„Der störrische Kerl lässt sich nichts sagen.“

Von Hause aus "ballstürig" (im Sinne von ungestüm und wild) sind natürlich die Dülmener Wildpferde. Foto: © LWL-Medienzentrum für Westfalen

Quelle: LWL Medienzentrum für Westfalen

Westfalen (lwl). Als störrisch oder halsstarrig bezeichnet man Pferde, die sehr schlecht zu steuern oder geradezu unlenkbar sind. Im Plattdeutschen – vor allem in nördlichen Regionen – gibt es hierfür das Wort „ballstürig“. Es kann nicht nur „ungestüm, wild“ bedeuten, „wütend“ oder „ungeschickt, unbeholfen“, sondern auch „scheu, ängstlich“. Das Wort wird recht oft auch für Menschen verwendet, wissen Sprachwissenschaftler:innen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

„Das Wort besteht aus drei Teilen“, erklärt Dr. Markus Denkler, Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL. „Der Endung ‚-ig‘ für Eigenschaftswörter, dem Tätigkeitswort ’stüren‘ für ’steuern‘ und einem in freier Verwendung nicht mehr gebräuchlichen Wort für ‚übel‘.“ Wollte man das Wort „ballstürig“ auf Hochdeutsch nachbauen, käme also „übel-steuer-ig“ heraus. 

Auch im Niederländischen kommt das Wort als „balsturig“ vor und bedeutet widerspenstig oder launisch. Das Wort ist weit gereist, denn „das Dänische hat ‚balstyrig‘ aus dem Niederdeutschen entlehnt“, weiß Denkler. 

Dass mit „ballstürig“ auch Eigenschaften von Menschen bezeichnet werden, belegt dieser Satz: „Dai balstüörige Kääl lett sick nicks seggen.“ Das bedeutet etwa „Der störrische Kerl lässt sich nichts sagen.“ Dieser Beleg stammt aus Welver im Kreis Soest.

Hintergrund: Wort des Monats

„Knieptange“, „Kinnergaoren“, „Maihdiärschker“ – die Bedeutung dieser plattdeutschen Wörter kann man relativ leicht aus dem Hochdeutschen herleiten. Sie stellen nämlich genaue lautliche Entsprechungen von „Kneifzange“, „Kindergarten“ und „Mähdrescher“ dar. Der Wortschatz des Plattdeutschen ist allerdings über die Jahrhunderte eigenständig gewachsen, und so finden sich viele Wörter, die sich nicht so einfach aus dem Hochdeutschen herleiten lassen. Der LWL stellt deshalb seit 2019 das „Wort des Monats“ vor. Hier finden sich alle Wörter des Monats: https://www.mundart-kommission.lwl.org/de/forschung/niederdeutsch/wort-des-monats/

Die Video-Serie „Guet Gaohn!“
Oma Else telefoniert auf platt – Münsterländer Platt. Und wenn Enkel Erik und Nichte Nele zu Besuch sind, schnappen sie das eine oder andere Wort auf. Sie fragen sich: Was sind „Nachtpolter“, „Poggenstohl“ und „Freiseküddel“? Der LWL veröffentlicht regelmäßig Videos unter: https://www2.lwl.org/de/LWL/portal/lwl-storys/2026/guetgaohn/