Quelle: Rainer Hennecke
Das Sauerland bietet einen reichhaltigen Lebensraum für allerlei Vogelarten, die in den dichten Wäldern, Flusstälern und offenen Hochflächen unterwegs sind. Von den vertrauten Singvögeln wie der Amsel bis hin zu seltenen Greifvögeln, die majestätisch über die Täler gleiten, ist die Region ein wahres Paradies für Natur- und Vogelbeobachter. Besonders in den stillen Naturschutzgebieten lassen sich die unterschiedlichen Vogelstimmen und Verhaltensweisen hautnah erleben. Zwei ganz besondere Arten möchten wir in dieser Ausgabe näher vorstellen.
Der Kuckuck
Der Kuckuck ist ein bekannter Geselle der Sauerländer Vogelwelt und im Frühjahr häufig zu hören. Sein weithin hörbares „ku-kuck“ kündigt den Frühling an und macht ihn unverwechselbar. Auffallend ist seine besondere Fortpflanzungsstrategie: Er legt seine Eier in fremde Nester und überlässt deren Aufzucht den Wirtseltern.
Sein graues Gefieder bedeckt Kopf, Brust, Flügel, Rücken und Schwanz, während die Unterseite durch ein weißes Fundament mit schwarzen Querbändern geprägt ist. Gelbe Augen und Beine verleihen ihm ein markantes Aussehen, während das Weibchen mit einer bräunlich-gelben Brust leicht von den Männchen zu unterscheiden ist. Mit einer Größe von rund 32 bis 36 Zentimeter ist der Kuckuck ein mittelgroßer Vogel, der als Langstreckenzieher zwischen April und September in der Region anzutreffen ist, während er den Winter in Afrika verbringt.
Seine Lebensräume sind Wälder und halboffene Naturlandschaften, oft in Gebüschen oder nahe von Gewässern. Nach der Paarung legt das Kuckucksweibchen maximal 25 Eier in fremde Nester, wobei es zuvor ein Ei der Wirtseltern entfernt. Besonders Rohrsänger und Grasmücken dienen ihm als bevorzugte Wirtseltern. Auf seinem Speiseplan stehen Käfer, Fliegen, Heuschrecken, Spinnen, Schnecken und Raupen.
Der Kuckuck gilt in Nordrhein-Westfalen als gefährdet. Früher weit verbreitet, sind seine Brutvorkommen in den letzten Jahren stark zurückgegangen, sodass er im Sauerland, der Eifel und im Bergischen Land immer seltener zu beobachten ist. Bundesweit existieren laut NABU noch zwischen 39.000 und 65.000 Reviere.
Der Eisvogel
Der Eisvogel ist ein seltener und zugleich besonders schöner Gast im Sauerland. Mit seinem schillernden Kleid wird er oft als fliegendes Juwel der Natur bezeichnet.
Quelle: Philipp GeislerSein Oberkopf und Rücken glänzen in intensivem Blau, während die Unterseite und Wangen leuchtend orange erscheinen. Weiß gefärbte Flecken an Hals und Kehle, ein kräftiger, dunkler Schnabel und eine Größe von 17 bis 19,5 Zentimeter machen ihn unverwechselbar. Hörbar ist der Eisvogel durch sein schrilles „Zii“, das er beim Fliegen von sich gibt.
Eisvögel leben bevorzugt an fischreichen Gewässern wie Bächen, Flüssen, Teichen oder Seen. Für ihre Brut graben sie Brutröhren von etwa einem Meter Länge in Steilufern. Meist suchen sie schattige Stellen auf, von wo aus sie geduldig ihre Beute beobachten. Beim Fischfang stürzt sich der kleine Juwel blitzschnell ins Wasser, greift mit seinem langen, spitzen Schnabel zu und ergänzt seinen Speiseplan durch Kaulquappen und verschiedene Insektenarten.
Im Sauerland ist der Eisvogel eher selten, da die Mittelgebirgslandschaft weniger geeignete Gewässer bietet. Ansonsten ist er in Nordrhein-Westfalen weit verbreitet. Mit geschätzten 9.500 bis 15.500 Brutpaaren gilt der Bestand laut NABU als stabil. Wer einen Eisvogel erblickt, kann sich glücklich schätzen: Er gilt als Symbol für Hoffnung und Reinheit.


