Quelle: Christin Reinmüller
Constantin Karger bildet am bbz Arnsberg die nächste Generation aus
Jeden Morgen betritt Constantin Karger mit Freude das Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Südwestfalen in Arnsberg. Denn dort gibt er sein Wissen an die nächste Generation weiter. Was seine Auszubildenden oft nicht ahnen: Ihr Ausbilder war fast zwei Jahrzehnte selbständiger Handwerker in Irland – eine Erfahrung, die ihm keiner mehr nehmen kann.
Mit 18 saß er am Flughafen in Düsseldorf, den Koffer für Amerika gepackt, entschlossen, im jugendlichen Leichtsinn die Lehre abzubrechen und nach New Jersey zu fliegen. Doch dann kam alles anders. Im Flughafenbistro traf er seine spätere Frau, eine irische Austauschschülerin, auf dem Weg zu ihrer Gastfamilie nach Südwestfalen. „Ich habe meinen Koffer nach Amerika fliegen lassen, und bin selbst in Deutschland geblieben“, erzählt Karger mit einem Schmunzeln im Gesicht. Das Schicksal hatte einen „Geniestreich“ gespielt – und führte ihn später fast zwei Jahrzehnte nach Irland.
Eine Ausbildung, die überall zählt
Constantin ist Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, ausgebildet im Sauerland. Dass seine Ausbildung von höchster Qualität war, zeigte sich nach Zivildienst und kurzzeitiger Anstellung in Südwestfalen schon bald weit über die Landesgrenzen hinaus: Von 1999 bis 2015 lebte und arbeitete er mit seiner irischen Frau in ihrer Heimat. „Ich war den Kollegen vor Ort fachlich um Längen voraus – nicht nur technisch, sondern auch mit den handfertigen Tricks und Kniffen.“ Wo einheimische Kollegen Stunden brauchten, war er schneller, genauer, sauberer. Genau das öffnete ihm in Irland Tür und Tor.
Im Jahr 2000 machte sich Constantin in Irland selbständig – der Anfang: eine Annonce in der Zeitung suchte einen Handwerker. Sein erster großer Auftrag war ein Wohnkomplex direkt am Hafen von Galway mit 40 Wohnungen. „40 Wohnungen mit einem Klo, einer Dusche, einem Waschbecken und einer Küchenspüle – das ist ja nicht viel“, resümiert er. Daraus wuchs ein Betrieb mit zeitweise fünf Mitarbeitern. Über Empfehlungen und Immobilienmakler kamen weitere Aufträge dazu, darunter die Wartung mehrerer Hotels. „Da gehst du hin, kriegst 140 Häuser, in jedem zwei Badezimmer – dann baust du eine ganze Wohnsiedlung auf.“
Deutscher Handwerker: ein Gütesiegel
Der deutsche Ausbildungsstandard sei sehr, sehr hoch: „Wenn du als Handwerker ins Ausland gehst, hast du definitiv sehr wenige Probleme, einen Job zu kriegen“, erinnert sich Karger. Den deutschen Meistertitel gäbe es im englischsprachigen Raum so nicht. „Stattdessen lässt man sich als ‚Master Craftsman‘ eintragen – ohne Titel.“ Dafür reichen drei Kundenrezensionen: „So eine Art: Guck mal, der weiß, was er tut.“
Seine Zeit in Irland endete 2015. „Ich wäre in Irland geblieben, wenn die Wirtschaftskrise nicht gewesen wäre.“ Als nach 2008 das Baugewerbe einbrach und die Banken kein Geld mehr vergaben, blieb von der Auftragsfülle nichts. Er erinnert sich an den Montagmorgen im Februar 2008, als die Baustelle über Nacht stillgelegt wurde: „Sicherheitsdienste standen davor, niemand wurde mehr reingelassen. Es lagen Materialien im Wert von 60.000 Euro und die ganzen Werkzeuge drauf.“ Der Bauunternehmer meldete Insolvenz an, es folgten Monate des Wartens, verlorenes Geld und gestohlene Werkzeuge. Schließlich zog er mit Frau und Kindern zurück ins Sauerland.
Der Weg zum bbz Arnsberg
In Deutschland startete er neu: erst angestellt, dann 2017/2018 die Meisterschule bbz Arnsberg in Vollzeit. „Das war eine gute Entscheidung. Ich habe hier wieder richtig viel gelernt. Vieles aus der Lehre war inzwischen über den Haufen geschmissen.“ Danach wagte er erneut die Selbstständigkeit – bis eine Insolvenz ihn in die Anstellung zurückführte.
Seit Januar 2025 arbeitet er dort, wo er einst selbst lernte und heute am liebsten ist: als Ausbilder im Berufsbildungszentrum. Gerade mit den jungen, wissbegierigen Auszubildenden hat er ein Händchen. Besonders wichtig ist ihm das Kollegium: „Als ich angefangen habe, hat mir das Team enorm geholfen.“ Die Auszubildenden unterstützt er mit Überzeugung: „Wenn du ausbildest, sollst du jemanden ausbilden, der dir später mal richtig Geld bringt – und nicht jemanden, der nur fegen kann.“
Zwischen zwei Welten
Heute lebt Constantin mit seiner Familie in Sundern-Langscheid. Zu Besuch nach Irland? „Definitiv, auf jeden Fall.“ Dauerhaft? „Das ist schwer zu sagen. Am liebsten würde ich die Vorzüge beider Länder kombinieren – aber das ist ja leider nie möglich.“ Zwei Vorzüge Irlands hebt er besonders hervor: „Erstens sind die Menschen generell entspannter. Stress ist dort, zumindest außerhalb von Dublin, mehr oder weniger ein Fremdwort. Und zweitens: Du wohnst fast überall in der Nähe vom Meer – maximal eineinhalb Stunden. Dazu eine raue, überwältigend beruhigende Natur.“ Was Deutschland ihm gibt? „Die kulinarische Auswahl ist hier wesentlich besser, gerade bei Fleisch und Käse. Und wenn ich noch einmal eine Ausbildung machen würde, dann hier – ganz klar.“


