Die Vogelwelt des Sauerlands

Vogelwelt Sauerland: Storch

Quelle: Rainer Hennecke

Das Sauerland bietet einen reichhaltigen Lebensraum für allerlei Vogelarten, die in den dichten Wäldern, Flusstälern und offenen Hochflächen unterwegs sind. Von den vertrauten Singvögeln wie der Amsel bis hin zu seltenen Greifvögeln, die majestätisch über die Täler gleiten, ist die Region ein wahres Paradies für Natur- und Vogelbeobachter. Besonders in den stillen Naturschutzgebieten lassen sich die unterschiedlichen Vogelstimmen und Verhaltensweisen hautnah erleben. Zwei ganz besondere Arten möchten wir in dieser Ausgabe näher vorstellen.

Der Storch
Im Sauerland ist der Storch mit rund 700 Brutpaaren in Form des Weiß- und Schwarzstorchs besonders häufig vertreten. Er gehört zu den Vogelarten, die am stärksten erforscht sind und einen hohen Bekanntheitsgrad genießen, auch weil der Storch traditionell als Glücksbringer gilt und – zumindest der Legende nach – Babys bringen soll.

Storch im FlugQuelle: Rainer Hennecke
Storch im Flug

Offene Kulturlandschaften sind die bevorzugten Brutgebiete des Storchs, wobei er für sein Nest vorwiegend Dächer, Kirchtürme und Schornsteine wählt. Der stolze Vogel mit den grazilen langen Beinen gleitet im Segelflug über die Sauerländer Landschaft. Zur Überwinterung fliegt er in den Wintermonaten nach Afrika in wärmere Gefilde, bevor er im Frühjahr zurückkehrt.

Der Weißstorch wird rund einen Meter groß und zeichnet sich durch seinen schlanken Körperbau, das weiße Federkleid sowie den markanten langen roten Schnabel aus. Der weniger bekannte Schwarzstorch lebt dagegen vor allem in ruhigen Waldgebieten. Er wird ebenfalls über einen Meter groß und besitzt wie der Weißstorch einen langen roten Schnabel. Sein Gefieder ist überwiegend schwarz und schimmert je nach Lichteinfall metallisch grün bis violett. Der Lebensraum des Storchs umfasst Feuchtwiesen, Weiden, Wiesen und Fließgewässer in offenen Kulturlandschaften. Auf seinem Speiseplan stehen Insekten, Mäuse, Regenwürmer, Echsen und Amphibien. Charakteristisch ist das berühmte Klappern mit dem Schnabel, wenn er in seinem Nest sitzt und sich um seinen Nachwuchs kümmert.

Der Storch, auch als Klapperstorch bekannt, gilt als besonders sympathischer Vogel und ist im Sauerland aufgrund seiner Eleganz und seines ruhigen Segelflugs ein gern gesehener Gast.

Der Bluthänfling
In den Bergen des Sauerlandes ist der Bluthänfling ein häufiger Gast. Er bevorzugt Hecken, Sträucher und offene Landschaften. Das Männchen beeindruckt im Frühling, meist auf Heckenspitzen sitzend, mit seiner rosarot leuchtenden Brust und seinem Balzgesang, um ein Weibchen zur Familiengründung anzulocken. Sein Gesang wird als weich, trillernd, hüpfend und musikalisch beschrieben.

Mit einer Körpergröße von 12 bis 14 Zentimetern zählt der Bluthänfling zu den kleineren Finkenarten. Auffällig sind die leuchtend lavarote Stirn, der gräuliche Kopf und der kastanienbraune Rücken des Männchens. Das Weibchen dagegen besitzt eine eher graubraune Färbung an Kopf und Rücken, während Brust und Bauch beige mit dunklen Streifen gefärbt sind.

Beliebte Lebensräume des „Linaria cannabina“ genannten Finken sind dichte Büsche und Hecken, die im Land der tausend Berge reichlich vorhanden sind. Zwar bevorzugt er offene Flächen, doch auch Parks, Weinberge, Obstgärten und Küstenheiden zählen zu seinen bevorzugten Rückzugsorten. Während der Brutzeit leben die Tiere paarweise, später schließen sie sich häufig zu größeren Schwärmen zusammen. Seit Jahrzehnten gilt der Bluthänfling als gefährdet, da seine Bestände weiter zurückgehen, obwohl derzeit noch über 100.000 Brutpaare gezählt werden.

Der Bluthänfling ist das ganze Jahr über anzutreffen, auch wenn einige Exemplare im Winter in südlichere Regionen ziehen und erst mit dem Frühjahr ins Sauerland zurückkehren.

Am liebsten frisst er Körner, Samen und Früchte. Während der Brutzeit stehen zusätzlich Insekten auf dem Speiseplan, die an den Nachwuchs verfüttert werden. Auf einer Wanderung kann einem besonders das auffällig gefärbte Männchen im Prachtkleid schnell ins Auge fallen.

Bluthänfling - fotografiert von Philip GeislerQuelle: Philipp Geisler
Bluthänfling – fotografiert von Philipp Geisler