
Das Damenstift St. Walburga Meschede
Als älteste klösterliche Einrichtung im Südsauerland wurde eine Außenstelle des Reichsklosters Corvey in Niedermarsberg durch den Nachfolger Karls des Großen gegründet. Ungefähr vierzig Jahre später, um 870, errichteten dann die Vorgänger des mächtigen Grafengeschlechts von Werl-Arnsberg den ersten Frauenkonvent im Sauerland. Das Kanonissenstift St. Walburga in Meschede konnte eine weit über das Sauerland reichende Geltung erlangen, wurde ihm doch durch König Konrad I. im Jahre 913, neben anderen Privilegien, die freie Äbtissinnenwahl garantiert. Das Stift wurde weiter gefördert und der Grundbesitz erweiterte sich durch adelige Stiftungen, besonders der Grafen von Werl-Arnsberg, bis ca. 350 Höfe verschiedener Größe zum Grundbesitz gehörten. Herausragend ist eine mittelalterliche Handschrift, der Hitda-Codex, ein Beispiel der ottonischen Kölner Buchmalerei. Das Evangeliar mit den farbigen Kollagen ist ein brillantes Beispiel christlicher Kunst des Hohen Mittelalters. Nachdem dieses Prachtexemplar fast 800 Jahre zum Stift Meschede gehörte, wurde es durch den Großherzog Ludwig von Hessen-Darmstadt 1802 dorthin verbracht.
Die Blütezeit des Stifts fiel in die Zeit der größten Ausdehnung der Großgrafschaft Werl-Arnsberg bis zum Ende des ersten Grafenhauses 1124. Ein bedeutendes kulturelles Ereignis für die Bildung des Sauerlandes war die Einrichtung einer Schule für Jungen, die damit die Chance bekamen, in einen geistlichen Beruf aufgenommen zu werden.
Die Gründung und Funktion als Stift unterscheidet sich von einem Kloster. Die Damen brachten oft ein ansehnliches Vermögen in die Gemeinschaft ein. Sie konnten den Konvent sogar, unter Mitnahme des eingebrachten Vermögens, wieder verlassen, wenn sie heiraten wollten.
Umwandlung in ein Kanonikerstift
Nachdem das Damenstift durch Misswirtschaft und Eingriffe der Vögte in den Klosterbesitz in eine ökonomische Schieflage geraten war, wurde es 1310 durch den Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg aufgehoben und in ein männliches Kanonikerstift umgewandelt. Ein Kanonikerstift steht für die Gemeinschaft weltlicher Geistlicher. Sie betreuten als Seelsorger mehrere Pfarreien und die Einkünfte aus Leistungen wie Taufe, Heirat oder Beerdigung wurden unter ihnen aufgeteilt. Sie unterrichteten auch als Lehrer in der Mescheder Stiftsschule. Nach dem Kölner Krieg, der durch den Kölner Kurfürsten und Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg (1580–1584) verursacht wurde, begann der allmähliche Niedergang des Stifts Meschede. Gebhard hatte seine Geliebte geheiratet, war evangelisch geworden und wollte trotzdem Erzbischof von Köln und damit Herzog von Westfalen bleiben. 1584 musste der Truchseß endgültig aufgeben. Eine weitere Verschlechterung wurde durch den katastrophalen Dreißigjährigen Krieg verursacht und beschleunigte den Niedergang des Stifts im 17. Jahrhundert. Damit nahte auch das Ende der Stiftsschule in Meschede. Das Stift wurde schließlich 1805 aufgehoben, der Besitz verkauft oder vom Darmstädter Großherzog übernommen.
Kloster Königsmünster – ein neues Kapitel wird eröffnet
123 Jahre nach der Aufhebung des Stifts wurde 1928 ein Neubeginn des Klosterlebens in Meschede beschlossen, indem die Benediktinerkongregation von St. Ottilien ein Kloster gründete. Neben einem Gymnasium bewirtschaften die Brüder aktuell handwerkliche und agrarische Betriebe. Auch in der Missionsarbeit sind die Mönche engagiert. (jn)



