
Lorenz Körner aus Baden-Württemberg absolviert ein Freiwilliges Ordensjahr in Meschede
Ein junger Theologiestudent entscheidet sich gegen den direkten Berufseinstieg – und für das Kloster. Nicht aus Weltflucht. Nicht aus Askese. Sondern aus Neugier, aus persönlicher Suche und dem Wunsch, Glauben nicht nur zu lehren, sondern zu leben. Seit Anfang Februar ist Lorenz Körner im Benediktinerkloster in Meschede. Für knapp sechs Monate – im Rahmen eines Freiwilligen Ordensjahres.
„Mir war einfach nur wichtig, dass ich nach dem Theologiestudium vielleicht auch noch mal so ein bisschen Praxis mitnehme“, sagt der angehende Religionslehrer. Er hat Katholische Theologie und Englisch studiert, war in der Jugendarbeit aktiv – und wollte bewusst einen Perspektivwechsel. „Nicht nur über Gott und Religion reden, sondern auch aus eigener Erfahrung erzählen können.“
Struktur, Rhythmus – und Handarbeit
Der Alltag im Kloster ist klar getaktet. Um 6 Uhr klingelt der Wecker. Um 6:30 Uhr beginnt das erste Gebet. Vier Gebetszeiten strukturieren den Tag, dazu Messe, gemeinsame Mahlzeiten – mittags und abends mit Tischlesung. Aktuell stehen die Memoiren des ehemaligen NATO-Generalsekretärs Jens Stoltenberg auf dem Programm.
Zum Einstieg hat Lorenz in der Haustechnik gearbeitet. Hecken schneiden, Renovierungsarbeiten, handwerkliche Tätigkeiten. „Ich mache gern Sachen, bei denen man am Ende sieht, was man mit den Händen gemacht hat.“ Gerade diese Verbindung von geistlichem Rhythmus und praktischer Arbeit – „ora et labora“ – prägte seine ersten Wochen. Derzeit ist er in der anliegenden Oase in der Jugendarbeit tätig, später wird er auch noch an dem anliegenden Benediktinergymnasium unterrichten und ein Praktikum in der klostereigenen Schmiede machen. Auch aufgrund dieser vielfältigen Einsatzmöglichkeiten hat er sich für das halbe Jahr in Königsmünster entschieden.
Ob das frühe Aufstehen und die feste Tagesordnung herausfordernd seien? „Es fällt mir nicht immer leicht. Aber ich versuche schon, da selbst konsequent zu sein. Aber wenn ich merken sollte, dass das auf Dauer nichts für mich ist, dann ist es halt so. Keiner zwingt mich, hier zu bleiben.“ Das Ordensjahr ist freiwillig – und zeitlich flexibel zwischen drei und zwölf Monaten wählbar.
Eintauchen in die eigene Religiosität
Für Lorenz geht es nicht um ein Probejahr für den Ordenseintritt. „Es steht für mich gar nicht zur Debatte, ob ich ins Kloster eintrete.“ Vielmehr gehe es darum, „einfach mal hinter die Kulissen zu schauen“ – um Gespräche, persönliche Reflexion und geistliche Vertiefung.
Die täglichen Gebetszeiten hinterlassen Spuren. „Da gibt es Texte oder Zeilen, die mich sehr tief anrühren – aber auch solche, mit denen ich persönlich meine Probleme habe.“ Genau dieses Ringen mit Glauben und Zweifel empfindet er als wertvoll. „Ich würde schon sagen, dass ich mich mit solchen Themen hier mehr beschäftige als im normalen Alltag.“
In einer Zeit, in der Religionsunterricht oft hinterfragt wird, sieht er durchaus Gründe, die dafürsprechen: „Ich denke, der Jugend stellen sich heute im Grunde keine anderen Fragen wie schon immer. Sie suchen, wie zu allen Zeiten, einen tieferen Sinn im Leben. Wo gehöre ich hin? Was macht mich aus? Auf diese Fragen kann Glaube Antworten geben, aber er muss es nicht!“
Eine Erfahrung fürs Leben
Familie und Freunde reagierten überraschend positiv. „Man kommt ja normalerweise nicht so auf die Idee“, sagt er lachend. Doch gerade diese ungewöhnliche Entscheidung habe viele neugierig gemacht.
Bis Ende August bleibt Lorenz im Sauerland. Krankenversicherung und Unterkunft sind geregelt, ein Gehalt gibt es nicht – aber auch keine Kosten. Es ist eine Zeit des Innehaltens zwischen Studium und Referendariat. Eine bewusste Zwischenstation.
Was bleibt nach sechs Monaten? Vermutlich mehr als nur Erinnerungen an frühe Morgenstunden und geschnittene Hecken. Vielleicht eine innere Klarheit. Vielleicht ein gefestigter Glaube. Sicher aber eine Erfahrung, die im späteren Unterricht mitschwingt.
Denn wer Glauben vermitteln will, muss ihn nicht nur erklären können – sondern auch gelebt haben.



