
Text und Fotos: Klaus-Peter Kappest
Die Kunstszene in Schmallenberg, im Sauerland, in Westfalen und weit über die Region hinaus hat eine prägende Stimme verloren. Mit dem Tod von Gabriele Schulz endet ein Künstlerleben, das weniger aus öffentlicher Lautstärke als aus tief durchdrungener Arbeit, kollegialem Austausch und Hilfsbereitschaft sowie einem stark empfundenen Verantwortungsgefühl für die Kultur vor Ort bestand. Nach langer, schwerer Krankheit verstarb sie am Donnerstag, den 5. Februar 2026 im Alter von 82 Jahren.
Ausgangspunkt des künstlerischen Schaffens von Gabriele Schulz war immer die Natur und das Material, das aus ihr erwächst: Reisig, Schiefer, Holz und Stein. Zu den wenigen von ihr genutzten Rohstoffen aus menschlicher Quelle gehörte Zeitungspapier. Aus Blättern voller Überschriften, Nachrichten und Schicksale wurden neue Geschichten – als Pappmasche haptisch präsent.
Verschmelzung von Natur und Kunst
Ihre Werke suchten immer den Dialog. Im ersten Schritt war es der Dialog mit den Naturmaterialien. Einfühlsam spürte sie deren innerer Textur nach und fügte sie neu zusammen zu Formen mit einem weit über die Materialität hinaus weisenden Gedanken. So entstanden Arbeiten, die für alle Betrachter unmittelbar zugänglich waren – mindestens ästhetisch, meist aber auch in ihrem tieferen Ausdruck. Intellektuelle Spielchen für eine kunstaffine, abgehobene Minderheit waren Gabriele Schulz vollkommen fremd.
Bei aller Ästhetik und Naturverbundenheit waren ihre Themen in einem zweiten Schritt tief geprägt von Relevanz und Weitsicht. So hat sich Gabriele Schulz zum Beispiel in ihrer Arbeit „… und er gürtete den Schuh“ mit Migration auseinandergesetzt, bevor das Thema zum Politikum wurde.
Zugewandt, kommunikativ und hilfsbereit
Wer ihr Atelier betrat, traf auf eine sorgfältige Beobachterin, die zuhören konnte und wollte, sowie auf eine Künstlerin, die etwas zu sagen hatte – immer wohl durchdacht, oft mit anregenden, überraschenden Perspektiven, machmal unangepasst, aber immer respekt- und verantwortungsvoll.
So ist es nicht verwunderlich, dass Gabriele Schulz aktives Mitglied in kraftvollen Künstlergemeinschaften wie dem Hagenring war, einer der ältesten Kunstvereinigungen der Region. Sie war Gründungsmitglied und einer der geistigen Motoren von SauerlandArt und schlug Brücken ins benachbarte Siegerland.
Ihren Künstlerkollegen und darunter besonders stark auch den jüngeren trat sie mit einer intensiven Hilfsbereitschaft entgegen – und das trotz all ihrer Erfolge und Bekanntheit niemals gönnerhaft, sondern ganz im Gegenteil mit einer aufopferungsvollen, selbstlosen, zeitintensiven und tiefen Durchdringung der Arbeiten ihres Gegenübers. Das machte sie für eine ganze Künstlergeneration zu einem Quell wertvollster Anregungen. Gerade daran werden sich alle, die sie kannten, immer mit großer Dankbarkeit erinnern.
Mit viel Kraft für die Kunststadt Schmallenberg
Ebenso wirkmächtige Impulse gab Gabriele Schulz ihrer Schmallenberger Heimat. Ihr Einsatz für ihr Zuhause geht weit über stadtbildprägende Werke wie die farbintensiven Blüten „Komm Du Schöne“ im Kreisverkehr am Beginn der Wormbacher Straße hinaus.
Sie hat entscheidend dazu beigetragen, die Kunstkennerin Dr. Andrea Brockmann als Leiterin des Kulturbüros nach Schmallenberg zu holen. Durch deren Wirken konnte sich die im Hochsauerland fern ab der Kunstmetropolen liegende Stadt als weit über die Region hinaus anerkannter Standort für Moderne Kunst etablieren. Gabriele Schulz war auf dem Weg dorthin immer im Hintergrund aktiv – sie organisierte, vermittelte, ermutigte. Und wie lebendig die eigene, schaffende Kulturszene Schmallenbergs heute ist, ist nicht zuletzt ihr Verdienst.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Rechtsanwalt Dr. Dieter Schulz, gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Schmallenberger Kunstvereins. Viel beachtete Veranstaltungen und Lesungen – zum Beispiel mit der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller – gingen auf die Initiative des Ehepaars Schulz zurück. Dies ist nur ein Beispiel aus einer langen Reihe von vielen, wertvollen Denkanstößen für Schmallenberg.
Inspiration voll menschlicher Wärme und Zuversicht
Auf ihrem Weg zur Künstlerin wurde Gabriele Schulz von Persönlichkeiten mit klangvollem Namen begleitet. Nach einem Studium der Bildhauerei an der Europäischen Kunstakademie Trier bei Pierre Weber prägte sie vor allem ihr Praktikum in der Werkstatt des Steinbildhauers Johannes Dröge in Sundern.
Ihren Kollegen und Freunden wird Gabriele Schulz unter anderem in tiefer Erinnerung bleiben als Gastgeberin von inspirierenden, langen Gesprächsabenden und als brillante Köchin. Zu ihren herausragenden Fähigkeiten gehörte es, Menschen zusammenzubringen, die sich sonst vermutlich nie begegnet wären, deren Denken und Schaffen sich aber intensiv befruchten konnte.
Gabriele Schulz hinterlässt ein Werk, das weiter sprechen wird, und eine Lücke, die sich nicht schließen lässt. In Erinnerung bleibt eine Künstlerin, die so viel gegeben hat – verlässlich und von großer menschlicher Wärme, ansteckender Fröhlichkeit, Zuversicht, Kraft und Humor.











