„Der Rothaarsteig war einer der Trendsetter“

Quelle: Rothaarsteigverein e.V. / Klaus-Peter Kappest

Dillenburgs langjähriger Bürgermeister Michael Lotz blickt auf die Anfänge zurück

Nach 154 Kilometern durch Wälder, über Höhenzüge und vorbei an eindrucksvollen Landschaften endet der Rothaarsteig in Dillenburg. Doch wer hier ankommt, hat nicht einfach nur das Ziel erreicht. Die historische Oranierstadt lädt dazu ein, die Wanderung mit einem weiten Blick vom Wilhelmsturm, einem Besuch im Hopfgarten oder in der historischen Altstadt gemütlich ausklingen zu lassen.

Als einstiger Bürgermeister Dillenburgs begleitete Michael Lotz die Entwicklung des Rothaarsteigs nahezu von Beginn an. „Von den 25 Jahren war ich 24 Jahre bei der Entstehungsgeschichte des Rothaarsteigs dabei“, blickt er zurück. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit gehörte der Rothaarsteig zu den größten touristischen Projekten der Region. „Es herrschte Aufbruchsstimmung“, erinnert sich Michael Lotz. Nicht nur Gäste von außerhalb sollten für den neuen Premiumwanderweg begeistert werden, auch die Menschen vor Ort wurden von Anfang an in dieses touristische Leuchtturmprojekt eingebunden.

Veritabler Wirtschaftsfaktor
Heute präsentiert sich der hessische Abschnitt des Rothaarsteigs von seiner schönsten Seite. Weite Ausblicke, sanfte Höhenzüge und kulturelle Sehenswürdigkeiten wie der Wilhelmsturm, der Bismarcktempel oder der historische Hofgarten erwarten die Wanderer am südlichen Endpunkt des Fernwanderwegs. Der Rothaarsteig ist längst mehr als nur ein Premiumwanderweg. Er hat sich im Verlauf der Jahre zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. „Rund 1,5 bis 2 Millionen Wanderer sind jedes Jahr auf dem Fernwanderweg unterwegs. Nach Untersuchungen entstehen dadurch jährlich rund 50 Millionen Euro Wertschöpfung und etwa 800 Arbeitsplätze in der Region“, betont der ehemalige Bürgermeister.Sein persönlicher Lieblingsort liegt auf dem Kornberg. Dort lädt eine Rothaarsteigschaukel dazu ein, den Blick über die Landschaft schweifen zu lassen. „Wenn man sich auf die Rothaarsteigschaukel legt und diesen wunderbaren Blick in die Weite hat, dazu außer der Natur nichts hört, dann ist das ein wundervoller, friedvoller Ort.“

Quelle: Dominik Ketz

Nachhaltig Urlaub machen
Unter dem Motto „Weg der Sinne“ steht der Rothaarsteig heute für nachhaltigen Tourismus. Dass dieser Gedanke in Dillenburg Tradition hat, zeigte schon der Forstwissenschaftler Georg Ludwig Hartig. Er gründete in Dillenburg die erste deutsche Forstschule und prägte das Prinzip der nachhaltigen Waldwirtschaft. Für Michael Lotz ist das aktueller denn je: „Ich finde, es gibt relativ wenig Dinge, die so nachhaltig sind wie ein Urlaub an so einem Steig. Man kann mit der Bahn anreisen, braucht kein Auto und hat ein unmittelbares Naturerlebnis.“ Wer den Fernwanderweg nicht komplett erwandern möchte, findet rund um Dillenburg mit den Rothaarsteig-Spuren attraktive Tageswanderungen. Der Wacholderweg am Wildpark Donsbach eignet sich besonders für Familien, genauso wie die Dill-Berg-Tour bei Haiger mit abwechslungsreichen Ausblicken begeistert.

Rendezvous der Wege
Eine Besonderheit der Region ist zudem das „Rendezvous der Wege“. „Wir haben hier drei zertifizierte Premiumwanderwege, die sich treffen. Das sind der Rothaarsteig, der Westerwaldsteig und der Lahn-Dill-Bergland-Pfad“, erläutert der ehemalige Bürgermeister. Auch nach 25 Jahren sieht Michael Lotz den Rothaarsteig als Vorreiter unter den deutschen Fernwanderwegen: „Der Rothaarsteig war einer der Trendsetter. Die Verbindung zwischen Natur und allen Sinnen, das macht ihn bis heute besonders.“

Zum 25-jährigen Jubiläum wünscht sich Lotz vor allem eines: „Ich wünsche dem Rothaarsteig, dass die Menschen den Wert dieser wunderbaren Natur erkennen und dass dieses Projekt noch viele Jahre Menschen aller Herkunft und jeden Alters die Möglichkeit gibt, Gemeinschaft zu erleben und der Natur nah zu sein.“