
Gruppenfoto der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Vorstellung des Ernteberichtes 2025 auf dem Bauernhof Ax in Schmallenberg
„Viel Ware – schlechte Preise“ und doch große Dankbarkeit
Wenn der Landwirtschaftliche Kreisverband Hochsauerland, Märkischer Kreis, Olpe und Siegen-Wittgenstein zum Erntedank ruft, dann wird nicht nur Bilanz gezogen, sondern auch ein Stück Sauerländer Heimat lebendig. In diesem Jahr war der Kartoffelhof der Familie Ax in Schmallenberg Schauplatz des Erntedankempfangs 2025. Senior Franz-Otto Ax kümmert sich dort seit Jahrzehnten mit Leidenschaft um den Kartoffelanbau, während Sohn Caspar die Milchviehhaltung leitet – ein Paradebeispiel für die Kombination von Tradition und moderner Landwirtschaft.
Kreisverbandsvorsitzender Wilhelm Kühn aus Arnsberg begrüßte den Vorstand, Vertreterinnen der Landfrauen, die stellvertretende Landrätin Hiltrud Schmidt und zahlreiche Gäste. „Der Erntekranz ist als Symbol für das zu sehen, wofür die Landwirtschaft im Sauerland steht“, betonte Schmidt und unterstrich: „Eine funktionierende Landwirtschaft ist Bewahrer unserer Kulturlandschaft.“

Getreidespeicher sind voll
Die Erntebilanz fiel in diesem Jahr überwiegend erfreulich aus. „Es war ein gesundes Jahr, wenig Schädlinge“, resümierte Georg Muth-Köhne vom Stadtverband Schmallenberg. „Wenn man es hätte bestellen können, wäre es genau so gewesen.“ Überall sind die Scheunen voll, die Getreideernte sei, so Muth-Köhne wörtlich, „spitze“ gewesen.
Doch die Medaille hat auch ihre Kehrseite. „Viel Ware – schlechte Preise. Das ist der Wermutstropfen bei der Sache“, erklärte Muth-Köhne. Auf dem Weltmarkt drückten volle Speicher die Erlöse. Dennoch blickt er mit Zuversicht auf die Mais- und Zuckerrübenernte, die sich gut entwickelt zeigt und in den nächsten Wochen Fahrt aufnehmen wird.

Milchbauern erleben „sehr, sehr gutes Jahr“
Nach schwierigen Zeiten dürfen auch die Milchbauern wieder durchatmen. Stefan Fuchte, Vorsitzender des Milchausschusses, zog ein rundum positives Fazit: „Sehr, sehr gutes Jahr! Wenn man das Wetter hätte bestellen können, wäre es genauso gewesen.“ Vier, teils sogar fünf Grasschnitte konnten eingefahren werden – sattes Grünland und sichere Futtervorräte.
Fuchte erinnerte aber auch an die Herausforderungen der Vergangenheit: „Nach dem Loch durch die Blauzungenkrankheit im letzten Jahr, als Tiere verendet sind und die Milchleistung deutlich sank, ist die jetzige Situation eine Wohltat.“ Die rechtzeitige Impfung der Herden habe die Krankheit eingedämmt, dazu seien die Milchpreise durch die Verknappung deutlich gestiegen.

Landfrauen bringen Erntekrone
Für den festlichen Rahmen sorgten die Landfrauen aus Schmallenberg. Ihre Sprecherin Adelheid Zelczak erinnerte daran, dass die Erntekrone mehr sei als ein hübsches Schmuckstück: „Die Erntekrone ist Zeichen der Dankbarkeit und Demut!“ Am Folgetag wird sie im Kreishaus Meschede ihren Platz finden – ein sichtbares Symbol für Wohlstand und Wertschätzung der bäuerlichen Arbeit.
Landwirtschaft als Teil der Kultur
Landrätin Hiltrud Schmidt forderte dazu auf, landwirtschaftlichen Themen im Sauerland mehr Gewicht zu geben: „Den landwirtschaftlichen Themen und Veranstaltungen mehr Raum geben.“ Gerade das Erntedankfest sei ein Moment, innezuhalten und zu würdigen, was Bauernfamilien im Jahreslauf leisten.

#ZukunftsBauer – Blick nach vorn
Neben der Rückschau ging es auch um Zukunftsperspektiven. Dr. Christina Große-Frericks stellte gemeinsam mit Robert Gördes und Niklas Moers das Projekt #ZukunftsBauer vor, das mittlerweile bundesweit Aufmerksamkeit findet. Optimismus, Selbstbewusstsein und die Bereitschaft, Neues zu wagen – das sind die Leitgedanken. „Diese Kombination hier in Schmallenberg ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man Kräfte bündeln kann, mehrere Standbeine schaffen und damit natürlich auch die in Generationen gewachsene Kulturlandschaft erhalten“, so Große-Frericks.
Dank und Zuversicht
Am Ende war es ein Vormittag der zeigte, dass die Landwirtschaft im Sauerland mehr ist als bloße Nahrungsmittelproduktion. Sie ist Teil der Identität der Region, Symbol für Bodenständigkeit, Verantwortung und Gemeinschaft. Oder, wie es Adelheid Zelczak so treffend formulierte: „Die Erntekrone ist Zeichen der Dankbarkeit und Demut.“
So bleibt unterm Strich eine Erntebilanz, die zwar ökonomische Schattenseiten kennt, die aber von Zufriedenheit, Stolz und einem klaren Blick in die Zukunft geprägt ist – ganz im Sinne des Sauerländer Erntedanks 2025.



