Die Borromäerinnen von Grafschaft 

Borromäerinnen von Grafschaft

Gelebte Nächstenliebe mit weltweiter Strahlkraft

Wenn heute vom Kloster Grafschaft die Rede ist, dann meint man einen Ort, an dem Geschichte, Heilung und gelebte Nächstenliebe zusammenfinden. Dass dies möglich wurde, ist dem mutigen Neuanfang der Borromäerinnen nach 1945 zu verdanken. Die schlesische Kongregation fand 1948 in der ehemaligen Benediktinerabtei Grafschaft eine neue Heimat. Sie zogen in ein ruinöses Gebäude, das mit Opferbereitschaft, Beharrlichkeit und Gottvertrauen wieder aufgebaut wurde. 1952 wurde Grafschaft Generalmutterhaus der Kongregation.„Wir tragen diesen Neuanfang in unserer DNA“, sagt Generaloberin Schwester Juliana. „Die Erfahrung von Flucht und Heimatlosigkeit hat unsere Kongregation geprägt. Bis heute macht sie uns widerstandsfähig und offen für neue Wege.“

Eine Ordensgemeinschaft, die den Menschen dient

Die Borromäerinnen verstehen sich als tätiger Orden: Pflege, Begleitung, Bildung und Seelsorge gehören zu ihrem Profil. In Grafschaft zeigen dies besonders drei Einrichtungen: das Fachkrankenhaus, das Haus St. Elisabeth mit barrierefreien Wohnungen und das Schwesternaltenheim Maria Frieden. „Es geht uns immer um den ganzen Menschen – medizinisch, seelisch und spirituell“, erklärt Schwester Gabriela.

Das Fachkrankenhaus Grafschaft trägt diese Handschrift bis heute. Auch wenn die Zahl der im Krankenhaus tätigen Schwestern kleiner geworden ist, ist ihr Einfluss spürbar. Schwester Juliana berichtet: „Patienten sagen uns: Zum ersten Mal bin ich in einem Krankenhaus nicht eine Nummer, sondern ein Mensch. Das verdanken wir dem Geist, der hier spürbar ist.“

Die Generalsekretärin des Ordens, Schwester Gabriela ergänzt: „Auch wenn nicht alle Mitarbeiter gläubig sind – dieser Geist prägt alle. Selbst Menschen anderer Religionen nehmen wahr, dass hier etwas Besonderes herrscht: Nähe, Zeit, Würde.“



Herausforderung Nachwuchs

Wie viele Orden stehen auch die Borromäerinnen vor der Frage nach dem Nachwuchs. „Leider gibt es in Europa fast keine Berufungen mehr“, sagt Schwester Juliana. Hoffnung kommt zurzeit aus den Niederlassungen in Ägypten, wo die Schwestern sich in der Armenfürsorge, Altenpflege und Schulbildung engagieren. In Kairo und Alexandria führen ägyptische Schwestern heute Schulen und Kindergärten fort, die seit Jahrzehnten zu den besten Bildungseinrichtungen im Land gehören. „Über 80 Prozent unserer Schülerinnen sind Muslima, die unsere christliche Schulbildung durchlaufen und bei uns auch Weihnachtslieder mitsingen“, erzählt Schwester Gabriela. „Das ist gelebte Verständigung und Förderung von Frauenrechten.“

Sie selbst fand über Begegnungen mit den Borromäerinnen in Jerusalem, die dort ein Gästehaus und einen Kindergarten führen, den Weg in den Orden. „Mich hat das Miteinander der Schwestern beeindruckt: herzlich, authentisch, nah. Das hat mein Leben verändert.“

Sichtbar im Sauerland

Auch in der Region Sauerland wollen die Borromäerinnen mit ihrem Wirken stärker sichtbar sein. Seit diesem Sommer ist die Annokapelle des Klosters Teil der Dorfkirchen-Radroute, überhaupt sind Besucher und Schulklassen im Kloster und Museum jederzeit willkommen. „Wir gehen auch in die Dörfer, halten Vorträge und nehmen an Veranstaltungen teil“, so Schwester Juliana. Der Freundeskreis Kloster Grafschaft unterstützt dabei. Immer wieder erleben die Schwestern, wie groß die Wertschätzung ist. „Viele Menschen sagen uns: Wir wussten gar nicht, wie vielfältig Ihre Arbeit ist: von Grafschaft bis nach Rumänien, Israel und Ägypten.“

Die spirituelle Verwurzelung bleibt dabei entscheidend. Viermal täglich beten die Schwestern gemeinsam in der Hauskapelle, hinzu kommen die täglichen Messen. „Das ist unsere Kraftquelle. Für mich persönlich ist der Wilzenberg neben dem Kloster ein besonderer Ort. Das ist ein Ort, an dem ich fast jeden Sonntagmorgen Kraft schöpfe“, erzählt Schwester Gabriela.

Botschaft für die Zukunft

Trotz sinkender Schwesternzahlen sind die Borromäerinnen überzeugt, dass ihr Auftrag weitergeht. „Wir glauben, dass unser Krankenhaus, unser Kloster, unsere Schulen und Einrichtungen bestehen werden, zusammen mit guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mit dem Geist, der uns seit fast 400 Jahren trägt“, sagt Schwester Juliana.

Ihre Botschaft an die Region ist klar: „Das Kloster Grafschaft wird ein geistlicher Mittelpunkt bleiben. Wir sind da, wir beten hier, wir wirken für die Menschen hier vor Ort und weit darüber hinaus.“