Die Kinder von Elspe

Die Kinder von Elspe

Kindheit hinter Kulissen von Karl May

Das Elspe Festival – für viele ist es ein Kindheitstraum, einmal aktiv dabei zu sein. Für die Kinder der ersten Schauspielergeneration war der Traum alltägliche Wirklichkeit. Sie haben jeden Sommer hinter den Kulissen und manchmal auch aktiv auf der Bühne verbracht – mit dem Star Pierre Brice zum Anfassen. Heute ist es schon die dritte Generation von Schauspielerkindern, die hinter der Karl May-Bühne aufwächst. Für manche der zweiten Generation sind die Bühne und ihr Umfeld inzwischen vom großen Abenteuerspielplatz zum Arbeitsplatz geworden.

Tina Mester und Meike Duwe haben eines gemeinsam: Mutter und Vater trugen dazu bei, das Elspe Festival zu dem zu machen, was es heute ist. Tina Mesters Eltern, Hedel und Peter Hüttemeister, und Meike Duwes Eltern, Anne und Franz-Josef Schneider, genannt Pico, gehörten zum Kreis jener, die aus dem Elsper Laientheater auf der improvisierten Freilichtbühne am Rande des Naturschutzgebietes Rübenkamp das professionelle Elspe Festival gemacht haben. Mit dem Engagement des französischen Leinwandstars Pierre Brice, dem Bilderbuch-Winnetou, gelang dem damaligen Team um den legendären Old Shatterhand-Darsteller Jochen Bludau der endgültige Durchbruch. Peter Hüttemeister war in jener Zeit hauptberuflicher Betriebsleiter der Karl May-Festspiele und stand selbst auf der Bühne – abwechselnd als lustiger Lord und als Schurke. Pico leitete die Stallungen. Ihre Kinder verbrachten alle Sommer ihrer Kindheit auf und hinter der Elsper Bühne.

Der verbotene Wasserfall

Tina Mester

Tina Mester und Meike Duwe waren Teil einer ganzen Kindergruppe, die den Sommer in Elspe in vollen Zügen genossen hat.
„Wir haben Verstecken gespielt und natürlich Cowboy und Indianer.“ Beider Augen glänzen angesichts der Erinnerung. Nach der Aufführung war die Bühne als Spielplatz freigegeben, aber nur der untere Teil. „Unter dem Wasserfall war auch damals schon ein großes Loch. Da durften wir nicht hin“, erzählt Meike Duwe – und Tina Mester ergänzt: „Erst haben wir unten gespielt und das andere haben die Großen dann nicht mehr gesehen.“

Während der Aufführung saßen sie auf einem großen Felsen auf der linken Seitenbühne, von dem aus man die Bühne überblicken kann, ohne vom Zuschauerraum aus gesehen zu werden. Ausritte hinter der Postkutsche ins Elsper Umland, ein Swimmingpool und – in der Boris Becker-Zeit – Tennisstunden rundeten das Freizeitprogramm ab. Eine improvisierte Wasserolympiade im Pool gehört zu den lustigsten Kindheitserinnerungen.

Natürlich wurden auch die großen Rollen nachgespielt. Vom heutigen Regisseur des Elspe Festivals, Marco Kühne, erzählen die beiden, dass er schon als Kind besonders gerne die Kämpfe nachgespielt hat und besonderen Spaß daran hatte, neue Choreographien auszuprobieren.

Deutschbücher für Pierre Brice

Meike Duwe

Die Karl May-Filme der 60er Jahre kennen Tina Mester und Meike Duwe auswendig. Der Star der Filme war in ihrer Kindheit ein ganz normaler Kollege ihrer Eltern ohne jede Starallüren. Die abgelegten Deutschbücher der Kinder nutzte er gerne, um seine Sprachkenntnisse aufzubessern.

Mit dem Leinwand-Winnetou verbinden die Elsper Kinder einen weiteren Höhepunkt ihrer Kindheit: Nach Ende der Saison in Elspe zog das ganze Ensemble mit Kulissen und Pferden damals für zwei Wochen nach Ratingen auf die dortige Freilichtbühne.

Ein See zwischen Bühne und Zuschauerraum lud die Kinder zum Bötchenfahren ein. Nach der Aufführung standen die Pierre-Brice-Fans an den Zäunen und schrien ihrem Idol den Wunsch nach Autogrammen entgegen. Natürlich ritt er zum Zaun, nicht zuletzt, damit die Kinder des Ensembles irgendwann auch mal schlafen konnten.

Der coole Häuptling

Luke Messerschmidt

Die Kinder der Pierre Brice-Zeit haben heute selbst Kinder und auch sie verbringen oft ihre Sommer hinter den Elsper Kulissen.

„Natürlich ist heute vieles nicht mehr so möglich, aufgrund der vielen Technik“, stellt Meike Duwe klar. Trotzdem gibt es wieder eine fröhliche Kinder-Gang, aus der die Schauspieler von morgen hervorgehen. Einer von ihnen ist Luke Messerschmidt. Seit 2021 steht er jedes Jahr auf der Bühne und hatte auch schon eine kleine Sprechrolle. In diesem Jahr spielt er eine der Hauptrollen: Harry, den Sohn von Old Firehand.

Auf die Frage, welche Rollen er in Zukunft spielen möchte, nennt er nicht Winnetou. „Der ist zu brav, der andere Häuptling ist cooler. Der ist immer auf Streit aus. Da ist mehr Action.“ Tina und Meike stimmen zu. Auch sie haben in ihrer Kindheit Indianer- und Gangsterrollen bevorzugt. Und wenn er nicht proben muss, nutzen Luke und sein bester Freund zusammen mit der aktuellen Kindergang das Festivalgelände genau so als Abenteuerspielplatz, wie es die Generation vor ihm getan hat.

Luke Messerschmidt, Tina Mester und Meike Duwe haben im WOLL-Interview noch viel mehr erzählt – über das Reiten, die Rollen und Winnetou, Anekdoten von Hape Kerkeling als Zorro oder einem Pferd, das in der Aufführung ein Ansteckmikrofon gefressen hat.

Das ganze Interview gibt es auch als WOLLcast: