
Seit 1754 tobt der Siebenjährige Krieg in Europa. Österreich, verbündet mit Frankreich und Russland, kämpft gegen Alliierte aus preußischen, englisch-hannoverschen, hessischen und Braunschweiger Truppen. Auch Arnsberg wurde schließlich von ständig wechselnden Kriegshandlungen heimgesucht. Die Bevölkerung litt auch hier entsetzlich unter den damit verbundenen zwangsweisen Lebens- und Futtermittelbereitstellungen, Beschlagnahmungen und Einquartierungen bis hin zu Gräueltaten und Exekutionen.
1757 belagerten die Franzosen Arnsberg. Sie richteten ein Versorgungsdepot in Obereimer ein, denn in Arnsberg liefen zwei ihrer wichtigen Aufmarschwege zusammen. Zur Überwachung waren 80 französische Soldaten im kurfürstlichen Schloss oberhalb Arnsbergs einquartiert. Als die alliierten Truppen davon erfuhren, griffen 500 Hannoveraner mit zwei Kanonen im Juli 1760 das Schloss an, wurden aber von den Franzosen nach einigen Stunden tapfer zurückgeschlagen. Fortan war die Zerstörung des Schlosses Ziel der alliierten Befehlshaber. Sich dieser Gefahr bewusst, verstärkten die Franzosen ihre Besatzung in Arnsberg auf 260 Mann.
Im April 1762 setzen sich alliierte Truppen unter Erbprinz Wilhelm Ferdinand von Braunschweig mit 15.000 Mann und über zwanzig schweren Geschützen in Richtung Arnsberg in Bewegung. Sie bringen am 18. April Geschützbatterien im Nordosten auf dem Schreppenberg und bei der Rüdenburg auf dem Römberg im Westen Richtung Schloss in Stellung. Am frühen Nachmittag fordern die Alliierten die Franzosen auf, sich zu ergeben. Um die Arnsberger Bevölkerung zu schonen, ziehen sich die Franzosen lediglich auf das Schloss zurück. Ihr Kommandant, Oberst von Muret, erklärt sich jedoch bereit, das Schloss zu räumen, wenn die Alliierten garantieren, dieses als kurfürstliches Eigentum zu verschonen. Der Erbprinz lehnt das ab und will den Schlossbesatzern nur freien Abzug gewähren.
Ein fürchterliches Inferno
So fällt am 19. April frühmorgens der erste Kanonenschuss Richtung Schloss. Dies ist der Auftakt eines fürchterlichen Infernos. Ununterbrochen prasselt ein Hagelsturm aus Kanonenkugeln und Brandbomben nicht nur auf das Schloss ein. Weil die Geschütze auf dem Schreppenberg oft zu weit zielen, fliegen sie über das Schlossgebäude hinweg in die Stadt hinein. Während die Kugeln bei den gewaltigen, dicken Schlossmauern nur langsam zerstörend wirken, vernichten sie über 50 Wohnhäuser in der Stadt völlig, sodass die schon durch den Krieg verarmten Bewohner jetzt buchstäblich alles verlieren. Die größte Wirkung haben die Brandbomben. In der Stadt entfachen sie verheerende Brände und auch das Schloss steht nach kurzer Zeit in Flammen. Während diese überall aus den Maueröffnungen lodern und der Dachstuhl brennend einstürzt, entstehen im Inneren sengende Hitze und beißender Rauch. Trotz vergeblicher Löschversuche der Franzosen zwingt sie die Atemnot zur Flucht in die Kellergewölbe. An eine wirksame Gegenwehr ist nicht mehr zu denken.
Am Mittag, nach achtstündigem Bombardement, stellt Erbprinz Wilhelm Ferdinand das Feuer ein, um Kommandant von Muret und seine Truppe erneut zur Kapitulation aufzufordern. Über 3.000 Kugeln und Bomben sowie 300 Feuerkugeln sind bis jetzt mit verheerender Wirkung auf Schloss und Stadt niedergegangen. Doch von Muret ist unerbittlich: „Ich kämpfe, bis mir das Taschentuch im Rock brennt.“
Während die Geschosse erneut in dichter Folge das Schloss attackieren, müssen die Franzosen auch die Kellerräume vor dem auch dort eindringenden, erstickenden Rauch fluchtartig verlassen. Sie sammeln sich draußen in den Befestigungsanlagen. Als dann auch diese Bollwerke in Flammen stehen, beendet nach zwei Stunden heftigem Kanonenfeuer das Schwenken der weißen Fahnen die zweite entsetzliche Angriffswelle. Beeindruckt von der übermenschlichen Standhaftigkeit seiner Feinde gewährt der Erbprinz ihnen den ehrenhaften Abzug durch die rauchende Trümmerlandschaft.
Am nächsten Tag folgt Wilhelm Ferdinand seinem Hass auf das Schloss und lässt nach ausgiebigen Plünderungen Teile der rußgeschwärzten Ruine sprengen. Dann ziehen seine Truppen ab, ohne ein nennenswertes strategisches Kriegsziel erreicht zu haben.
Ein solch massives Gebäude wie das Arnsberger Schloss mit seinen dicken Mauern lässt sich auch durch die Wucht des stundenlangen, heftigen Beschusses und durch Sprengungen nicht dem Boden gleichmachen. Die stark beschädigte Substanz hätte sich wahrscheinlich später wieder aufbauen lassen. Die völlig mittellosen Menschen hatten jedoch andere Sorgen und waren froh, dass sie ihre Häuser teils mit Baumaterial von der Ruine wieder errichten konnten, nachdem diese zum Steinbruch erklärt worden war.
Das über der Stadt thronende, prachtvolle und mächtige Arnsberger Schloss war nicht mehr. Um 1100 herum als ansehnliche Burg erbaut, hatte sie den stolzen Grafen von Arnsberg als Wohn- und Verwaltungssitz gedient. Nach Übergabe der Grafschaft 1368 an das Erzstift Köln bauten die Erzbischöfe das Anwesen zum prächtigen Schloss und zur Regierungsresidenz von Westfalen aus. Am Ende verlor Arnsberg nach fast 700 Jahren an einem einzigen Tag sein vom majestätischen Kurfürsten-Schloss dominiertes, einmaliges Stadtbild bis heute.




