Ein Dorf geht „Auf de Halle!“

AKO Oeventrop

Quelle: AKO Oeventrop

AKO Oeventrop lässt Dorfgeschichte neu aufleben

Im Sauerland ist die Welt noch in Ordnung – und das sieht man auch. Die Kirche steht selbstverständlich mitten im Dorf, und kaum ein Ort kommt ohne seine Schützenhalle aus. Doch was passiert, wenn gleich drei Orte, die schon 1232 erstmals erwähnt wurden, gemeinsam eine Halle bauen? Dann entsteht etwas, das selbst im traditionsreichen Sauerland Seltenheitswert hat.

Von kleinen Bauernschaften zum lebendigen Gemeinwesen
Dinterscede, Clusinchen und Overendorp – heute als Dinschede, Glösingen und Oeventrop bekannt – bestanden einst aus nur wenigen größeren Höfen und den kleinen Kotten der Handwerker und Tagelöhner. Über Jahrhunderte blieb das Leben hier beschaulich. Doch mit der Erschließung des Ruhrtals ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam Bewegung in die Dörfer: richtige Straßen, neue Brücken und schließlich die Eisenbahn sorgten für einen tiefgreifenden Wandel. Industrie siedelte sich an, Arbeitsplätze entstanden – und die Bevölkerung wuchs explosionsartig von 200 auf über 2.000 Menschen.

Mit der Gründung der politischen Gemeinde Oeventrop im Jahr 1905 war die Zeit der drei eigenständigen Bauernschaften zwar offiziell vorbei, doch ihre Eigenart blieb lebendig. Das neue Gemeinwesen bot Arbeit und ein gut ausgebautes Umfeld: Schule, Kirche, Friedhof, Feuerwehr, Geschäfte, Wirtshäuser, Handwerk und Vereine – ein stabiles Fundament, auf dem der Gemeinschaftssinn bis heute steht.

Wo Tradition zuhause ist: der Schützenverein
Der älteste Verein Oeventrops ist – wie könnte es anders sein – der Schützenverein. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1766 zurück. Damals bestand der Ort an der Ruhr aus den Dörfern Dinschede, Glösingen und Oeventrop. Das Schützenwesen hatte hier früh eine feste Heimat: Die ersten Feste fanden auf provisorischen Plätzen statt – oft auf Höfen, wo das Bier noch selbst gebraut wurde.

Bis 1884 feierten die Dinscheder Schützen ihr Fest in der Egge. 1900 folgte ein Bauantrag für den Ausbau des Tanzzeltes und eine Trinkhalle – zwei Jahre später stand das neue Gebäude. Die Schützenhalle wurde zum Herzstück des dörflichen Lebens.

Eine Chronik, die lebendige Geschichte erzählt
Eine 84-seitige Chronik, erstellt vom Arbeitskreis Ortsgeschichte Oeventrop (AKO) gemeinsam mit der St. Sebastian Schützenbruderschaft Oeventrop 1766 e.V., zeichnet die Entwicklung der Halle von ihren Anfängen bis heute nach. Autor Ferdi Geiz hat akribisch recherchiert: in Archiven, Protokollbüchern und in Gesprächen mit Zeitzeugen. Sein Werk zeigt, wie aus einem einfachen Zelt mit Tanzboden die moderne Festhalle wurde, die heute im Ort steht.

Und die Halle konnte immer mehr als „nur“ Schützenfest: Sie war Turnhalle des TV Germania, fungierte zeitweise als Behelfskindergarten, diente während einer Kirchenrenovierung als Ersatzkirche und wurde zum Saal für Konzerte, Ausstellungen, große Feiern und sogar zum Ort für unvergessliche „Public Viewings“ – etwa beim Olympiasieg der Oeventroper Taekwondo-Athletin Helena Fromm 2012.

Ferdi Geiz (63) und die Gründungsmitglieder Ludwig Hoppe (84) und Franz-Josef Molitor (80) stellten die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Dorfgeschichte Oeventrop und die neue Chronik Dorf geht „Auf de Halle“ vor.Quelle: WOLL-Verlag

Heute ist die Halle das lebendige Zentrum der Dorfgemeinschaft – ein Ort für Begegnungen aller Generationen, wie Geiz es treffend beschreibt.

AKO: Bewahrer der Geschichte
„Auf de Halle“ ist bereits das zehnte Buch, das der 2011 gegründete AKO veröffentlicht hat. Mit viel Liebe zur Heimat erzählt die Broschüre die Geschichte eines Gebäudes, das weit mehr ist als Stein und Holz: Es ist ein Stück Identität.

Weitere Informationen gibt es auf der Website des AKO:
https://ako-oeventrop.de