
Dibith-Fatih-Moschee und die Entwicklung der muslimischen Gemeinde
Wer heute die DITIB-Fatih-Moschee (DITIB: Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.) in Meschede betritt, begegnet nicht nur einem religiösen Raum, sondern einem lebendigen Teil der Stadtgeschichte. Die Entwicklung der muslimischen Gemeinde ist eng mit den gesellschaftlichen Veränderungen verbunden, die Meschede seit den späten 1960er Jahren geprägt haben, einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und der ersten großen Gastarbeiterbewegung.
Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre suchten heimische Betriebe dringend Arbeitskräfte. Viele Männer aus der Türkei kamen ins Sauerland, zunächst mit der Perspektive eines zeitlich begrenzten Aufenthalts. Doch aus dem Provisorium wurde für viele ein dauerhaftes Zuhause. Familien folgten, Kinder wurden geboren, Lebenspläne änderten sich.
Mit den Menschen kamen auch religiöse und kulturelle Traditionen. Gebete fanden zunächst in privaten Räumen statt, Feste wurden gemeinschaftlich organisiert, gegenseitige Unterstützung war selbstverständlich. Diese frühe Phase war geprägt vom Wunsch, vertraute Rituale in einer neuen Umgebung zu bewahren und gleichzeitig Teil der lokalen Gesellschaft zu werden.

Vom Provisorium zur Gemeinde
Aus diesen ersten Strukturen entwickelte sich schrittweise eine organisierte Gemeinschaft. Der Bedarf nach einem festen religiösen Treffpunkt wuchs, ebenso der Wunsch nach institutioneller Stabilität. Die heutige DITIB-Fatih-Moschee ist Ausdruck dieser Entwicklung: Sie steht für das gewachsene Selbstverständnis einer Gemeinde, die über Jahrzehnte hinweg zusammengewachsen ist.
Heute zählt der Verein rund 380 Mitglieder. Neben religiösen Angeboten ist die Moschee für mehr als ein Dutzend Ethnien ein sozialer Begegnungsort. Hier kommen Generationen zusammen, hier wird gesprochen, gelernt und gefeiert. Kinder und Jugendliche wachsen mit religiöser Bildung ebenso auf wie mit dem Selbstverständnis, Teil des städtischen Lebens zu sein.
Gemeinschaft über den Glauben hinaus
Ein besonderes Merkmal dieser gewachsenen Struktur ist die enge Verbindung von religiösem Leben und gesellschaftlicher Teilhabe. So befindet sich im Anbau der Moschee auch das Vereinsheim eines gleichnamigen Fußballvereins. Organisatorisch ist dieser unabhängig, doch räumlich und kulturell besteht eine enge Nachbarschaft.
Sport wird hier zur Brücke zwischen Generationen, zwischen kulturellen Hintergründen und zwischen Freizeit und Gemeinschaft. Gerade junge Menschen erleben so Zugehörigkeit, Teamgeist und Integration ganz selbstverständlich.

Verwurzelt in Meschede
Über die Jahrzehnte hat sich die Gemeinde stark verändert. Aus den ersten Arbeitsmigranten wurden Familien mit dauerhafter Lebensperspektive. Kinder und Enkel sind in Meschede geboren und aufgewachsen. Sie besuchen hier die Bildungseinrichtungen – vom Kindergarten über die Schule bis hin zur Fachhochschule –, engagieren sich in Vereinen und gestalten das gesellschaftliche Leben mit.
Die DITIB-Fatih-Moschee versteht sich heute als Teil des städtischen Miteinanders. Dialog und Begegnung gehören zum Selbstverständnis. Veranstaltungen und Gespräche fördern gegenseitiges Verständnis, ein wichtiger Baustein für ein respektvolles Zusammenleben.
Die Geschichte der Gemeinde ist damit auch eine Geschichte des Ankommens. Sie zeigt, wie Migration, Arbeit und Gemeinschaft über Jahrzehnte hinweg lokale Identität mitgestalten. Meschede ist vielfältiger geworden und die muslimische Gemeinde ist heute ein Teil dieser Entwicklung.




