Go Wild! – Soziales Abenteuer in Tansania

Hannah und Sophia Kayser in Tansania

Quelle: Privat


Es gibt Erlebnisse, die prägen sich nicht bloß in die Erinnerung ein – sie verändern Perspektiven und lassen den Alltag in einem anderen Licht erscheinen. Eine solche Reise haben Hannah und Sophia Kayser (23), Cousinen aus dem sauerländischen Salweytal, im vergangenen Herbst vom 2. Oktober bis 21. November angetreten. Sieben Wochen lang tauschten sie Heimat gegen Fremde, Wiesen gegen Steppe und Sauerland gegen Ostafrika. 

Hannah und Sophia Kayser am Kilimandscharo in TansaniaQuelle: Privat

Ausgelöst wurde der Impuls durch ein Gespräch unter Freundinnen: Eine Bekannte erzählte von einer Mitschülerin, die einen Freiwilligendienst in Tansania gemacht hatte. Neugierig kontaktierten sie die Ehemalige – und fassten kurz darauf einen Entschluss. Am 2. Oktober 2024 stiegen sie in Frankfurt in den Flieger nach Arusha, mit Zwischenstopp in Doha, gemischten Gefühlen und großer Neugier im Gepäck. „Man hat eine Idee im Kopf, aber ob es wirklich so ist, weiß man nicht“, sagt Sophia.

Mit Hand und Herz

In Arusha angekommen, verbrachten sie die ersten vier Wochen in einem sozialen Projekt, einer Daycare für Kinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren. Gearbeitet wurde im Zweischichtsystem – einen Tag Frühdienst von 9 bis 13 Uhr, am nächsten Spätschicht von 13 bis 17 Uhr. Ein überschaubarer Vier-Stun-en-Tag, könnte man meinen. Doch die Realität sah anders aus. „Man hat sich zwar jetzt nicht überarbeitet“, erzählt Hannah, „aber am Ende des Tages war man trotzdem fertig. Die Daycare ist nicht vergleichbar mit den Kindergärten hier.“ Im Wesentlichen bestand sie aus einem einzigen Raum: klein, laut, überfüllt. Etwa 15 Kinder verbrachten dort ihren Tag. Ein Rückzugsort? Nicht vorhanden. Mit einfachen Mitteln versuchte man inmitten des Chaos eine gewisse Struktur in den Tag zu bringen: Ein angrenzender Raum wurde zum Mal- und Bastelzimmer umfunktioniert, wo die Kinder sich jeden Morgen kreativ entfalten konnten.

„Das gab dem Tag ein bisschen Rhythmus“, sagt Hannah und erwähnt in diesem Rahmen noch das tägliche Tanzen. Das pädagogische Team vor Ort bestand aus drei festen Mitarbeiterinnen, darunter eine ausgebildete Montessori-Erzieherin – ein seltener Luxus in einer Einrichtung im Aufbau. Unterstützung kam von Freiwilligen wie Hannah und Sophia, von denen mindestens vier gleichzeitig im Einsatz waren.

TansaniaQuelle: Privat

Doch das Engagement der beiden ging über das Alltägliche – Füttern, Spielen, Wickeln – hinaus: Gemeinsam mit anderen Freiwilligen bemalten sie die kahlen Wände, gestalteten Plakate mit Kinderporträts für mögliche Patenschaften und sammelten eine Spendensumme von über 4.000 Euro. „Wir haben Wasserfilter gekauft“, erzählt Sophia. „Vorher musste alles Wasser abgekocht werden. Das war unglaublich zeit- und energieaufwendig.“ Sauberes Leitungswasser wurde plötzlich zum kostbaren Gut. Selbst beim Zähneputzen griffen
sie auf Wasser aus Plastikflaschen zurück. „Man schätzt es ganz anders, einfach den Hahn aufzudrehen und zu trinken“, so Hannah. Von den restlichen Spenden wurden Grundnahrungsmittel für die Einrichtung sowie direkte Hilfe für besonders bedürftige Familien bereitgestellt.

Während ihrer Zeit in Arusha lebten Hannah und Sophia mit rund 40 anderen Freiwilligen in einem Hostel. Zum Frühstück gab es Toast mit zwei Sorten Aufstrich und wer etwas Abwechslung wollte, wurde auf dem Markt oder im Supermarkt fündig. „Eine Avocado für 30 Cent – das war schon cool“, schwärmt Sophia. Andere Produkte wie Milch und Käse sind hingegen ziemlich teuer. „Alles, was wir hier im Überfluss haben, ist dort einfach ein Luxusprodukt“, so Hannah. Am Abend, wenn alle Freiwilligen aus ihren Projekten kamen, gab es im Hostel typisch tansanisches Essen.

„Ich glaube, ich würde es nicht anders haben wollen“, sagt Sophia. Am Wochenende mussten sie selbst ran – entweder sie kochten oder gingen ins Restaurant.

Hannah und Sophia Kayser in TansaniaQuelle: Privat

Neuer Tag, neues Abenteuer

Neben dem Projekt blieb Zeit für Ausflüge. Sie besuchten einen sonntäglichen Gospel-Gottesdienst, paddelten mit dem Kanu über den See Duluti, schwangen auf einer Riesenschaukel inmitten von Wäldern und Wasserfällen und standen schließlich am Fuße des Kilimandscharo. Noch bevor sie auf Safari Afrikas Big Five zu Gesicht bekamen, besuchten sie eine Bananenfarm außerhalb von Arusha. Unvergesslich blieb auch ein Ausflug auf einen Markt abseits der Touristenpfade.

„Ein Einheimischer hat uns mitgenommen. Allein hätten wir den Markt wegen der hohen Kriminalitätsrate nicht betreten können“, erzählt Sophia. Und doch war das tägliche Leben geprägt von Hilfsbereitschaft und Offenheit. „Die Menschen sind unglaublich herzlich“, schwärmt Hannah. „Man lebt einfach in den Tag hinein. Was du heute nicht schaffst, machst du halt morgen. Eigentlich eine coole Einstellung“, sind sich die beiden Cousinen einig.

Nach ihrer Freiwilligenarbeit verbrachten die beiden die letzten Wochen auf Sansibar – traumhafte Strände, türkisfarbenes Wasser und ein Hauch von Paradies. „Das ist ganz anders. Viel touristischer. Man bekommt vom echten Leben in Tansania eigentlich nichts mit“, sagt Hannah. Schön, ja – aber nicht vergleichbar mit dem Alltag der Wochen zuvor.

Gut vernetzt

Was sie heute anders machen würden? Nichts. „Vier Wochen an einem Ort zu bleiben, das war genau richtig“, findet Sophia. „So bekommt man ein Gefühl für den Alltag und das Leben vor Ort.“ Allen, die mit dem Gedanken spielen, sich selbst sozial im Ausland zu engagieren, raten die beiden: reden, fragen, vernetzen. Sowohl der Austausch mit ehemaligen Freiwilligen als auch der enge Draht zur Organisation waren für sie besonders hilfreich – durch Zoom-Meetings und feste Ansprechpartner fühlten sie sich gut vorbereitet und begleitet.

Was bleibt, ist mehr als eine Sammlung schöner Erinnerungen. Es ist ein Perspektivwechsel. „Für mich ist das hier alles so selbstverständlich“, sagt Sophia nachdenklich. „Ich fahre mit dem Auto, wohin ich will, wähle den Beruf, der mir gefällt, und bin völlig frei in dem, was ich machen möchte. Aber das können viele dort nicht. Deshalb weiß man das jetzt noch mehr zu schätzen.“