Ein Dorado für erfolgreiche Familienunternehmen

Quelle: Hallenberg

Hallenberg bietet Bauplätze für Neuansiedlungen

Dabei sieht er sich gut gerüstet. Dazu gehöre auch, dass Bauplätze erschwinglich gemacht würden. In der Lehmbach beispielsweise werden noch etwa vier Hektar Industriefläche vorgehalten. „Da muss produzierendes Gewerbe angesiedelt werden. Das sind Grundstücke, die auch für familiengeführte Unternehmen interessant sind“, plant die Verwaltung. „Wir grenzen an Vollbeschäftigung“, nennt Enrico Eppner das gute Ergebnis, das von vielen mittelständischen Firmen im Zusammenspiel mit den Wirtschaftsförderern der Verwaltung erzielt wurde. Ein derart komfortables Ergebnis können nicht viele Städte in Nordrhein-Westfalen vorweisen. Eine weitere Bestätigung dafür findet Eppner in einem Luxusproblem: dem Fachkräftemangel.

Für Patrick Siepe ist der Fachkräftemangel ebenso ein Problem, wie es auch Alexandra Marowsky, Marketing-Chefin des Familienunternehmens Borbet, gegenüber WOLL schildert. „In Hallenberg werden mehr Mitarbeiter gesucht, als vorhanden sind“, bestätigt Enrico Eppner eine für Arbeitnehmer vergleichsweise komfortable Situation. Bei etwa 4.500 Einwohnern existieren rund 1.800 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Aktuell gebe es nur 64 Arbeitslose, sagt der Bürgermeister. Für die Stadt Hallenberg seien die erfolgreichen Familienunternehmen von großem Wert. „Die Gewerbesteuer kommt allen zugute.“ Die Stadt habe zum Beispiel umdenken müssen, was den voraussehbaren, mittel- und langfristigen Wegfall der eigenen Erträge aus dem Wirtschaftswald betrifft. Die vergleichsweise große Anzahl an erfolgreichen „Eigengewächsen“ aus der Region wiederum bezeichnet Bürgermeister Eppner als besonderes Glück für den Wirtschaftsstandort Hallenberg. Ob PS Bio Group, Kleinwächter, Diedrich Creativ-Bad, Borbet, Siepe oder Kusch, um einige zu nennen – alle seien hier verwurzelt und trügen dazu bei, die für Hallenberg erfolgreichen Zahlen zu erzielen.

Ein eindeutiges Bekenntnis zum Standort gibt Alexandra Marowsky ab: „Hesborn ist die Borbet-Gründerstätte. Als Familienstiftung wird Hesborn auch unser Headquarter bleiben. Das ist nicht diskutierfähig.“ Die Marketing-Chefin des Familien-Unternehmens, das Leichtmetallräder und Felgen produziert und in mehreren Ländern Produktionsstätten unterhält, nennt auch einen nicht zu unterschätzenden weichen Standortfaktor: „Unsere Familie ist sehr naturverbunden und wir wollen auch den Tieren ihren natürlichen Lebensraum erhalten. Unter anderem
deshalb haben wir uns hier niedergelassen.“ Als energieintensives Unternehmen stelle sich natürlich die Frage, wie
man in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben und dabei den Lebensraum erhalten könne. „Da sind CO2-Steuer, Preissteigerungen bei den Zulieferungen, bei Erdgas, Öl und Benzin. Im Moment sind wir in der Findungsphase, um zu optimieren“, sagt Alexandra Marowsky.

Die Firma Borbet unterhält ihre eigene Lehrwerkstatt in Hesborn, um junge Menschen an den Beruf heranzuführen. Immer mehr Mitarbeiter strebten allerdings Beschäftigungen oberhalb einer klassischen Fachkraft an. „Wir brauchen aber nicht nur Abiturienten“, macht Alexandra Marowsky deutlich. Dieselbe Erfahrung macht Patrick Siepe im von seinen Eltern gegründeten Familienbetrieb: „Viele gute Facharbeiter streben nach mehr. Sie wollen zum Beispiel in der Koordination tätig werden.“ Das berufliche Weiterkommen spiele eine große Rolle. „Da gestaltet sich manchmal die Suche nach Fachkräften wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagt Patrick Siepe.

Allerdings blieben die Fachkräfte länger bei seiner Firma als zum Beispiel in Großstädten. Im ländlichen Raum sei die Mitarbeiter-Bindung auch ein Bekenntnis zur Region. Und im Raum Hallenberg gebe es viele Firmen, die sich um die Fachkräfte bemühen würden, erläutert Patrick Siepe.

Der eigene Betrieb ist ein Parade-Beispiel für die Entwicklung eines Familienbetriebes: Reinhold Siepe gründete die Firma einst mit Hilfe seiner Ehefrau Gabriele als Ein-Personen-Betrieb auf 50 Quadratmetern in der eigenen Garage. Inzwischen umfasst das Firmengelände 13.500 Quadratmeter, auf denen etwa 120 Mitarbeiter unter anderem in den Bereichen Fördertechnik und Stahlbau beschäftigt sind. Und die Erweiterungsmöglichkeiten sind noch nicht zu Ende.