Der Tod der Demokratie im ländlichen Raum

Stadtvertretung Schmallenberg

Quelle: Stadtarchiv Schmallenberg

Die Stadtvertretungen in Schmallenberg und Fredeburg nach der Machtübernahme 1933

Der 30. Januar 1933 gilt allgemeinhin als einschneidendes Datum der Deutschen Geschichte – der Tag an dem Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Dabei darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich dabei weniger um die von den Nationalsozialisten propagierte „Machtergreifung“ handelte und sich die Demokratie der Weimarer Republik schon seit Jahren in einer schlechten Verfassung befand. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war nur der letzte Sargnagel für die Demokratie und der erste Schritt hin zu einer Diktatur. Für die Zeitgenossen – gerade fernab der Berliner Politik hier im Sauerland – war der 30. Januar 1933 zunächst ein Montag.

Die Stadtvertretung Fredeburg
Auch die kommunale Politik ging zunächst ihren gewohnten Lauf: Einen Tag später traf sich die Stadtvertretung Fredeburg zu einer außerplanmäßigen Sitzung, auf der über eine Abtretungserklärung gegenüber Kosten der Ortskrankenkasse entschieden wurde. Der Inhalt der Sitzung soll hier nicht weiter von Bedeutung sein. Vielmehr geht es um die handschriftlichen Vermerke an der Anwesenheitsliste: Wie bei jeder Sitzung der Stadtvertretung wurden der Stadtvorsteher sowie die anwesenden und abwesenden Stadtverordneten namentlich aufgeführt. Zwar nur mit Nachnamen, die unbekannte Handschrift vermerkte davor aber die Vornamen mit Bleistift. Viel interessanter sind aber die Notizen hinter den Nachnamen: „Zentrum“, „SPD“ und „deutsch nat.“ (deutsch-national) lässt sich dort lesen. Dabei wird es weniger um den Besitz von Parteibüchern der entsprechenden Parteien gegangen sein, sondern eher um die politische Orientierung der Mitglieder der Stadtvertretung. So heißt es bei einem abwesenden Mitglied: „deutsch nat. bis Zentrum“. Die politische Einstellung der übrigen Stadtverordneten verteilt sich wie folgt: Zentrum 5; SPD 2; deutschnational 1. Vermutlich ging nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ein Erlass von oben zu den Städten, um die politischen Gesinnungen auf lokaler Ebene zu analysieren. Vermuten lässt sich dies aufgrund der Ergänzungen mit Bleistift, welche nicht vom Protokollanten und zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt worden sind. Ebenfalls spricht die Ergänzung der Vornamen dafür, dass es sich dabei um einen Ortsfremden oder zumindest um Informationen für Ortsfremde gehandelt haben muss.

Die Stadtvertretung Schmallenberg
Die gleichen Anmerkungen finden sich auch im Protokoll der Stadtvertretung Schmallenberg vom 31. März 1933. Es handelt sich dabei um dieselbe Handschrift wie bei den Fredeburger Anmerkungen zwei Monate zuvor. Für die Schmallenberger Stadtverordneten fiel die politische Einschätzung folgendermaßen aus: Zentrum 6; SPD 1, Zentrum bis deutsch-national 1, KPD 1. Die Sitzung vom 31. März 1933 war die erste Sitzung nach der Kommunalwahl am 12. März 1933 und nach dem Erlass der sogenannten „Reichstagsbrandnotverordnung“, mit der Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft gesetzt wurden. Unter anderem bedeutete dies auch den Ausschluss der KPD aus der Politik und Verfolgung durch die NSDAP. In Schmallenberg betraf dies konkret den Stadtverordneten Albert Sandmann, welcher zwar bei der Kommunalwahl in die Stadtvertretung gewählt wurde, aufgrund seiner Zugehörigkeit zur KPD aber von der Sitzung ausgeschlossen wurde.