Die Feuereiche: Ein Baum erzählt eine Geschichte

Tief im Wald zwischen Brilon-Wald und den Bruchhauser Steinen steht ein außergewöhnliches Kunstwerk: die Feuereiche, gestaltet vom Künstler Roland Bongert. Die heute rund 120 Jahre alte Eiche verbindet Natur, Handwerk und eine gesellschaftliche Botschaft. Seit ihrer Entstehung vor 23 Jahren erinnert sie daran, welche Bedeutung der Wald für den Menschen hat und wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit seinen Ressourcen ist. Als Kunstwerk und Mahnmal ist sie zu einem Wahrzeichen am Rothaarsteig geworden.

Für Roland Bongert war die Feuereiche von Anfang an eine Herzensangelegenheit. „Für so ein Projekt muss man brennen. Alles andere kann man vergessen“, sagt der Künstler aus Olsberg-Brunskappel. Dass er das ernst meint, zeigte sich schon während der Entstehung. Seine Frau habe ihm später lachend gesagt, dass er mit dem Projekt eher draufgezahlt habe. Für Bongert war das zweitrangig. Ihm ging es darum, ein Kunstwerk zu schaffen, das Menschen auch viele Jahre später noch zum Nachdenken anregt.

Vom Baum zum Wahrzeichen
Entstanden ist die Feuereiche im Zuge der Entwicklung des Rothaarsteigs. Förster Ernst-Michael Fischer aus Marsberg-Meerhof suchte nach einer Möglichkeit, die Bedeutung des Waldes auf besondere Weise sichtbar zu machen. Gemeinsam mit Roland Bongert entwickelte er ein Kunstwerk, das die Geschichte des Feuers und seiner Bedeutung für die Menschheit erzählt. Feuer spendete Wärme und Licht half bei der Zubereitung von Nahrung und machte die Verarbeitung von Glas, Keramik und Metallen erst möglich. Gleichzeitig erinnert die Feuereiche daran, dass der Wald Lebensraum, Rohstofflieferant und Klimaschützer zugleich ist und seine Ressourcen verantwortungsvoll genutzt werden müssen. „Im Wald wächst Wärme“ bringt diese Botschaft bis heute auf den Punkt.

„Alle Entwicklungen auf Mutter Erde sind Sonnenkraft basiert“, erklärt Bongert. Deshalb integrierte er schon damals eine Solaranlage in das Kunstprojekt. Bei Dunkelheit führen zwei „Lichter der Verführung“ Neugierige zum Fuße der Eiche. Eine Überraschung für die Bescher und ein Gruß des Kunsthandwerkers als Denkanstoß, sich um Solarautarkie zu bemühen.

Eine neue Feuereiche
Wind, Regen und Pilzbefall haben der Feuereiche im Laufe der Jahre stark zugesetzt. Pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum des Rothaarsteigs wurde das Kunstwerk jedoch in einer aufwendigen Restaurierungsaktion – unterstützt durch engagierte Partner wie das Hotel Sauerland Stern, Hoppecke Batterien und Elektro Hegener – gesichert und instand gesetzt. Im Inneren des Stammes hat sich inzwischen eine große Höhlung gebildet. „Der Baum kann sich nicht mehr wehren“, erklärt Baumfachmann Alfons Schmidt. Spechte, Insekten und Pilze haben den natürlichen Zerfall beschleunigt.

Gleichzeitig laufen bereits die Planungen für einen Nachfolger. Gemeinsam mit Holzhandwerker Stefan Paehsens soll diesmal ein besonders gesunder Baum ausgewählt werden, dessen Kernholz genügend Stabilität für die aufwendigen Schnitzarbeiten bietet. So könnte die nächste Feuereiche deutlich länger erhalten bleiben.

Auch für Roland Bongert ist das ein bewegender Gedanke. „Das Kunstwerk ist mein Baby“, sagt der 72-Jährige. Er wünscht sich, dass die heutige Feuereiche nach ihrem Abbau an einem anderen Ort weiter von ihrer Geschichte erzählen kann. Und vielleicht wird er ja noch einmal an der Entstehung einer neuen Feuereiche mitwirken. Um dieses Vorhaben zu ermöglichen, ist voraussichtlich eine Crowdfunding-Aktion, die auch über einen QR-Code direkt an der Feuereiche zu erreichen ist, geplant, mit deren Hilfe Geld für das neue Kunstprojekt gesammelt werden soll.