Die Anerkennung einer bedeutenden Lebensleistung

Dr. Werner Beckmann wird Preisträger der Rottendorf-Stiftung für Niederdeutsche Sprache 2020

Werner Beckmann und das Mundart-Archiv in Eslohe-Cobbenrode sind über die Grenzen des Sauerlandes für ihren intensiven und wertvollen Einsatz für das Plattdeutsche bekannt. „Dr. Beckmann hat schon früh seine Liebe zur plattdeutschen Sprache entdeckt“, so lautet es in dem erfolgreichen Vorschlag, den Elmar Reuter, Vorsitzender des Sauerländer Heimatbundes, an den Ausschuss des Rottendorf-Preises gemacht hat.

Der Rottendorf-Preis für Niederdeutsche Sprache wird alle zwei Jahre vergeben und ist in dieser Kategorie die wichtigste Auszeichnung in ganz Westfalen. Die Stiftung zu Ehren von Andreas und Rose Rottendorf fördert unter anderem die Herausgabe niederdeutscher Schriften, die Vertonung und Darbietung niederdeutschen Liedgutes und die Erstellung von Unterrichtsmaterialien für niederdeutschen Sprachunterricht an Grundschulen. Der Preisträger für Niederdeutsch wird von einem eigenen fachkundigen Ausschuss des Westfälischen Heimatbundes (WHB) nach intensiven fachlichen Diskussionen vorgeschlagen und von der Stiftung bestimmt.

Bei der öffentlichen Bekanntgabe am 6. August im Haus Hennemann in Cobbenrode war neben Elmar Reuter auch Hans-Peter Boer, Vorsitzender des Rottendorf-Ausschusses im WHB anwesend. Beide waren sichtlich erfreut, dass der Preis an Herrn Beckmann verliehen wird und lobten seine Arbeit. „Er ist ein wertvoller und bedeutender Sauerländer“, so Elmar Reuter, „nur leider blieb die Intensität, mit der er seiner Leidenschaft nachgeht, von der Öffentlichkeit bislang meist unbemerkt.“ Die Verleihung des Preises zeigt nun endlich eine Wertschätzung seiner sprachlichen Wissbegierde. „Ich habe mich sehr gefreut, Herrn Beckmann mitteilen zu können, dass er den Preis verliehen bekommt“, sagt Hans-Peter Boer und berichtet vom emotionalen Moment bei der Bekanntgabe per Telefon.

Platt-Wörterbuch als ausschlaggebende Leistung
Werner Beckmann hat neben bedeutenden Toninterviews mit 270 Sprechern auch ein Wörterbuch für das Sauerländer Platt gemeinsam mit dem WOLL-Verlag herausgebracht: „Sauerländer Platt. Ein Wörterbuch – So kuirt de Sauerlänner. Bearbeitet von Reinhard Pilkmann-Pohl (alte Fassung) und Werner Beckmann (neue Fassung), herausgegeben vom Sauerländer Heimatbund e. V.“. Damit hat er einen wertvollen Beitrag zur Bewahrung des Kulturschatzes geleistet und auch Grundlagen für weitere Forschungsansätze geschaffen. Er arbeitet eng mit Jugendlichen und Ehrenämtlern zusammen, und ist seit 1971 Mitglied im Verein für Niederdeutsche Sprachforschung.

Die Auszeichnung bedeutet Werner Beckmann sehr viel. Gerührt erklärt er jedoch sofort: „Ohne Förderung wäre aus mir nichts geworden!“ Er dankt seinen Mitstreitern, Klaus Droste und Prof. Dr. Hans Taubken, die ebenfalls viel Zeit und Leidenschaft in das Projekt „Mundarten im Sauerland“ gesteckt haben. Gemeinsam wurden viele Hindernisse wie beispielsweise die Finanzierung der Projekte überwunden. Werner Beckmann dankt auch dem Trägerverein Mundartarchiv Sauerland e. V., der die Finanzierung des Mundartarchivs bis heute ermöglicht. Zu diesem Trägerverein gehören die Kreise Hochsauerland und Olpe, die Gemeinde Eslohe, der Sauerländer Heimatbund e. V., die Christine Koch Gesellschaft e. V., der Heimat- und Förderverein Cobbenrode e. V. und der Museumsverein Eslohe e. V. sowie weitere persönliche Mitgliedschaften.

Die Sprache des Herzens
„Ich habe immer eine helfende Hand gefunden, wenn ich eine gebraucht habe“, resümiert Werner Beckmann dankbar. „Auch meinem Elternhaus bin ich zu tiefstem Dank verpflichtet, ich wurde stets finanziell und ideell unterstützt. Man möge mir verzeihen, dass es mir unmöglich ist, an dieser Stelle noch weitere Namen von Personen oder Institutionen zu erwähnen; es sind noch einige.  Das nähme noch sehr viel Zeit in Anspruch. Ich bin jedem dankbar, der mich auf meinem Weg unterstützt hat. Platt ist die Sprache des Herzens und auch die Sprache der Heimat. Hier im Sauerland habe ich meine zweite Heimat gefunden“, äußert Werner Beckmann. Der Preis wird am 15. Oktober im Kulturgut Haus Nottbeck bei Oelde verliehen werden. Aufgrund der aktuellen Situation der Corona-Pandemie und der dadurch reduzierten erlaubten Personenanzahl wird die Verleihung gefilmt und online gezeigt.

Kommentar des zukünftigen Preisträgers –platt und hochdeutsch
Als man mir das mitteilte, dass der Rottendorf Preis in diesem Jahr an mich vergeben worden ist, konnte ich es vor Freude erst gar nicht fassen, ein Glücksgefühl hat mich überwältigt, das ich nicht beschreiben kann. Denn der Rottendorf Preis ist ja nicht irgendetwas, er hat „hohes Ansehen“, wie im Internet auf der Seite https://www.dewiki.de/Lexikon/Rottendorf-Preis geschrieben steht.Aber: Ich hätte nicht das Geringste geschafft, wenn ich ganz allein geblieben wäre. Viele liebe Menschen haben mich auf meinem Lebenswege und bei meiner beruflichen Arbeit begleitet und haben mir geholfen, haben mich gefördert, haben mich tatkräftig unterstützt. Auch dadurch habe ich erfahren, was Freundschaft und menschliches Füreinander bedeutet, und wie beglückend das ist.  Darum kann ich jetzt nur voller Freude Dank sagen – Dank dem Herrgott und allen, die mir, in welcher Weise auch immer, zur Seite gestanden haben.

Ase me mey dat saggte, dat de Rottendorf Preys, dat iëck diän in düem Johre kreygen sall, do hewwe ick miëck wahne drüewer frögget – ick konn et äis gar nit begreypen. Et was en häoge Glücksgefeihl, dat peck miëck, un ick kann et nit beschreywen. Dei Rottendorf Preys, dei is jo nit iärgend wuat, hei hiät en „Häoge Aanseihn“. Säo stäiher’t imme Internet op diär Seyt https://www.dewiki.de/Lexikon/ Rottendorf-Preis.Awwer: Iëck härre kenn kitzken schaffet, wann ick ganz alläine bliëwen wör. Viëlle leiwe Mensken sind met mey gohn op meynem Liäwenswiäge un äok bey meyner Arbet imme Beraupe. Se het mey hulpen, het miëck füärdert un het mick ungerstützet, säo guët se konnen. Äok dodiär heww ick dat dann miärket, wat Fröndskop bedütt un wat et bedütt, wann Mensken fiärenäin do seyd, un biu viëll Glücke säowuat brengen kann. Dorümme kann ick niu  mänt vull van Fröggede Dank seggen – Dank diäm Hiärguatt un allen, dai mey beystohn het, op wat fiär ne Weyse dat se dat liuter äok dohn het.

Von Carla Wengeler