
Aus 60 Tonnen Holz schafft eine Frau ihr Zuhause
Lisa Haas (31), anfangs alleinerziehende Mutter einer 9-jährigen Tochter, baut in Hemer ihr Haus als Bausatz der Firma naturia naturhaus, Berlin, mit Hilfe von Freunden, Bekannten und Familie in Eigenleistung auf. Als ich sie zu dem Interview treffe, ist das Haus schon so weit errichtet, dass das Dach bald mit den Pfannen gedeckt werden kann.
WOLL: Frau Haas, wie kamen Sie auf die Idee, Ihr Haus aus einem Bausatz zu errichten?
Lisa Haas: Seit ich klein war, träumte ich immer schon von einem Holzhaus und habe viele Jahre den Markt beobachtet. Aber die Angebote haben nicht meinem Budget entsprochen, das mir zur Verfügung steht. Schließlich habe ich eine Firma gefunden, die einen Holzbausatz als Niedrigenergiehaus anbietet, was mir ökologisch sehr wichtig ist. Ich bin zu der Firma gefahren, habe beim Aufbau eines anderen Bausatzes geholfen und zusammen mit denen das Musterhaus entwickelt, was jetzt hier steht.

WOLL: Haben Sie einen Architekten im Vorfeld benötigt?
Lisa Haas: Ja. Es ist ein normales Bauverfahren. Dazu benötigt man den Statiker und den Architekten, der alles an die Grundstücksgegebenheiten anpassen muss und die Dokumente für das Bauordnungsamt bereitstellt.
WOLL: Wie sieht, verglichen mit einem bemaßten Architektenplan, der Bauplan aus?
Lisa Haas: Es gibt für jeden Raum, für jede Wand 2-D-Pläne für die Balken aus Kiefernholz, die alle eine bestimmte Nummer tragen. Balken mit gleichen Nummern könnte man tauschen, aber die Folge mit anderen Nummern muss stimmen, sonst gibt es Schwierigkeiten beim weiteren Aufbau, denn die Hohlräume für Installationen sind alle vorgefertigt und aufeinander abgestimmt.
WOLL: Wir sitzen hier unter dem eigentlichen Haus, das an einer steilen Hanglage steht. Ein Betonfundament ist nicht zu erkennen, aber viele Stangen, die das Haus tragen.
Lisa Haas: Das Haus steht auf 23 Schraubfundamenten, die von einem Team maschinell bis zu 6,5 Metern in den Boden geschraubt und in Waage gebracht wurden. Deshalb haben wir hier noch einen lichten Raum, der später mit Holz verkleidet wird. Das gehört aber nicht zum eigentlichen Haus des Anbieters.
WOLL: Der Name „Heidi“ für den Bausatz hört sich an wie eine Hütte in den Bergen. Wie viel Wohnfläche hat Ihr Haus?
Lisa Haas: Die Größe der Wohnfläche beträgt 80 Quadratmeter. Ich werde mit meiner Tochter und meinem Lebenspartner, den ich während der Arbeit auf der Baustelle kennengelernt habe, hier einziehen. Die Wohnfläche reicht für drei Personen.
WOLL: Man kennt den Ausdruck: Holz arbeitet! Erwarten Sie Geräusche, wenn Sie darin wohnen?
Lisa Haas: Ich bin selbst in einem Holzhaus aufgewachsen, das meinen Eltern gehört. Ich liebe den Geruch von Holz und es wird sicherlich so sein, dass es hin und wieder knackt, insbesondere am Anfang, wenn die Balken noch weiter austrocknen und wenn geheizt wird. Das gehört einfach dazu. Man ist in der Natur und nicht in einem toten Raum.


WOLL: Frau Haas, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen und Ihren Angehörigen eine gute Zeit in Ihrem Traumhaus aus Holz.



