„Glaube mitten im Leben“ 

Pfarrer Andreas Neuser

Quelle: Leon Rüschenberg

Pfarrer Andreas Neuser neue Sauerländer Domkapitular

Wenn Dechant Andreas Neuser spricht, hört man sofort: Hier redet keiner von oben herab. Der 60-jährige Pfarrer von Attendorn ist einer, der zuhört, lacht, nachfragt und dabei immer nah bei den Menschen bleibt. Seit 2014 prägt er als Dechant des Dekanats Südsauerland (Kreis Olpe) das kirchliche Leben im Sauerland. Nun ist er vom Erzbistum Paderborn zum nichtresidierenden Domkapitular berufen worden, eine Ehre, die nur wenigen zuteil wird.

Am 12. Oktober 2025 wurde Neuser im Hohen Dom zu Paderborn von Dompropst Msgr. Joachim Göbel feierlich in das neue Amt eingeführt. In seiner Predigt sprach er über die Kraft des Glaubens im Alltag. „Wenn du dich auf Gott verlässt, wird dir dein Glaube helfen“, sagte er – schlicht, ehrlich, bodenständig. Ganz so, wie man ihn kennt.

Ein Siegerländer im Herzen des Sauerlands
Geboren 1965 im Siegerland, ist Andreas Neuser längst ein Sauerländer mit Leib und Seele. Seit 2010 lebt und wirkt er in Attendorn. Wer ihn kennt, weiß: Er ist überall da, wo Leben ist: bei der Segnung eines Feuerwehrfahrzeuges, beim Schützenhochamt, beim Osterfeuer. „Im Sauerland ist Kirche keine Theorie, sondern Teil der Gemeinschaft. Wenn gefeiert wird, dann richtig. Und Glaube gehört einfach dazu“, sagt er mit einem herzlichen Lachen.

Was ihn besonders bewegt, sind die vielen Ehrenamtlichen, die Kirche lebendig halten. „Ohne sie ginge gar nichts. Mein Job ist, ihnen den Rücken zu stärken – nicht, ihnen vorzuschreiben, wie sie glauben sollen.“

Aus der Jugendarbeit ins Domkapitel
Seine Wurzeln liegen in der Jugendarbeit. Zwölf Jahre lang war Neuser in der Diözese Paderborn für die katholischen Jugendverbände aktiv – bei den Pfadfindern (DPSG) und beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). „Da habe ich gelernt, was Beteiligung heißt: Junge Leute machen Kirche auf ihre Weise. offen, kreativ, mutig. Diese Haltung trage ich bis heute mit.“

Dass er jetzt Domkapitular ist, versteht er nicht als Karriere, sondern als Chance, „die Stimme der Gemeinden“ in die große Kirche einzubringen. „Ich habe kein Büro in Paderborn“, sagt er schmunzelnd, „aber ich darf zuhören, mitreden und vielleicht hier und da Klartext sprechen.“

Kirche mit Herz und Verstand
Neuser beschreibt das Sauerland gerne als „Land des Event-Katholizismus“ – und meint das liebevoll. „Wenn was los ist, dann richtig! Schützenfest, Prozession, Osterfeuer und zum Beispiel in Attendorn der legendäre Semmelsegen, da spürt man Glauben zum Anfassen.“ Gleichzeitig weiß er, dass Kirche sich verändern muss. „Die Zeiten, in denen man einfach sonntags in die Kirche ging, sind vorbei. Heute müssen wir dorthin, wo Menschen wirklich sind: in Vereine, Schulen, Netzwerke. Kirche lebt von Begegnung.“

Gerade solche Begegnungen liegen ihm am Herzen: das monatliche Mittagessen in Helden für einsame Menschen, Friedensgebete in Attendorn, Jugendgruppen, die ihre eigenen Ideen umsetzen. „Da wächst etwas Echtes – und das finde ich gut“

„Ich bleibe Pfarrer von Attendorn“
Trotz des neuen Amtes bleibt Neuser fest im Sauerland verwurzelt. „Paderborn ehrt mich – aber mein Zuhause ist hier. Hier spüre ich, was Glaube bewirken kann.“

Pfarrer Andreas NeuserQuelle: Leon Rüschenberg



WOLL-Fotograf Leon Rüschenberg begleitete das Gespräch mit seiner Kamera. Im Laufe des Interviews stellte sich heraus, dass er früher als Messdiener in der Attendorner Pfarrei tätig war. Die Freude über das unerwartete Wiedersehen war spürbar: Pfarrer Neuser erinnerte sich sofort an die gemeinsame Zeit und zeigte großes Interesse an der beruflichen Entwicklung seines ehemaligen Messdieners.

„Kirche“, sagt Neuser, „ist kein Ort, sondern Beziehung. Wenn wir das leben, sind wir auf einem guten Weg.“