Die inoffiziellen Litfaßsäulen: Sticker- und Grafitti-Kultur im Sauerland

Straßenlaternen, Mülleimer und sogar Zigarettenautomaten: Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, entdeckt schnell die inoffiziellen Litfaßsäulen. Zwischen Aufklebern von Fußballvereinen, Erinnerungen an vergangene Schützenfestkönigspaare und QR-Codes für die nächste Party entsteht ein buntes Sammelsurium aus Tradition, Werbung und Reviermarkierung.

Aufkleber und Graffiti in Schmallenberg

Tradition, Werbung und jugendlicher Selbstdarstellung
Gerade im Sauerland, wo Schützenfest und Vereinsleben fest zur Heimat gehören, erzählen viele Sticker kleine Geschichten vom letzten Festzug, aber auch von der Lieblingsmannschaft oder der Clique, die „auch mal da war“. Das Spektrum der Graffiti reicht vom schnell geschmierten „Ich war hier“ bis hin zu professionell gestalteten Motiven mit klarer Bildsprache. So entsteht ein sichtbares Nebeneinander aus Tradition, Werbung und jugendlicher Selbstdarstellung.

Andere Klebekunstwerke dienen vor allem der Aufmerksamkeit. Veranstaltungen, Dienstleistungen, Social-Media-Profile oder politische Botschaften werden beworben, ganz ohne Kosten für offizielle Werbeflächen.

Kosten, Kosten, Kosten
Für Städte und Gemeinden bedeutet das allerdings zusätzlichen Aufwand. Die Entfernung der Aufkleber kostet Zeit und Geld. In Nordrhein-Westfalen summieren sich Reinigung und Instandhaltung mancherorts auf fünf- bis sechsstellige Beträge. Köln kalkuliert dafür jährlich rund 800.000 Euro ein. Besonders hartnäckig sind mehrlagige Sticker und aggressive Kleber, die Lacke und Beschichtungen beschädigen.

Die Stadt Schmallenberg fasst zusammen
In Schmallenberg bleibt das Problem nach Angaben der Stadt jedoch überschaubar. Anke Katscher aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erklärt, dass entsprechende Fälle eher punktuell auftreten. Belastbare Zahlen zu Kosten oder Häufigkeit gebe es deshalb nicht.

Hinweise gingen vor allem dann beim Ordnungsamt ein, wenn Bushaltestellen und öffentliche Gebäude betroffen seien oder es sich um politisch motivierte Schmierereien handele. In solchen Fällen werde Anzeige erstattet und die Reinigung zeitnah veranlasst.

Kleinere Verschmutzungen an Straßenschildern oder Mülleimern entfernt der Bauhof im Rahmen der regulären Unterhaltungsarbeiten. Das Fazit der Stadt: Das Beschwerdeaufkommen sei insgesamt gering und beschränke sich auf Einzelfälle.