
– Die Abtei Königsmünster in Meschede: Kloster, Kirche und Vieles mehr
An diesem Abend des 16. Oktobers verwandelt sich die Kirche der Abtei Königsmünster in einen perfekten Konzertort: Im Zusammenhang mit dem international bekannten Brass-Festival „Sauerland-Herbst“ tritt das Ensemble „bavarian brass“ auf, in der seltenen Besetzung mit vier Trompeten, Orgel und Pauke. Der weite, hohe Kirchenraum wird von einem heimischen Veranstaltungstechniker lichttechnisch perfekt in Szene gesetzt und erstrahlt in unterschiedlicher Farbgebung, die Orgel ist nah am Chorraum und ermöglicht den Musikern ein problemloses Zusammenspiel. Zudem herrscht in der Klosterkirche eine glasklare Akustik wie in einem Konzertsaal: Der Schall überschlägt sich nicht wie in vielen anderen Kirchenräumen und der Klang umarmt gleichermaßen die Musiker und die Zuhörer. Die Künstler aus Süddeutschland sind begeistert – und es wird ein fantastisches und ausgesprochen stimmungsvolles Konzert, in dem die Spielfreude des so authentisch und nahbar wirkenden Ensembles die zahlreichen Zuhörer in ihren Bann zieht.


Nicht nur die Musiker an diesem Abend sind gefangen von der besonderen Atmosphäre auf dem Klosterberg, von der Aufgeschlossenheit und Gastfreundschaft der Benediktiner-Mönche. Dieser Ort übt seit seinen Anfängen der Entstehung in den 30er Jahren eine besondere Anziehung auf seine Besucher aus, hat seinen unbedingten Platz in der Region und strahlt weit darüber hinaus. Seine außergewöhnliche Lage etwas oberhalb vom Stadtzentrum in Meschede trägt wohl dazu bei, eine kleine eigene Welt, die Bestand hat und sich zugleich nach außen öffnet. Von daher ist die Nutzung der in den 60er Jahren gebauten Abteikirche (Architekt Hans Schilling) nur eine von zahlreichen Möglichkeiten, mit denen die Abtei über ihre rein religiöse Ausrichtung hinaus als Bildungs-, Veranstaltungsort und zentraler Kulturraum für den Hochsauerlandkreis wirkt.
Das Hauptgebäude des Gymnasiums der Benediktiner wird bereits 1957/58 errichtet – und durch den Bau der Oase Anfang der 80er Jahre, einem Haus der Begegnung und Besinnung, bekommt der Klosterberg in einer Zeit, in der viele junge Menschen ihren Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung leben, nochmal eine ganz neue Ausrichtung. Im Sinne der benediktinischen Tradition, die sich der Bildung und Kultur verpflichtet sieht, erfahren hier bis heute Menschen Gastfreundschaft, stellen sich persönlichen und sozialen Fragen, erleben ein facettenreiches Bildungsangebot und kulturelle Veranstaltungen in zahlreicher Form. Das Angebot ist weit gefächert und adressiert an Schulklassen, Gruppen und Einzelgäste ebenso wie an ein breites Publikum für Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen. Insbesondere an junge Menschen richtet sich das Angebot der Oase: In religionspädagogischen workshops, der Oberstufenakademie oder dem Silvestertreffen werden sie unterstützt, ihren Standort in der Welt von heute zu finden.
Einen weiteren Akzent setzen die Benediktiner-Mönche von Meschede im Jahr 2001 mit der Einweihung eines außergewöhnlichen Besinnungsortes: Dem Haus der Stille (Architekt Peter Kulka), einem architektonisch schlichten und dadurch auf das Wesentliche reduzierten Bau, der Menschen, die auf der Suche sind nach innerer Einkehr einen geschützten Raum bietet. Unter der Anleitung von Mönchen der Abtei oder ausgewählten Leitern und im einzigartigen Ambiente des Hauses können die Teilnehmenden hier Ruhe, Inspiration und hilfreiche Impulse für die eigene Entwicklung finden.


Was ist es, das auch in heutiger Zeit die zahlreichen Besucher des Klosterberges fasziniert? Es ist ein starkes Klosterleben, welches sich nach innen – und außen richtet. In der Abtei Königsmünster leben Missionsbenediktiner, die gemäß der benediktinischen Regel in einer klösterlichen Gemeinschaft leben, beten und arbeiten („ora et labora“), die sich aber eben auch für alle Suchenden öffnen in einer sich stark verändernden Zeit und die ihren Beitrag zur Seelsorge und Vertiefung des Glaubens in der ganzen Welt leisten möchten, indem sie immer wieder Mönche in Missionsgegenden aussenden.
Konkret vor Ort auf dem Klosterberg arbeiten die Benediktiner in verschiedenen handwerklichen Betrieben. Es gibt eine Schmiede, eine Tischlerei, eine Handweberei und eine Konditorei, wobei die Produkte aus diesen Werkstätten im eigenen Abteiladen angeboten werden. Mahlzeiten aus der Klosterküche und Konditorei werden auch in der angegliederten Abteigaststätte angeboten, was die Einheimischen sehr zu schätzen wissen und auch externe Gäste gerne nutzen. Den Schülern des Gymnasiums steht die Gaststätte als Mensa zur Verfügung.
Ja, es ist auch dieses klare Gesamtkonzept von Kontinuität, Stabilität und Perspektive, das der Besucher auf dem Klosterberg spürt und das auch die Jugendlichen zu überzeugen scheint. Viele Schulen suchen den Weg zur Oase, wobei es gar nicht immer in erster Linie um die religiöse Ausrichtung geht, sondern auch um Sinnsuche, persönliche Orientierung und Wertevermittlung. Bei einer Besinnungswoche für Erzieherinnen und Erzieher in der Oase äußern die jungen Teilnehmenden auf die Frage hin, was ihnen besonders gut an der Woche in der Oase gefalle: „Die Ruhe ist toll“, „die Atmosphäre“, „das Wandern mit Bruder Anno“ und „es ist witzig, in der Stadt die Mönche zu treffen, so ganz normal in einem Laden…“! Beeindruckt von diesen Erfahrungen kommen etliche junge Menschen nach dem ersten Kontakt über die Schule sogar nochmal wieder zum Klosterberg.
Wie schön, dass die Abtei Königsmünster so präsent ist und wir im Sauerland über einen so vielfältig inspirierenden und wegweisenden kulturellen Ort verfügen!



