Quelle: WOLL-Verlag
Ein altes Internat im Sauerland, Pantoffeln statt Straßenschuhe, Disziplin und Fechtunterricht – das klingt zunächst nach einer vergangenen Welt. Doch das neue Buch „Die Pantoffelschüler“ von Andreas Kohlhase, Jochen Steinig und Ralf Giesecke zeigt, dass hinter diesen Erinnerungen weit mehr steckt als Nostalgie. Es ist eine Zeitreise in das Internat Fredeburg, ein Stück regionaler Bildungs- und Mentalitätsgeschichte – erzählt mit Humor, Tiefgang und erstaunlicher Lebendigkeit.
Das Buch vereint drei Perspektiven: die des Pädagogen, die des Schülers und die des Beobachters. Diese Dreiteilung macht den besonderen Reiz aus. Während Andreas Kohlhase seine Jahre Anfang der 1980er als ein „unentdecktes Land“ schildert, in dem sich jugendliche Abenteuerlust mit den Zwängen des Internatslebens mischen, blickt Jochen Steinig auf die 1970er zurück – eine Epoche zwischen Strenge und Aufbruch, zwischen Holzofenwärme und gesellschaftlichem Wandel. Ergänzt werden beide durch Ralf Gieseckes Episoden voller feiner Ironie, die zeigen, wie eng „Süßes und Saures“ beieinanderliegen können, wenn man jung ist und die Welt noch verstehen will.
Süßes und Saures
Besonders beeindruckend ist der dokumentarische Rahmen des Buches: In einer ausführlichen Einführung wird die Geschichte des Internats Fredeburg nachgezeichnet – von seinen Wurzeln im Pädagogium Mungenas der Nachkriegszeit bis zu seiner Entwicklung unter Leiter Walter Kling, der Fechten, Ballett und Kammermusik als Erziehungsmittel verstand. Diese historische Verortung macht „Die Pantoffelschüler“ weit mehr als eine reine Erinnerungssammlung. Es ist auch ein Beitrag zur Bildungsgeschichte des Sauerlands.
Sprachlich balanciert das Werk gekonnt zwischen Erzählung und Reportage. Die Autoren schreiben detailreich, aber nie schwerfällig – mit wachem Blick für Komik, Absurdität und das Menschliche. Wer selbst eine Internatszeit erlebt hat, wird vieles wiedererkennen; wer keine hatte, bekommt ein plastisches Bild einer Welt zwischen Disziplin, Freundschaft und jugendlicher Rebellion.
„Die Pantoffelschüler“ ist damit ein Stück lebendige Regionalgeschichte, das zugleich Fragen nach Erziehung, Freiheit und Verantwortung stellt. Ein Buch, das lacht und nachdenklich macht – und das zeigt, dass das Sauerland nicht nur Landschaft, sondern auch Lebensgeschichte ist.
Ralf Giesecke, Andreas Kohlhase, Jochen Steinig: DIE PANTOFFELSCHÜLER – Geschichten aus dem Internat Fredeburg – 344 Seiten – erschienen im WOLL-Verlag
ISBN: 978-3912023-04-5 – 1 – 15,90 Ejro



