Die Revolution begann in Brilon

Quelle: WDR-Beitrag "Utopia: Brilon im Sauerland" (1961) © WDR

WDR-Beitrag „Utopia: Brilon im Sauerland“ (1961) © WDR

Münster/Brilon (lwl). Die Revolution begann in Brilon. 37 Bauernhöfe wurden Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre in einem bundesweiten Modellprojekt aus dem Ortskern der sauerländischen Stadt Brilon ausgesiedelt. Über 60 Jahre später kehrt der vom LWL produzierte Dokumentarfilm „Das Dorf Utopia“ an diesen Ort zurück und geht der Frage nach, wie die damaligen Umbrüche heute erinnert und bewertet werden.

Ausgangspunkt des vom LWL-Medienzentrum für Westfalen gemeinsam mit dem LWL-Freilichtmuseum Detmold produzierten Dokumentarfilms ist ein Fernsehfilm aus dem Jahr 1961. Der WDR-Beitrag mit dem bezeichnenden Titel „Utopia: Brilon im Sauerland“ stellte die Aussiedlung der Höfe als Zukunftsmodell dar: zeitgemäß ausgestattete Mischbetriebe mit ausreichend landwirtschaftlicher Fläche. Ziel war es, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und zugleich Raum für die städtebauliche Entwicklung zu schaffen. Exemplarisch begleitet der Film die Familie Jütten, die als frisch vermähltes Ehepaar ihren Betrieb auf die Briloner Hochfläche verlegt.

„Utopia: Brilon im Sauerland“

Der neue Dokumentarfilm von Daniel Huhn blickt mit zeitlichem Abstand auf diesen Prozess zurück. Dabei verbindet er historische Archivaufnahmen mit persönlichen Erinnerungen und aktuellen Beobachtungen vor Ort. Im Mittelpunkt stehen Bernhardine Jütten und Lenchen Brandenburg, zwei Frauen, die als junge Bäuerinnen selbst von der Aussiedlung betroffen waren. Während sie damals bei Entscheidungen über Hofplanung und Umzug meist im Hintergrund standen, rückt der Film heute ihre Perspektive in den Vordergrund.

In Gesprächen berichten sie, wie sie den Umzug auf die neuen Höfe erlebt haben, welche Hoffnungen damit verbunden waren und welche Veränderungen dieser Schritt für ihren Alltag bedeutete. Ihre Erinnerungen eröffnen einen sehr persönlichen Zugang zu einem tiefgreifenden strukturellen Wandel, der die Landwirtschaft in Westfalen bis heute prägt.

Zukunft der Landwirtschaft

„Aussiedlerhöfe stehen für den Entwicklungsschritt von der vorindustriellen zur modernen Landwirtschaft. Die Höfe galten als Blaupause für die Zukunft der Landwirtschaft“, sagt Dr. Marie Luisa Allemeyer, Leiterin des LWL-Freilichtmuseums Detmold, die den neuen Film angeregt und redaktionell begleitet hat.

„Das Dorf Utopia“ zeichnet ein eindrückliches Porträt einer Zeit des Aufbruchs und der Neuordnung in der Landwirtschaft. Zugleich zeigt der Film, dass das damalige Modell weit über Brilon hinausweist und beispielhaft für den Wandel vieler ländlicher Regionen stehen. Die einst angestrebte Optimierung der Landwirtschaft erwies sich als trügerische Vision, da kleine Familienbetriebe mit der zunehmenden Globalisierung und der wachsenden Konkurrenz durch spezialisierte Großbetriebe nicht Schritt halten konnten.

Am Samstag (28.3.) feierte der Film im voll besetzten Briloner Kino seine Premiere. Organisiert hatte sie der Briloner Heimatbund gemeinsam mit dem städtischen Museum Haus Hövener.

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