
Der Kirchenmaler Franz-Josef Kemper und sein Gespür für feinste Farbtöne
Seine Werke ziehen im Schmallenberger Sauerland alle Blicke auf sich, doch sein Name ist kaum jemandem bekannt: Franz-Josef Kemper aus Schmallenberg-Oberkirchen ist Kirchenmaler und Restaurator. Er sorgt dafür, dass der Schmuck an besonders denkmalgeschützten Fassaden seinen alten Glanz zurückerhält. Zu seinen Wirkungsstätten gehören einige der bedeutendsten Fachwerkhäuser der Region.
Freihand mit exaktem Pinselstrich hat er in den letzten Wochen die Inschriften und Schnitzereien der Fassade des Schultenhofes in Winkhausen restauriert. Es gilt als eines der am besten erhaltenen und am denkmalgerechtesten renovierten Gebäude des Sauerlandes gilt. Das heutige Haupthaus des Hofes einer Familie Schulte entstand 1662 an einem wohl schon bedeutend älteren Wohnplatz. Heute beherbergt das historische Haus ein beliebtes Café und ist deshalb ein besonderer Magnet für Blicke. Der frisch restaurierte Fassadenschmuck wird da in Zukunft einiges zu beitragen.
Mit Geduld, Gespür und ohne Kreativität
Jede für die Arbeit notwendige Farbe hat Franz-Josef Kemper selbst gemischt und mit feinem Pinsel sorgfältig aufgetragen. Kempers Arbeit wird dadurch vielleicht als künstlerisch wahrgenommen; zur Kreativität hat er aber eine ganz eigene Einstellung: „Kreativ hat die Restaurierung gar nicht zu sein. Du kannst da nicht eigene Interpretationen reinbringen. Du musst dich daran halten, was die Künstler oder die Baumeister vor zwei, drei oder 400 Jahren selbst gemacht hat und das musst du erhalten.“
Geduld ist wohl die wichtigste Eigenschaft eines Restaurators. Franz-Josef Kemper beschreibt, warum: „Wenn man weiß, unter einem Stück Putz ist eine barocke oder frühgotische Malerei, dann kann es passieren, dass man innerhalb eines Tages vielleicht eine bierdeckelgroße Flächen freilegen kann. Schließlich musst du die Substanz darunter erhalten. Und wenn sich davon eine Scholle löst, dann lässt du die Finger davon, holst die Schollenspritze, festigst erstmal diese Scholle und fängst an einer anderen Ecke an. Am nächsten Tag kannst du dann wieder weiter machen – nur um diesen halben Quadratzentimeter zu retten. Das ist eben die Aufgabe eines Restaurators.“
Die Macht der Farben
Besonderes Gewicht legt Franz-Josef Kemper auf die exakte Farbtönung, die Chromatik. „Ich habe mir noch nie in meinem Leben in einem Geschäft einen Pott Farbe geholt, den Deckel aufgemacht und dann damit gestrichen. Ich habe bis jetzt jede Farbe immer verändert, sodass sie ein bisschen angenehmer aussieht und zum Objekt und seiner Geschichte passt.“ Sein perfektes Gespür für historischen Farbgebung hat ihn schon früh qualifiziert, an der Restaurierung eines der bedeutendsten Deckengemälde der europäischen Architekturgeschichte mitzuarbeiten: dem größten, je gemalten Deckenfresko der Welt von Giovanni Battista Tiepolo in der fürstbischöflichen Residenz in Würzburg.

Koch und Künstler
Dabei war Franz-Josef Kempers Werdegang alles andere als geradlinig. Aus einer alten Gastronomiefamilie stammend war sein ursprünglicher Berufswunsch Koch. Aus eigener Erfahrung riet sein Vater ihm jedoch nachdrücklich ab: „Die anderen stehen auf dem Fußballplatz und du stehst in der Küche und spülst die Pötte!“ Zum Glück wurde gerade die Kirche in seinem Heimatort Oberkirchen renoviert. Das brachte ihn auf eine ganz andere Idee. Nach einer Malerlehre im Sauerland ging er für zweieinhalb Jahre nach Paderborn. Bei der auf die Restaurierung historischer Gebäude spezialisierten Firma Ochsenfarth wurde er zum Kirchenmaler und Restaurator ausgebildet. Ferner arbeitete er für sieben Jahre in einem Glasmalerbetrieb.
Nach nur wenigen Berufsjahren nahm sein Leben dann eine überraschende Wendung. Die Liebe brachte ihn nicht nur in seinen Heimatort Oberkirchen zurück, sondern auch zu einem ursprünglichen Berufswunsch. Nach der Hochzeit mit der Erbin des Oberkirchener Traditionsgasthoftes Schauerte-Josten wandelte er sich autodidaktisch zum Koch. Für ein Vierteljahrhundert stand er allein in der Küche des beliebten Hotel-Restaurants. Seine künstlerische Ader hat er aber auch in dieser Zeit nicht verleugnet. Unter anderem entstanden neben leckeren Gerichten Auftragsarbeiten im Bereich der Glasmalerei. Erst nach dem Verkauf des Betriebes kehrte er in seinen erlernten Beruf zurück.
Im Unruhestand
Obwohl längst im Rentenalter, übernimmt er nach wie vor gerne anspruchsvolle Restaurierungsarbeiten – wenn er die nötige Zeit hat und ihn das zu restaurierende Objekt interessiert. Zu seinen jüngeren Arbeiten gehört neben dem Schultenhof der Gasthof Schütte in Oberkirchen und das mit reichem Schnitzwerk verzierte Haus Köster am südlichen Ende der Schmallenberger Weststraße.






