„Die Pantoffelschüler – Geschichten aus dem Internat Fredeburg“

Quelle: WOLL Verlag

von Ralf Giesecke, Andreas Kohlhase und Jochen Steinig

Es gibt Bücher, die nachklingen – nicht wegen vordergründiger Dramen, sondern wegen der leisen Stimmen, die aus ihnen sprechen. Die Pantoffelschüler ist so ein Buch. Drei ehemalige Internatsschüler blicken zurück auf ihre Jahre in Bad Fredeburg, und was zunächst nach Schulgeschichten klingt, wächst zu einem vielgestaltigen Erinnerungsbild aus persönlicher Erfahrung und Zeitgeschichte heran.

Zwischen den Zeilen riecht man den Geruch von Bohnerwachs auf den Gängen, hört das gedämpfte Murmeln vor dem Frühsilentium, spürt den Stolz und die Strenge eines Internats, das zugleich Schutzraum und Bühne war. Der Alltag wird mit einer Genauigkeit beschrieben, die nichts Romantisierendes hat, aber doch viel Zärtlichkeit für das Vergangene offenbart. Es ist kein Abrechnungsbuch, kein Enthüllungsbericht – eher eine stille Erkundung des Erwachsenwerdens in einer abgeschlossenen und streng reglementierten Welt, die dennoch von der großen Geschichte durchzogen wird.

Das Besondere an diesem Buch ist seine Vielschichtigkeit. Die Stimmen der Autoren fließen ineinander, ohne sich zu vermischen. Man liest Erinnerungen, die nicht gleich klingen, aber denselben Grundton tragen: den Versuch, Sinn zu finden in einer Zeit, die pädagogisch strenger und zugleich unbefangener war als die heutige. Die Geschichten sind ehrlich, manchmal scharf beobachtet, oft mit feinem Humor durchzogen. Was sie verbindet, ist eine spürbare Wärme, auch da, wo das System Internat enge Grenzen setzte.

Überhaupt ist es die Haltung, die beeindruckt: keine Nostalgie, sondern ein neugieriger, manchmal selbstironischer Blick zurück. Das Internat wird hier nicht verklärt, sondern verstanden – als Ort, der prägte, herausforderte, verletzte und formte. Die Autoren schreiben, als wollten sie die Fäden ihrer Jugend noch einmal aufnehmen, nicht um sie festzuhalten, sondern um sie weiterzuspinnen.

Die Pantoffelschüler ist ein Buch, das vom Wert der Erinnerung erzählt – und davon, wie Vergangenheit erst durch das Erzählen lebendig bleibt. Wer Sinn für die feinen Zwischentöne hat, wird hier ein Stück deutscher Nachkriegskultur entdecken, das in seiner persönlichen, unaufgeregten Art weit über die Mauern des Internats hinausreicht.

Die Pantoffelschüler – Geschichten aus dem Internat Fredeburg
Ralf Giesecke, Andreas Kohlhase, Jochen Steinig
WOLL Verlag – 344 Seiten – ISBN 978-3-912023-04-6 – 15,90 Euro