Die historische Fabrikanlage Maste-Barendorf

Fabrikanlage Maste-Barendorf

Quelle: Stadtmuseum/Klein & Neumann

Zu den Museen der Stadt Iserlohn gehört das Stadtmuseum, der Luftschutzstollen, das Nadelmuseum, die Historische Fabrikanlage Maste-Barendorf und das Museum Haus Letmathe. Unter der Adresse https://museen-iserlohn.de öffnet sich eine moderne, inklusive Website mit ansprechenden Fotos und klarem Design. Seit April 2019 ist Frau Dr. Sandra Hertel Leiterin der Museen. Wilfried Diener konnte mit ihr vor Ort in Barendorf über die Entstehung und  heutige kulturelle Nutzung des Industriedenkmals sprechen, das allerdings nicht als Freilichtmuseum betrachtet werden darf.

WOLL: Frau Dr. Hertel, wir stehen hier in dem 2025 neu eröffneten Nadelmuseum in der historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf. Was war dieses Fachwerkensemble ursprünglich?
Dr. Sandra Hertel:
Die historische Fabrikanlage war, wie der Name schon sagt, eine Produktionsstätte. Viele Leute, die hier hinkommen, denken, es handelt sich um einen ehemaligen Bauernhof, in den später Fabriken eingezogen sind. Aber das ist nicht der Fall. Franz Maste und Johannes Dunker haben in den 1820er Jahren hier eine Messingfabrik anlegen lassen und die Gebäude sind für die industrielle Nutzung, die Produktion von Messing, aber auch von Draht gebaut worden.

WOLL: Das war also eine Anlage, die aus mehreren Fabrikgebäuden bestand?
Dr. Sandra Hertel:
Genau. Im Zentrum dieser Fabrikanlage befindet sich auch heute noch das Haus A, das größte und zentrale Haus. Das war das Wohnhaus, in dem der Fabrikaufseher wohnte, also das Wohn- und Geschäftshaus, von dem man die gesamte Anlage überwachen und kontrollieren konnte. Später gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat die Familie Maste dort gewohnt. Der letzte Bewohner war Alfred Maste, der 1996 gestorben ist.

WOLL: Ich gehe davon aus, dass diese Fabrikanlage irgendwann zum Erliegen gekommen ist.
Dr. Sandra Hertel:
Die Firma der Gebr. Maste musste schon Anfang des 20. Jahrhunderts den Betrieb aufgeben, und die Familie hat dann die einzelnen Gebäude weiter verpachtet an unterschiedliche kleinere Betriebe.

WOLL: Was bietet diese Fabrikanlage als Museum?
Dr. Sandra Hertel:
1981 hat die Stadt Iserlohn das ganze Gelände erworben mit dem Ziel, hier sowohl die Geschichte der Industrie in Iserlohn darzustellen als auch die unterschiedlichen Gebäude zu erhalten und Künstlerinnen und Künstlern hier Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Als solch ein Museum- und Künstlerdorf präsentiert sich Barendorf auch heute. Es hat sehr lange gedauert, die einzelnen Gebäude nach und nach zu sanieren und für die Wohn- und Ateliernutzung von Kunstschaffenden bereitzustellen. Aber bereits 1987 ist in der ehemaligen Scheune ein Nadelmuseum eröffnet worden, in dem vor allem die Maschinen aus der Iserlohner Nadelproduktion ein Zuhause gefunden haben, die allein aus statischen Gründen im Stadtmuseum in der Innenstadt nicht aufgestellt werden konnten. Und rund um diese Maschinen ist dann eine Dauerausstellung über die Nadelproduktion in Iserlohn entwickelt worden. Dieses Museum war in dem Zustand bis 2021 so zu sehen und ist dann nach einer umfassenden Neukonzeption in diesem Jahr neu eröffnet worden.

WOLL: Die Häuser sind mit den Buchstaben von A bis K benannt. Sind einige davon hervorzuheben?
Dr. Sandra Hertel:
Wir befinden uns hier im Haus B, in dem bereits beschriebenen Nadelmuseum. Es ist im Gesamtensemble das älteste Gebäude hier auf dem Gelände. Ein anderes interessantes Gebäude ist das Haus H. Dort ist das Café untergebracht. Es ist aber das einzige Gebäude, das nicht mehr historisch ist. Das Gebäude, das mit einem Wasserrad zuvor dort stand, ist in den 90er Jahren niedergebrannt und danach im Einvernehmen mit dem Denkmalschutz neu aufgebaut worden. Man sieht es ihm aber nicht an, da es sich wunderschön in die gesamte Anlage wieder eingliedert.

Nadelmuseum innenQuelle: Stadtmuseum/Klein & Neumann

WOLL: Ist dieses Café auch geöffnet, wenn keine Veranstaltungen im Museumsdorf sind?
Dr. Sandra Hertel:
Das Café ist fast das ganze Jahr hindurch geöffnet. Nur im Januar nicht, weil in dieser Zeit aus Erfahrung das Museumsdorf am wenigsten besucht wird. Das Café hat auch immer montags geschlossen. Im Sommer ist es ein sehr beliebter Treffpunkt für die Benutzerinnen und Benutzer des Fahrradweges am Baarbach entlang, der zum Ruhrtalradweg führt.

WOLL: Sie hatten vorhin schon mal das Haus A kurz genannt. Darf das auch besonders erwähnt werden?
Dr. Sandra Hertel:
Auf jeden Fall! Das Haus A ist das zentrale Gebäude hier in Barendorf, das Haupthaus. Nach dem Tod von Alfred Maste hat die Stadt das Gebäude saniert und ihm einen modernen Anbau gegeben. Dieser Saal wird sehr impulsiv genutzt als Ausstellungsraum, aber auch als Veranstaltungsraum für Lesungen, Musikdarbietungen und für unterschiedliche Events, die das Museum organisiert, z. B. den „DrahtSaitenAkt“ oder das „Weihnachtliche Barendorf“. Diesen Raum kann man auch mieten, um dort private Feste zu feiern. Darüber hinaus ist im Haus A auch noch ein Standesamt eingerichtet. Dort gibt es sechs- bis achtmal im Jahr samstags die Möglichkeit, in einer sogenannten „Ambientetrauung“ in dieser historischen Umgebung zu heiraten.

WOLL: Man spricht von Barendorf als einem lebendigen Ort für Veranstaltungen. Davon sind gerade einige genannt worden. Was geschieht im Laufe des Jahres? Kann etwas Besonderes erwähnt werden?
Dr. Sandra Hertel:
Ein großes Highlight in Barendorf ist der Weihnachtsmarkt, der in diesem Jahr schon zum 31. Mal am zweiten und dritten Adventswochenende stattfindet. Durch das „Weihnachtliche Barendorf“ ist dieser Ort inzwischen überregional bekannt geworden. Er gilt als einer der schönsten Weihnachtsmärkte Westfalens, was man an den Autokennzeichen der Besuchenden erkennt, die sogar von Holland, aus Hessen und Niedersachsen zu uns kommen. Ein neues Festival, das in diesem Jahr zum ersten Mal stattgefunden hat, ist ein Elektrofestival namens „Abrakadabra“, das sich an ein jüngeres, tanzwütiges Publikum richtet. Es ist auch schon für das kommende Jahr vorgesehen und wir hoffen, dass sich daraus eine beliebte Tradition entwickelt, wie es in der Vergangenheit bei „Rock in Barendorf“ der Fall war. Es gibt aber auch Musik für Klassikfans. Jeweils am 1. Septemberwochenende findet der „DrahtSaitenAkt“ statt. Das ist ein klassisches Musikformat, in dem an fünf unterschiedlichen Spielstätten in den verschiedenen Häusern Kurzkonzerte gegeben werden. Auch diese beliebte Veranstaltung hat bereits zum 18. Mal stattgefunden und ist regelmäßig ausverkauft.

WOLL: Gibt es für diese Veranstaltungen etwas, das irgendwo abrufbar ist?
Dr. Sandra Hertel:
Wir haben seit letztem Jahr eine neue eigene Website für die städtischen Museen und haben dort einen sehr übersichtlichen Veranstaltungskalender, in dem auch die größeren Veranstaltungen in Barendorf aufgeführt sind.

WOLL: Was können Sie zu den Öffnungszeiten der Häuser in Barendorf sagen?
Dr. Sandra Hertel:
Aus Erfahrung der letzten Jahre haben wir entschieden, diese nur in der Sommersaison zu öffnen, daher ist das Nadelmuseum nur von April bis Oktober geöffnet. Wir haben im Haus I die Haarnadelfabrik. Sie ist zu denselben Zeiten geöffnet, allerdings finden dort keine regelmäßigen Vorführungen statt, denn Barendorf – das muss ich hier betonen – ist kein Freilichtmuseum. Zu besonderen Veranstaltungen, z. B. beim Weihnachtsmarkt, kann man sich dort zeigen lassen, wie aus einem Stück Draht eine Haarnadel entsteht.

WOLL: Sie nannten bereits den an Barendorf vorbeiführenden Radweg. Wie können Besucher das Museumsdorf auch ohne Fahrrad erreichen?
Dr. Sandra Hertel:
Der Radweg ist eine schöne Möglichkeit nach Barendorf zu kommen. Aber man kann Barendorf auch gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Wir haben eine eigene Bushaltestelle. Die Buslinien, die vom Stadtbahnhof oder vom Zentralen Omnibusbahnhof den Norden Iserlohns anfahren, halten auch in Barendorf. Für den Individualverkehr haben wir einen Parkplatz. Für Sonderveranstaltungen ist er aber viel zu klein. Deswegen sind wir dankbar, dass wir von unseren Partnern in der Nachbarschaft, wie etwa der Freien Evangelischen Gemeinde oder der Firma Schlüter Systems deren Parkmöglichkeiten unseren Gästen anbieten können.

WOLL: Frau Dr. Hertel, wir bedanken uns für die ausführliche Darstellung der Historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf und wünschen Ihnen weiterhin viele Besucher in dieser wunderschönen Umgebung der alten Fachwerkbauten als Teil der Museen der Stadt Iserlohn.