fliehen und irrte lange von Reue geplagt umher, bis er den mächtigen Kölner Erzbischof um Gnade bat, der sie ihm auch gewährte. Als Sühne sollte er ein Kloster gründen, was Heinrich tat, als er seine alten Rechte wiedererlangt hatte.
Soweit die sagenhaften Überlieferungen. Nach neueren Erkenntnissen gibt es keine Anzeichen für einen vorsätzlichen Tod Friedrichs und Heinrichs Rehabilitation ist wohl vor allem auf die Fürsprache von Kaiser Barbarossa zurückzuführen, mit dem er verwandt war. Die Klostergründung in Wedinghausen erfolgte daher nicht als Sühne, denn Friedrichs Name taucht in der Stiftungsurkunde nicht auf. Heinrich wollte sicherlich mit einer gottgefälligen Tat sich und seinen Vorfahren einen angemessenen Platz im Jenseits sichern. Die Wahl des Ortes für das Kloster fiel auf Wedinghausen, weil dort ein Gut der Arnsberger Grafen mit einer kleinen Kapelle existierte, wo Heinrichs Vorfahren beerdigt waren. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in diesem Kloster als Laienbruder, wo er 1200 starb.
Ein sensationeller Fund
Als man 2015 begann, Teile des ehemaligen Klosters Wedinghausen zu restaurieren, fand man im Boden des Kapitelsaals eine viereckig gemauerte Grabkammer. Ein sensationeller Fund, denn deren Wände waren mit christlichen Motiven ausgemalt, was in Deutschland eine Seltenheit ist, die nur höchsten gekrönten Häuptern zuteil wurde. Deshalb wird das Grab Heinrich I. zugeschrieben.

Der Fund kam nicht unerwartet. 1803/4 lösten die neuen hessischen Landesherren in Westfalen fast alle Klöster auf, auch Wedinghausen. Dort versetzten sie bei Bauarbeiten eine im Kapitelsaal befindliche Tumba (steinernes Hochgrab) für Heinrichs Sohn Heinrich II. und dessen Frau Ermengardis in die Klosterkirche. Dadurch trat die darunter befindliche Grabkammer zutage. Wie Zeitzeugen berichteten, fand man darin neben Knochenresten drei unterschiedlich erhaltene Schädel in einem sogenannten Kopfnischensarg, Dieser deutet auf ein Einzelgrab für eine hochgestellte Person hin. Die Hessen sammelten die Gebeine in einer Blechkiste und verbrachten diese mit dem Sarg in die Tumba. Bei den weiteren Bauarbeiten zerstörten sie zwei Drittel der wertvollen Grabkammer.


2019 öffneten Archäologen die Tumba in der Propsteikirche und fanden die Blechkiste mit Knochen und den drei Schädeln sowie den Kopfnischensarg aus der Grabkammer. Sind sie Heinrich I., Heinrich II. und Ermengardis zuzuordnen? Vieles spricht dafür. Nach ihrem Tod hatte man sie wie zuvor ihre Vorfahren an dieser Stelle im Kapitelsaal beerdigt. Über 100 Jahre später fanden sie dort eine würdevolle Ruhestätte in der prunkvollen Grabkammer bzw. der Tumba, deren Entstehungen um 1330 angenommen werden. Die Geschichte der drei gräflichen Gebeine lässt sich trotz etlicher Rätsel einigermaßen zurückverfolgen. Eine bisherige, aufwendige Analyse zeigt zudem, dass das Alter der Knochen weitgehend zu ihren Lebensdaten passt.



