
Einfach mal machen:
Kultur und Begegnung unter acht Giebeln
„Die Gemeinde Schalksmühle hat mit ‚8Giebel‘ einen Ort geschaffen, an dem Menschen für andere Menschen Freizeit gestalten können. Einfach mal machen – ohne finanzielle Risiken und mit Unterstützung bei der Entwicklung eines Formates“, so beschreibt Silke Scharpe die Grundidee des Dritten Ortes Schalksmühle.
Die gebürtige Schalksmühlerin wechselte nach einem BWL-Studium und einer kaufmännischen Ausbildung aus der Wirtschaft zur Gemeinde. Als überzeugte Netzwerkerin möchte sie Menschen dabei unterstützen, ein Ziel zu erreichen. Das macht sie zur idealen Leiterin für einen Dritten Ort nach dem Konzept des amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg. Er spricht von drei Orten, die im Leben eines Menschen wichtig sind: das Zuhause, der Arbeitsplatz und ein Ort für Freizeit und Begegnung. Das kann die Kneipe, der Sportplatz oder auch ein speziell eingerichteter Ort für Kultur und Begegnung sein. Die Landesregierung NRW hat in den letzten Jahren ein Projekt gefördert, um solche Orte im ländlichen Raum entstehen zu lassen.
Neue Nutzung als Kirche
In Schalksmühle bot sich dafür die evangelische Kirche im Ortsteil Mathagen an, die von der Landeskirche aufgegeben wurde – sehr zum Verdruss der Gemeindemitglieder. Die Kommune baute das Gebäude aus den 60er Jahren mit seinen markanten acht Giebeln zu einem Kultur-, Bildungs- und Begegnungsort um. Der Kirchenraum erhielt eine aufwendige Bühnen- und Kinotechnik und bietet jetzt bis zu 170 Zuschauern Platz. Seminarräume und Bastelräume – unter anderem mit Nähmaschinen – wurden in den bestehenden Nebenräumen und der ehemaligen Küsterwohnung eingerichtet. Das 8Giebel ist Leuchtturmprojekt im Prozess der REGIONALE 2025. Im Rahmen des beschlossenen Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts wurde eine bauliche Weiterentwicklung des 8Giebels festgelegt. Die erste Bauphase soll im September 2026 starten.
Die umgenutzten Räume werden mit großer Begeisterung angenommen – nicht zuletzt und ganz ohne Groll von den ehemaligen Mitgliedern der Kirchengemeinde. Zu Kulturveranstaltungen kommen nicht nur die Bewohner der anderen Berge Schalksmühles, sondern auch Menschen aus Lüdenscheid, Halver, Breckerfeld, zu Angeboten der Volkshochschule auch aus Kierspe und Meinerzhagen. Auf der Seite der Macher halten sich ehrenamtliches Engagement und von der Kommune engagierte Honorarkräfte die Waage.
Von Theaterkultur bis Häkelstunde
Das Kulturprogramm beginnt mit Theaterangeboten für jedes Alter: von der Theaterwerkstatt für Grundschulkinder über eine Theater-AG einer Schule bis zum Laientheater für Erwachsene. Lesungen der VHS und Kunstausstellungen kommen hinzu.
Die Musikschule Volmetal kümmert sich um die musikalische Seite der Kultur. Silke Scharpe liegt die Kinderkultur besonders am Herzen. Immer wieder entstehen neue Formate, zuletzt ein Erzählzelt-Event. Im ehemaligen Kirchenschiff, dem heutigen Giebelsaal, standen bunte Zelte, in denen Erzähler auf Kinder warteten. Alle 15 Minuten erklang ein Glöckchen und die Kinder konnten das Zelt wechseln, „um in ein neues Abenteuer aufzubrechen“ – so beschreibt es Silke Scharpe.
Auch der Aspekt der spontanen Begegnung kommt unter den acht Giebeln nicht zu kurz. Bisher ist das Haus an einem Tag in der Woche für Menschen geöffnet, die sich zum Häkeln und Stricken, Kartenspielen oder Büchertauschen treffen. Weitere Tage sollen hinzukommen. Das Zusammenkommen ganz unterschiedlicher Menschen ist es, was Silke Scharpe am Dritten Ort Schalksmühle am stärksten begeistert: „Ganz toll ist, dass so viele verschiedene Menschen und Gruppen sich ein Haus teilen und dass das so gut funktioniert.“
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