Die Schauburg

Schauburg Iserlohn

Quelle: Olaf Neumann

Iserlohner Gesellschaftshaus mit wechselvoller Geschichte

Die historischen Daten beziehen sich auf die Aufzeichnungen des Bauleiters der Schauburg-Renovierung, Hans-Hermann Hupach.

Jede Stadt hat besondere Gebäude. Das sind nicht nur Kirchen oder Türme, die gerne besucht werden, sondern auch recht alte Gebäude, die im Laufe ihres Bestehens eine wechselvolle Nutzung erfahren haben. Es ist drei angesehenen Iserlohner Bürgern zu verdanken, dass die Schauburg in ihrer Größe entstehen konnte, weil diese 1897 den Architekten Otto Leppin beauftragten, für die 1834 gegründete Bürgergesellschaft ein repräsentatives Gesellschaftshaus zu errichten. Um die Pläne umzusetzen, erwarb man für 50.000 Mark das Grundstück Hagener Straße 20 (heute Hans-Böckler-Straße). Am 1. Oktober 1898 wurde das Haus eröffnet, wie eine Ansichtskarte zeigt. Dass die Schauburg – im Grunde prunkvoller als je zuvor – heute noch existiert, ist dem Engagement der Iserlohner Unternehmerfamilie Edelhoff zu verdanken. Darüber später mehr.

Das Haus bis 1945

Für die Bürgergesellschaft wurde im Parterre eine Restauration von 800 Quadratmetern eingerichtet. Im Keller gab es eine Kegelbahn. Zum prunkvollen Festsaal von 25 m × 16 m Fläche im Obergeschoss mit Orchesterloge und umlaufender Galerie führte eine breite Treppe, die sich auf halber Höhe teilte. 1.100 Personen konnten in diesem Festsaal Platz finden. Allerdings hatte sich die Bürgergesellschaft mit dem Objekt übernommen, sodass es 1903 zur Zwangsversteigerung kam. Die evangelische Kirchengemeinde erwarb das Gebäude 1904 und führte es als Vereinsheim. Der Name „Schauburg“ tauchte erstmals 1918 auf, als das Haus von Theodor Böhmer zu einem Kino mit dem Namen „Schauburg-Lichtspiele“ umgebaut wurde.
Eine eigene Hauskapelle begleitete die Stummfilme. Die Lichtspieltradition wurde Ende 1918 fortgesetzt, als Willy Giebe „Iserlohns größtes Lichtspielhaus“ kaufte. Nach dem Umbau der Schauburg 1938 wurde Willy Giebe durch die Nationalsozialisten die Führung des Kinos entzogen, da er mit einer Jüdin verheiratet war. Sein Nachfolger, der Hagener Ex-UFA-Theaterleiter Bartelsen, bot „nur für Deutsche“ ein Programm aus Opern, Operetten und Schauspielen sowie ein überwiegend heroisch-nationalistisches Filmprogramm.

Schauburg IserlohnQuelle: Stadtarchiv Iserlohn

Das Haus nach dem Kriegsende

Nach dem Krieg beschlagnahmten die Briten das Gebäude. Im „AKC Globe Cinema“ zeigten sie eigene Filme, wie später die Kanadier, die das Haus 1963 übernahmen. Hin und wieder wurden auch Filme für das deutsche Publikum angeboten. Der Autor dieser Zeilen erinnert sich noch gut an einen Kinobesuch mit seinem Freund und dessen Mutter im Jahr 1946. Der Kinderfilmgenuss wurde für ihn dadurch gestört, dass er immer wieder in dem Klappsessel versank und die Nachbarin ihn wieder herausdrücken musste. 1970 wurde die Schauburg den Deutschen zurückgegeben, ohne dass man in Iserlohn wusste, was mit dem großen Haus geschehen sollte. Ein Jugendtreff zog in den Keller ein. Die Paketpost nutzte das Erdgeschoss. Geschäfte, Kneipen, Ateliers zogen ein und aus. Ein Plan für die Nutzung des Festsaals existierte nicht. Feuchtigkeit drang durchs undichte Dach, für Tauben gab es reichlich Nistplätze. Das Haus verkam. Schließlich wurde 1988 wegen des zunehmenden Verfalls laut einer Expertise zum Abbruch geraten.

Die Wiedergeburt der Schauburg

Bürgergesellschaft Iserlohn Postkarte 1913Quelle: Stadtarchiv Iserlohn

Manchmal ist es im Rückblick betrachtet ein glücklicher Zufall, dass ein vor dem Abbruch stehendes Gebäude noch existiert und ein Highlight für Iserlohn und über die Stadtgrenzen hinaus ist. Die Familie Edelhoff, Inhaberin der Entsorgungsfirma Lobbe, wollte eine Immobilie in der Iserlohner Fußgängerzone erwerben. Der Inhaber bestand darauf, das Geschäft nur im Paket mit der maroden Schauburg zu ermöglichen. Somit erwarb die Familie Edelhoff 2004 auch die „Ruine“ an der Hans-Böckler-Straße. Man erkannte sehr schnell, dass es ein Abenteuer war, auf das sich die Eigentümerfamilie eingelassen hatte. Obwohl zunächst der Abbruch im Vordergrund stand, reifte allmählich, nach gründlicher Begutachtung der Bausubstanz, die Entscheidung, dass aus dem Gebäude etwas Sinnvolles zu machen sei. Die Bauplanung begann. Hans-Hermann Hupach, der als 70-Jähriger eigentlich pensioniert war, übernahm die baufachliche Regie. Für ihn war die Herausforderung zum Ende seines Berufslebens ein großes Abenteuer. Das Erscheinungsbild der Schauburg im Inneren wie im Äußeren sollte so werden wie vor hundert Jahren, oder noch besser. Eine Postkarte aus dem Jahr 1913 diente als Anhaltspunkt, aufgefundene abgeschlagene Original-Stuckelemente waren die Basis für die Nachbildungen. Bevor versierte Handwerker ihre Arbeit aufnehmen konnten, wurden Schutt und sonstiger Unrat in über 80 großen Müllcontainern entsorgt. Das Dachgeschoss konnte nur in Schutzkleidung von großen Mengen Taubenkot gesäubert werden. Fast täglich gab es Überraschungen bei den Bauarbeiten. Besondere Sorgfalt wurde auf die originalgetreue Wiederherstellung des großen Festsaales mit der Runddecke und den umlaufenden Galerien gelegt. Auch für die Wiederherstellung des Bühnenraumes mit den angrenzenden vier Logen war präzise Arbeit notwendig. Die farbigen Stuckverzierungen verlangten von den Spezialisten besondere Fähigkeiten. Sowohl bei der Beauftragung von Kirchenmalern als auch bei der Einbringung von Kristalllüstern aus Böhmen zeigte sich die Liebe zum Detail. Es wurde, den Anforderungen eines Veranstaltungssaals entsprechend, außerdem moderne Technik installiert. Im Herbst 2008 waren die Arbeiten abgeschlossen und die Schauburg erstrahlte wieder, nach einer kostspieligen Sanierung und Restaurierung. Am 8. November wurde die Schauburg mit einem Showprogramm der Extraklasse feierlich eingeweiht.

Schauburg innenQuelle: Olaf Neumann

Die gegenwärtige Nutzung des Gebäudes

Am 21. Dezember 2011 wurden dem Pächterehepaar Margit und Matthias Tuschen die Schlüssel für die Schauburg übergeben. Sie eröffneten nach etlichen Umbaumaßnahmen mit Unterstützung der Familie Edelhoff im Bereich Technik, Beleuchtung und Raumgestaltung am 15. Januar 2012 die „Tanzwelt Schauburg“, die zu den größten Tanzschulen Deutschlands zählt – und wahrscheinlich auch zu den schönsten. Die Schauburg verfügt – nicht nur für die Tanzschule, sondern auch für Veranstaltungen aller Art –über ein einladendes Foyer mit der breiten Treppe in den großen „Goldsaal“ und den „Kristallsaal“ im Obergeschoss.

SchauburgQuelle: Olaf Neumann

Der kleinere „Silbersaal“ und die „Tanzbar“ befinden sich im Erdgeschoss, im Untergeschoss ist der „Partysaal“. Am 19. Oktober 2024 eröffnete unter neuer Leitung im Erdgeschoss die „Schauburg P 3“, ein Dance & Night Club. Die Schauburg im Zentrum der Stadt Iserlohn ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beeindruckt durch ihr stilvolles Ambiente und die historische Architektur.