
Beratungsstelle und Frauenhaus bieten Hilfe in allen Lebenslagen
Von Gewalt betroffene Frauen brauchen Schutzräume und Unterstützung – schnell und unbürokratisch. Im Kreis Olpe bietet der gemeinnützige Verein Frauen helfen Frauen e.V. seit über vier Jahrzehnten Beratung und Hilfen in vielfältiger Weise.
Der Verein ist Träger der Frauenberatungsstelle und des Frauenhauses in Olpe und hat sich 1984 aus einem Gesprächskreis gegründet, weil der Bedarf an Schutzräumen und Beratungsangeboten für Frauen in Krisensituationen eklatant war. Frauen, die von Gewalt betroffen und aus ihrem häuslichen Umfeld herausgeholt werden mussten, wurden in den Anfangsjahren noch in Frauenhäusern in Köln oder im Ruhrgebiet untergebracht. 1985 wurde die erste Frauenberatungsstelle in Olpe etabliert, aber es sollte noch zehn Jahre dauern, bis das Frauenhaus in Olpe eingerichtet werden konnte.
Der Verein umfasst derzeit 130 Mitglieder, wird von einem ehrenamtlichen Vorstand geführt und seit 2003 von einem Beirat bei der Spendenakquise und der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt.
Ohne Spenden wäre die Arbeit nicht machbar
Die Personalkosten für die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen sowie für Instandhaltungs-, Miet- und Sachkosten werden nur teilweise vom Land NRW und vom Kreis Olpe gedeckt, so dass jährlich rund 50.000 Euro durch Spenden finanziert werden müssen. Sinnvoll wäre die baldige Umsetzung des im Februar 2025 in Kraft getretenen Gewalthilfegesetzes, das die Bundesländer dazu verpflichtet, ein ausreichendes Netz von Schutz- und Beratungseinrichtungen vorzuhalten.
Aktionen wie „One billion rising“, weltweit Tanzen gegen Gewalt gegen Frauen, das jährlich auf dem Marktplatz in Olpe stattfindet, oder die Aufstellung von orangefarbenen Bänken an prominenten Stellen in den sieben Gemeinden des Kreises Olpe sollen für eine größere Bekanntheit des Vereins und seine Hilfemaßnahmen sorgen.
Rund 1.500 Einzelberatungen pro Jahr – Frauen von 14 bis 90 Jahren
Für viele Frauen ist es eine große Hürde, sich überhaupt anderen anzuvertrauen und um Hilfe zu bitten, und dabei ist die Altersstruktur so vielfältig wie die Problemlage. Hinzu kommt bei einigen Frauen mit Migrationshintergrund eine Sprachbarriere, die es noch schwieriger macht, Kontakt zur Beratungsstelle oder zum Frauenhaus aufzunehmen. Oft sind es Freundinnen oder Nachbarinnen, die den Kontakt vermitteln, aber immer häufiger werden die betroffenen Frauen auch von Ärzten oder dem Jugendamt an die Beratungsstelle bzw. das Frauenhaus vermittelt.
Bei beiden Institutionen herrscht eine „Komm-Struktur“, d.h. die Frauen müssen selbst aktiv werden und sich bei der Beratungsstelle melden. Bei einer akuten Gefahrenlage, wenn Frauen (oder auch ihre Kinder) von häuslicher Gewalt bedroht sind, greift die Polizei ein und bringt die betroffenen Frauen und Kinder ins Frauenhaus. Das einzige Schutzhaus im Kreis Olpe bietet Platz für acht Frauen und zehn Kinder. Der Standort ist anonym, und es gibt eine Rufbereitschaft rund um die Uhr, um Frauen akut aufnehmen zu können. Wenn das Frauenhaus Olpe nicht über freie Plätze verfügt, werden die schutzsuchenden Frauen und Kinder in andere Frauenhäuser weitervermittelt.
Beratungen vertraulich und kostenlos – Gruppenangebote und Präventionsarbeit
Wenn der Erstkontakt hergestellt ist, wird ein maximal einstündiger Beratungstermin vereinbart, der vor Ort in der Frauenberatungsstelle oder telefonisch stattfindet. Bei diesem Gespräch geht es vorranging darum, die Problemlage zu erörtern und den Frauen erste Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen. Ganz wichtig dabei: Die Beratung ist vertraulich, (die Mitarbeiterinnen unterliegen der Schweigepflicht) und kostenlos.
Die meisten Frauen und Mädchen melden sich in akuten Krisensituationen, wobei die Anlässe vielfältig sind: Ca. 90% sind von körperlicher, seelischer, sexualisierter und/oder digitaler Gewalt und deren Folgen betroffen, wie z.B. posttraumatischen Belastungsstörungen. Und das Problemspektrum ist so individuell wie riesig: Es kann um Probleme in der Familie, in der Partnerschaft, im Beruf oder in der Schule gehen, um Mobbing, Krankheit, Trennung, Scheidung und vieles andere, was Frauen Ängste und Sorgen bereitet.
In den meisten Fällen ist es wichtig, das Selbstwertgefühl der Frauen zu stärken und sie bei ihrer allgemeinen Stabilisierung zu unterstützen. Bis zum Hilferuf vergehen nicht selten mehrere Jahre, viele Frauen fühlen sich sogar mitschuldig an ihrer misslichen Situation und haben kaum noch soziale Kontakte.
Neben Einzelgesprächen bietet die Beratungsstelle auch Gruppenangebote zu diversen Themen an, wie Trennung/Scheidung, Achtsamkeit oder Musiktherapie, die für alle interessierten Frauen offen sind. Präventionsveranstaltungen an Schulen oder Einrichtungen der Jugendhilfe ergänzen das Angebot, um Mädchen für Themen wie Gewalt in Beziehungen, Grenzen, Essstörungen, Selbstwert und Rollenbilder zu sensibilisieren.
Frauen und Mädchen können sich ganz unbürokratisch an die Frauenberatungsstelle wenden, diese vermittelt bei Bedarf an andere Hilfsangebote oder an Frauenhäuser.
weitere Infos:
Frauen helfen Frauen e.V.
Frauenberatungsstelle
Friedrichstraße 24
57462 Olpe
Tel. 02761/1722
Notruf Frauenhaus: 02761/834 684
Weitere Infos unter: www.frauenhelfenfrauen-olpe.de
Einmal im Monat findet außerdem eine Beratung in Altenhundem statt.
Unter www.frauen-info-netz.de ist die aktuelle Belegung der Frauenhäuser in ganz NRW zu sehen.


