Energisch für Erneuerbares

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Erneuerbare Energien etablieren sich auch im Hochsauerland

Sauerland – das Land der tausend Berge. Schweift der Blick über unsere schöne Heimat, fällt jedoch weit mehr als das ins Auge und man grübelt, es sei doch auch das Land von Wind und Wasser. Dass in den Elementen große Kraft liegt, nämlich die der Erneuerbaren Energien, erläuterte im Gespräch mit der WOLL der Energieberater der Verbraucherzentrale NRW am Standort Arnsberg, Carsten Peters. 

Strom und Wärme aus Erneuerbaren Energien werden sowohl zwischen als auch auf unseren Bergen produziert. Dabei ist die Windkraft der Vorreiter in der Stromproduktion des Kreises. Im Jahr 2018 war sie mit satten 54 Prozent an der Gesamtleistung beteiligt. Ihr folgt Biomasse, meistens in Form von Holzpellets, und Photovoltaik. Und obwohl das Hochsauerland über wundervolle Stauseen verfügt, erzeugen die knapp 100 Wasserkraftanlagen nur 8 Prozent des Stromertrags. Die Biogase liegen zwar mit unter 1 Prozent auf dem letzten Platz, doch es sind Entwicklungen zu verzeichnen. So entstand 2019 auf der Hellefelder Höhe eine der größten Biogasanlagen Deutschlands, die aus alltäglichen Bioabfällen Strom für über 1100 Haushalte produziert.  

Daten: Hochsauerlandkreis
Daten: Hochsauerlandkreis

Engagement im Klimadorf Wallen 

Carsten Peters von der Verbraucherzentrale verzeichnet steigendes Interesse in der Bevölkerung und viel Engagement in dem Bereich. Als gelungenes Beispiel führt er das Klimadorf Wallen an. Hier beliefert ein Blockheizkraftwerk fast 90 Prozent der 117 Haushalte mit Wärme. Sie stammt zu 40 Prozent aus der Biogasanlage eines örtlichen Landwirts, den Rest liefert eine genossenschaftlich organisierte Hackschnitzelanlage. Finanziert wurde das Projekt per Crowdfunding. Und die Motivation für die Dorfbewohner aus Wallen? Das war der Klimawandel, erzählt Carsten Peters. Die Menschen, die in und mit der Natur leben, werden am direktesten mit den Auswirkung konfrontiert, beispielsweise mit den Dürresommern und den vom Borkenkäfer zerstörten Fichtenwäldern.  

CO2-Steuer ebenfalls Auslöser fürs Umdenken 

Es gibt einen weiteren Grund für immer mehr Beratungstermine bei Carsten Peters. „Ich verzeichne einen deutlichen Run auf Erneuerbare Energien wegen der CO2-Steuer“, so der Fachmann. 2021 werden sich durch die CO2-Steuer Gas- und Ölpreise verteuern, was viele Verbraucher über Alternativen nachdenken lässt. Unterstützt wird Umdenken auch durch staatliche Förderprogramme. Doch welche regenerative Energieform ist eigentlich für den Privathaushalt interessant? Als Klassiker führt der Energieberater die Holzpellet-Heizung an und die Solarthermie. Carsten Peters hält Holzpellets für die geeignetste Form der Erneuerbaren Energie bei uns im Hochsauerland. Nachdem so viel über den Klimaschutz gesprochen wurde, fragen wir nach der Ökobilanz der Holzpelletheizung. Pellets sind getrocknete Industrie-Sägespäne und Holzreste der Forstwirtschaft. „Da sind wir hier an der Quelle“, stellt Peters fest. Die Holzmasse wird unter hohem Druck zu gleich großen Stäbchen gepresst, die viel Energie enthalten und sehr platzsparend gelagert werden können. „Und auch das Käferholz wird verarbeitet“, nennt Carsten Peters einen weiteren, positiven Aspekt.  

Biomasse und Solarthermie optimal 

Bei der Solarthermie verzeichnet der Fachmann einen extremen Anstieg des Beratungsbedarfs. „Da ist Dynamik drin!“ bekräftigt er. Bei der Solarthermie wird die Sonneneinstrahlung in Wärme umgewandelt und direkt im Haus zur Erhitzung von Trinkwasser und zur Unterstützung der Heizung genutzt. Doch Solar ist nicht nur im großen Stil interessant, auch das Interesse an Mini-Solaranlagen steigt. Diese kleinen Mini-Kraftwerke werden ohne großen Aufwand auf dem eigenen Balkon oder der Terrasse montiert. Die Anlage wird entweder an das Stromnetz angeschlossen oder als kleines Solarkraftwerk genutzt.  

Gemeinsam Umsteigen 

Neben der Verbraucherzentrale bieten jedoch auch private Vereine bei der Umsetzung von Maßnahmen und Projekten Unterstützung an, wie beispielsweise Erenvo. Der Verein berät Hauseigentümer bei der Neukonzeption seiner Energieanlage ebenso, wie das Dorf bei der Projektierung. Beratungsbedarf kann auch anders gestillt werden, auf der jährlich in Meschede stattfindenden BAULOKAL-Messe oder im Zentrum Holz in Olsberg. Dort ist das Informations- und Demonstrationszentrum Erneuerbare Energien (I.D.E.E.) ansässig, das über moderne Feuerungssysteme, die Nutzung von Holzenergie und Erzeugung von Biowärme informiert.  

Fahrradtour durch die Erneuerbaren Energien 

Auch an einem schönen Wintertag ist die „Erneuerbare Energie-Tour“ ein Erlebnis. 

Im Stadtgebiet der Klimakommune Schmallenberg verlaufen die 16 Stationen dieser Fahrradtour, welche alle erneuerbaren Energien in echter Anwendung zeigt. Die insgesamt 31 km lange Tour informiert anschaulich über die Erzeugung von Strom und Wärme mittels Wasserkraft, erklärt Solarthermie und Photovoltaik und als weitere Themen Umweltwärme, Holz, Biogas und Windenergie. Wer sich die Zeit nimmt, erhält an jeder Station die nötigen Hintergrundinformationen.