Quelle: Veltins
Ein Schluck Zeitgeschichte: Original-Bierkasten aus den Geburtsjahren der Babyboomer
Mit Original-Etikettierung versteht sich. „Das ist eine Rarität – ein Glücksfall für unseren historischen Archivalien-Bestand“, sagt Elke Kenter, die das Veltins Archiv betreut. „Man mag es kaum glauben, aber genau mit diesen Flaschen wurden damals die neuen Erdenbürger jener Generation gefeiert, die wir heute als Babyboomer kennen.“ Der hölzerne Kastenrahmen trägt den Einbrand des Herstelljahres 1964 – kurz bevor die Einführung der Kunststoffkästen begann.
Rarität atmet Geist echter, robuster Handwerkstradition
Während in den Wohnzimmern die Nierentische glänzten und die ersten Supermärkte ihre Pforten öffneten, stand dieser Kasten für das Besondere. Erst zum Ende der Sechzigerjahre begann die flächendeckende Einführung von Kunststoffmehrwegkästen in Nordrhein-Westfalen. Sie machten das Bier im Handel „salonfähig“– dieser hölzerne Fund mit gläsernem Inhalt aus der Zeit zwischen 1965 und 1970 atmet jedoch noch den Geist echter, robuster Handwerkstradition. Der Holzkasten war bis dahin über Jahrzehnte hinweg ein übliches Gebinde, in dem Flaschen beim Transport – anders als heute – dicht an dicht standen und entsprechend laut klirrten. Erst mit Beginn der Kunststoffkasten-Ära wurden Gefache eingeführt, die einen schonenden Transport des kostbaren Inhaltes garantierten.
28 braune und zwei grüne Flaschen mit Original-Etiketten
Der Anblick gerade der historischen 0,33-Liter-Flaschen ist für Kenner schon deshalb eine kleine Sensation, da Drittel-Liter-Gebinde in jenen Jahren in Nordrhein-Westfalen kaum verbreitet waren. „Damals favorisierten die Bierfreunde in NRW die Halbliter-Flasche“, erzählt Elke Kenter. Während das Land an der Schwelle zu den Siebzigerjahren gerade erst den Abschied von der altgedienten Bügelverschlussflasche nahm und die Umstellung auf die neue, genormte Euro-Flasche vollzog, bewies Veltins bereits Weitblick und hatte schon auf die charakteristische, bauchige Steinie-Form mit Halbliter-Inhalt umgestellt. Die Drittel-Liter-Flasche galt als „Edel“-Gebinde für die Pils-Kenner. Jede einzelne Flasche trägt deshalb eine sorgsam angebrachte Goldfolierung am Hals – damals das erste, unmissverständliche Signal für den Premium-Charakter der Marke. Vorgefertigte Goldmanschetten wurden damals in der Veltins-Abfüllung per Hand auf jede Flasche gestülpt und sozusagen festgedreht. Und noch eine Besonderheit tauchte auf: Unter den braunen Flaschen, die Veltins in den Sechziger- und Siebzigerjahren ausnahmslos einsetzte, verbergen sich in dem historischen Holzkasten auch zwei grüne Glas-Exoten, die dem Fund eine fast mystische Note verleihen.
Der Etikettendruck mag aus heutiger Sicht weit von Perfektion entfernt sein, doch er transportiert eine handfeste Ehrlichkeit, die den Menschen damals genügte. Besonders das Rücketikett liest sich wie eine Liebeserklärung an das Brauhandwerk und die Heimat: Hier wird stolz erklärt, dass die Brauerei C. & A. Veltins mitten im Sauerland auf einer Höhenlage von 450 Metern liegt. Die klimatischen Gegebenheiten, die Bodenverhältnisse und vor allem das herrliche, weiche Brauwasser seien ausschlaggebend für die Herstellung des Bieres nach Pilsener Brauart. „Ausgesuchter Hopfen und feinstes Malz bewirken ein ausgezeichnetes Endprodukt und verleihen dem Bier seinen edlen, weinigen und feinherben Charakter“, ist da zu lesen. Ein Mindesthaltbarkeitsdatum sucht man auf diesen Flaschen übrigens vergeblich, denn das gab es damals noch nicht. Und vielleicht ist das auch symbolisch zu verstehen: Die wortreich ausgelobte Bekömmlichkeit, die seinerzeit für den guten Ruf der Sauerländer Biere sorgte, sollte ebenso zeitlos bleiben wie der Fund selbst.



