Der Schmallenberger Höhenlift: Eine Institution mit Geschichte

Der Skilift in Schmallenberg wird beschneit

Der Skilift in Schmallenberg ist weit mehr als nur eine Winterattraktion – er ist ein Ort voller Geschichten. Schon 1953 wurden die ersten Anträge für einen Skilift an die Stadt Schmallenberg gestellt, 1960 ein zweites Mal. 1969 beschlossen die Mitglieder des Skiclub Schmallenberg 1909 e.V., erneut einen Antrag zu stellen. Diesmal mit Erfolg: Die Genehmigung für den Bau eines Lifts wurde erteilt.

Favorisiert wurde die „Schmallenberger Höhe“. Sie bot eine Nordhanglage mit hoher Schneesicherheit, eine geplante Liftstrecke von rund 1.000 Metern sowie günstige Verkehrs- und Parkmöglichkeiten. 1970 erfolgte eine Ortsbegehung, 1971 wurde die Ski-Lift-Gesellschaft gegründet, die 1972 die Bauarbeiten in Auftrag gab. Die frisch gegründete Firma Brünning & Trippe begann mit der Rodung der Piste, der erste Auftrag der heutigen Franz Trippe GmbH.

v.l.n.r.: Christian Jungblut (Lifttechnik) und Christoph Keite (Vorsitzender des Skiclubs)

Die feierliche Eröffnung des „Schmallenberger Höhenlifts“ fand am 10. Dezember 1972 statt – ohne Schnee, aber mit Feuerwerk und Fackellauf. Die Kosten für den Lift lagen bei rund 350.000 Mark.

Technik und Kapazität
Christian Jungblut, verantwortlich für die Technik des Lifts, erklärt die Anlage: „Bei voller Geschwindigkeit benötigt ein Anker sieben Minuten und vierzig Sekunden für eine komplette Runde. Die Schlepplänge beträgt 900 Meter. Damit können wir bis zu 900 Personen pro Stunde nach oben befördern, wenn jeder Anker mit zwei Personen besetzt ist.“

Bemerkenswert ist das Seil: „Es ist nicht geschweißt, sondern gespleißt. Sieben geflochtene Zöpfe aus vielen kleinen Drähten werden jeweils versetzt über sieben Meter um einen Kunststofffaden gewickelt. So kann das Seil bei den Umlenkrollen nicht brechen – ein Problem, das bei geschweißten Seilen schnell auftreten würde.“

Der Skilift in Schmallenberg mit bester Aussicht.

Ganzjähriger Tourismus
Schon seit 1972 wird die Region um den Lift von verschiedensten Vereinen und Firmen auch für die Sommersaison touristisch genutzt. Viele Projekte verschwanden wieder, so z.B. die erste Sommerrodelbahn ihrer Art in Deutschland, ein Abenteuerspielplatz, ein Trimm-Dich-Pfad, ein Tretbecken, eine Grass Ski Europameisterschaft oder eine Kneipe im ansässigen Reitzentrum. Andere Projekte wurden erneuert oder erweitert wie die Frenn-Wiethoff- und Handweiser-Hütte oder das Urlaubsdorf Liebesgrün.

Wer auch aus der Ferne die Aussicht von der Schmallenberger Höhe erleben möchte, kann dies heute bequem online tun: Über die vom Verkehrsverein Schmallenberg betriebene Webcam unter „sauerland.camera“ lässt sich ein Live-Bild abrufen. Unter „Bilder Best Of“ sind Highlights wie Blitzeinschläge, Polarlichter oder Kometensichtungen dokumentiert.

Herausforderungen und Krisen
Auf dem Weg vom Bau bis heute gab es zahlreiche Herausforderungen. Bereits 1973/74 führte ein Sonntagsfahrverbot im sogenannten „Pocken-Winter“ zu Einnahmeausfällen. Ähnlich war es 2021 während der Corona-Pandemie, als Lift, Rodelhang und Parkplätze gesperrt wurden.

Finanzielle Engpässe führten 2004 dazu, dass die Ski-Lift GmbH den Lift an die Stadtsparkasse Schmallenberg verkaufte. Später übernahm der Skiclub den Lift symbolisch für einen Euro.

Auch Orkan „Kyrill“ 2007 beschädigte einige Bäume und einen oberen Abfahrtsschlenker. 2019 brannte das Kassen- und Steuerungshäuschen nach einem elektrischen Defekt nieder; die Webcam dokumentierte den Vorfall, und dank Versicherung und engagierter Helfer konnte der Neubau bereits im August 2019 abgeschlossen werden.

Immer wurden und werden Pläne geschmiedet, verworfen und neue Ideen umgesetzt – Zeichen eines lebendigen Ortes.

Skischule und Besucher
Unzählige Urlauber und Kinder aus Schmallenberg haben auf dem Höhenlift Skifahren gelernt. Seit der Eröffnung des Skistadls im Vereinsheim des Skiclubs können Besucher moderne Ausrüstung ausleihen und individuell anpassen lassen. Auch externe Gäste schätzen die Geschwindigkeit und den Service.

Unter der Woche kommen an Schneetagen etwa 90 Prozent der Besucher aus dem Schmallenberger Sauerland, an Wochenenden reisen zahlreiche Gäste aus dem Ruhrgebiet, Rheinland oder den Niederlanden an. Christoph Keite, Vorsitzender des Skiclubs, erklärt: „Die Tagestouristen sind begeistert von unserem Lift, aber die Schmallenberger und die Leute aus der Umgebung sind die wichtigsten Gäste. Wer einmal hier war, kommt wieder – gute Pisten, tolle Stimmung, nicht überfüllt, fantastische Aussicht.“

Schneesicherheit und Kuriositäten
Die Öffnungstage variieren je nach Winter – bisher maximal 52 Tage in der Saison 1983/84. Seit 2002 sorgen Schneekanonen für zusätzliche Schneesicherheit. Christian Jungblut erinnert sich an besondere Momente: „Vor einigen Jahren stand jeden Morgen bei Kontrolle der Schneekanonen ein Hirsch im Scheinwerferlicht auf der Piste – nur die Silhouette war zu sehen, unglaublich.“

Auch sonst wird die Arbeit am Lift nicht langweilig: Tourengeher trainieren frühmorgens auf der Strecke, Golfbälle liegen manchmal auf der Piste, und Schlittenfahrer oder Tiere verändern das frisch planierte Gelände binnen Minuten.

Ehrenamt als Schlüssel zum Erfolg
Der Skiclub Schmallenberg zählt aktuell etwa 1.000 Mitglieder und ist der zweitgrößte Sportverein der Stadt. Der Lift lebt vom Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher und lokaler Firmen, die bei Reparaturen, Transport oder Verpflegung sofort einspringen. In Zeiten sinkender Liftzahlen im Sauerland ist dieses Netzwerk entscheidend für den Fortbestand.

Der Schmallenberger Höhenlift bleibt damit eine Institution: ein Treffpunkt für Jung und Alt, für Einheimische und Gäste, ein Ort voller Geschichten, Spaß und Engagement.

Da bleibt nur noch ein „Ski Heil“ für die Wintersaison 2025/26 in Schmallenberg!

Ein Jahr in Bewegung: Der Skilift im Zeitraffer.
Ein Jahr in Bewegung: Der Skilift im Zeitraffer.